Stein
Ein steiniger Weg für die Velostrasse – «Leuchtturmprojekt» auf Abwegen

Der Bürgermeister von Bad Säckingen ist «gar nicht begeistert. Nach dem Nein zur grenzüberschreitenden Velostrasse wird die Routenplanung zur Quadratur des Kreises – doch Förderbeiträge sind nach wie vor in Aussicht.

Dennis Kalt
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Die grenzüberschreitende Veloverbindung soll über die Holzbrücke führen. Bild: dka (Stein, 10.Dezember 2018)

Die grenzüberschreitende Veloverbindung soll über die Holzbrücke führen. Bild: dka (Stein, 10.Dezember 2018)

Rund zwei Jahre hat der Gemeinderat geplant, diskutiert und sich über die Routenführung den Kopf zerbrochen. Trotzdem hat die Steiner Gemeindeversammlung von Freitagabend die grenzüberschreitende Velostrasse zurückgewiesen. Doch Beat Käser, Gemeindeammann von Stein, blickt bereits nach vorne. «Die Mehrheit hat entschieden. Jetzt heisst es, den Auftrag des Souveräns wahrzunehmen.» Mit der direkten Verbindung – mit Anschluss an Novartis – wollen die Gemeinden Stein und Bad Säckingen die Lücke im Netz des öffentlichen Verkehrs zwischen ihren Bahnhöfen schliessen.

«Gar nicht begeistert» war Alexander Guhl, Bürgermeister von Bad Säckingen, als er davon erfuhr, dass die Steiner Gemeindeversammlung das «Leuchtturmprojekt» zurückgewiesen hat. «In der grenzübergreifenden Zweiradverbindung stecken viele Stunden der gemeinsamen Arbeit.» Klar ist für Guhl, dass der Bad Säckinger Gemeinderat nur grünes Licht für den Bau des Projekts geben wird, wenn dies auch der Steiner Souverän tut. «Eine halbe Fahrradroute macht keinen Sinn bei einem Vorhaben, das unter dem Namen ‹Von Bahnhof zu Bahnhof› steht.»

«Ein Fahrverbot ist Stumpfsinn»

Mit dem Rückweisungsantrag an der Gemeindeversammlung hat der Souverän klar formuliert, dass er keine Route möchte, die durch die Schulstrasse führt. Dies wegen der Kollisionsgefahr zwischen Schülern und Velofahrern. Für Käser gleicht dieser Auftrag der Quadratur des Kreises. «Unabhängig wie die Veloroute verläuft, werden die Angestellten von Novartis mit dem Velo durch die Schulstrasse fahren, weil dies der kürzeste Weg vom Steiner Bahnhof aus ist», sagt er. Um dies zu vermeiden, müsse man schon ein Fahrverbot für Velofahrer in der Schulstrasse erlassen. Dies halten sowohl Käser als auch Gemeinderat Hansruedi Schlatter, verantwortlich für Fragen des öffentlichen Verkehrs, für eine falsche Massnahme.

Eine Alternativ-Route vom Bahnhof zu Novartis, die etwa gleich lang wie über die Schulstrasse ist und dem Rhein entlangführt, verwerfen Käser und Schlatter unisono. Dies, weil der Rheinuferweg im nächsten Jahr aufgewertet werden und der Bevölkerung als Naherholungsort dienen soll.

Neben der Frage, wie die Alternativ-Route verlaufen soll, beschäftigt den Gemeinderat die Frage, was nun mit den Beiträgen der Gemeinschaftsinitiative Interreg passiert. Diese hatte der Gemeinde Stein nur wenige Tage vor der Gemeindeversammlung Subventionen von gut 100 000 Franken für die Realisierung des grenzüberschreitenden Zweiradwegs zugesagt.

Freuen dürfte es die Steiner Exekutive, dass die Förderbeiträge für das Projekt mit der Rückweisung der Gemeindeversammlung nicht einfach verfallen, wie Petra Vogel, Leiterin der Aussenbeziehungen des Kantons, erklärt. «Allerdings muss das überarbeitete Projekt dem zuständigen Interreg-Gremium nochmals zur Zustimmung vorgelegt werden», schiebt sie nach. Erst mit dieser Zustimmung erfolge die definitive Zuweisung der Mittel zum Projekt.

In Gefahr, die Beiträge zu verlieren, läuft die Gemeinde unter anderem, wenn das Projekt eine so grosse Verzögerung erfährt, dass die Umsetzung innert des Programmzeitraums bis 2020 nicht mehr vernünftig erfolgen kann. Doch zum jetzigen Zeitpunkt ist gemäss Vogel für die Veloverbindung noch keine entsprechende Frist definiert.

Dennoch will der Gemeinderat keine Zeit verstreichen lassen. Bereits gestern Abend traf sich das Gremium, um Alternativen für die nächste Gemeindeversammlung auszuloten.