Derzeit stehen die Laubbäume auf dem Eiland in der Flussmitte kahl da. Kormorane und Enten bevölkern das Ufer. Kleinere Baumstämme liegen am Boden – wohl das Werk von Bibern. Tiere sind auch die einzigen erlaubten Bewohner der Fridolinsinsel, die ein Naturdenkmal und deshalb für den Menschen tabu ist.

Karl Braun, Stadtführer und Kenner der Säckinger Lokalgeschichte, weiss dennoch viel über sie zu erzählen. Über viele Jahrzehnte sei sie nur eine flache Sandbank gewesen, sagt Braun. Dann aber habe im Jahr 1961 der Bau des Rheinkraftwerks dazu geführt, dass das Flussbett tiefer lag und sie aufgeschüttet, befestigt und bepflanzt wurde.

Eine heilige Insel

Die Insel liegt in der Mitte des Rheins. Die Frage nach dem Inselbesitzer – ob nun Deutsche oder Schweizer sie ihr Eigen nennen dürfen – ist gar keine einfache. Auf den ersten Blick könnte man zu folgendem Schluss kommen: fifty-fifty, zur Hälfte der Schweiz und zur Hälfte Deutschland. Aber geklärt sind die prozentualen Besitzanteile nicht. Was auch damit zusammenhängt, dass in früheren Zeiten nicht die Flussmitte die Staatsgrenze markierte, sondern die Hauptrinne, also meistens die tiefste Stelle des Rheins, dort, wo die Schiffe fuhren. Und an deren Wegzoll wollten damals beide Seiten ran – Schweizer und Deutsche.

Ungeklärt ist auch, wie die Insel zu ihrem Namen kam – Fridolinsinsel. «Sicher ist nur, dass sie nicht die Insel ist, auf welcher der Heilige Fridolin im
7. Jahrhundert ein Kloster gründete», sagt Braun.

Kulisse für «Der böse Onkel»

Und klar sei auch, dass Teile der Stadt Bad Säckingen früher selbst auf einer Insel lagen. Eine steinerne Brücke verband die Inselstadt mit dem Stadtteil auf der rechten Rheinseite. Das war bis 1830 so. In dem Jahr verlandete der Flussarm, der beide Stadtteile voneinander trennte. Die steinerne Brücke wurde überflüssig. Arbeiter trugen sie damals aber nicht ab, sondern schütteten lediglich das Erdreich um sie herum auf. Karl Braun: «Noch heute kann man das in der Steinbrückstrasse sehen, und zwar anhand zweier unterschiedlicher Pflasterbeläge.»

Einmal aber , erst in jüngster Zeit, betraten doch einmal Menschen die Fridolinsinsel. 2009 filmten Kameraleute von dort aus die Bad Säckinger Holzbrücke. Es waren Dreharbeiten zum Schweizer Kinofilm «Der böse Onkel», der im Herbst 2011 zum ersten Mal gezeigt wurde.