Der Fricker Gemeinderat gibt Gas: In drei Quartieren will er Tempo 30 einführen (az berichtete). Dies geschehe «auf Wunsch der Bevölkerung», sagt Gemeindeammann Daniel Suter. Er beruft sich dabei auf eine Umfrage in den Quartieren, nach der eine Mehrheit der Bewohner Tempo 30 will – allerdings ohne die sieben Bäume, die derzeit am Gänsacker und am Königsweg den Automobilisten im Weg stehen und den Verkehr beruhigen sollen. Zwei werden wegen der neuen Tiefgaragen-Einfahrten auf jeden Fall gefällt. Und auch die anderen dürften fallen, denn: «Wir haben einen Planungsauftrag für die Tempo-30-Zone ohne Bäume erteilt», so Suter.

Beat Kraushaar liest in der az vom Tempo-30-Projekt, ist erstaunt. Nicht darüber, dass Tempo 30 in weiteren Quartieren zum Thema wird, nein, das begrüsst er. Aus Gründen der Verkehrssicherheit sei er ein «klarer Befürworter von generell Tempo 30 im Dorf». Ihn erstaunt vielmehr, dass der Rampart, das Quartier, in dem er wohnt, nicht gleich mit zur Tempo-30-Zone erklärt wird.

Zum einen grenzt der Rampart an den Perimeter, in dem nun Tempo 30 eingeführt werden soll. Zum anderen wünschen sich alle Bewohner im Quartier Tempo 30 – und sprachen mit ihrem Anliegen vor drei Jahren auch beim Gemeinderat vor. Damals hiess es: «Geht nicht» und verwies auf die Referendumsabstimmung von 2012, bei der die Fricker deutlich Nein zu einer grossräumigen Tempo-30-Zone gesagt haben. In dieser war auch der Rampart als Tempo-30-Bereich vorgesehen.

Dass es nun doch geht, hält Suter nicht für einen Widerspruch. «Der Rayon ist klar begrenzt und die Bewohner wünschen sich Tempo 30.» Das tun auch die Bewohner im Rampart nach wie vor – trotz der Sackgasse, die der Gemeinderat als verkehrsberuhigende Alternative eingeführt hat. Sie sieht Suter auch als einen Grund, weshalb es nun nicht auch noch Tempo 30 braucht. Auf einer rund 200 Meter langen Stumpenstrasse ohne Durchgangsverkehr Tempo 30 einzuführen, hält Suter für «über das Ziel hinausgeschossen». Er appelliert an den gesunden Menschenverstand, der es einem doch gemahne, in einem Quartier langsam zu fahren.

Gestresste Eltern fahren schnell

Kraushaar erlebt das tagtäglich recht anders. «Die Rampart-Sackgasse ist die wohl meistbefahrene Sackgasse im Dorf», sagt er. Denn jeden Morgen bringen mehr oder weniger gestresste Eltern ihre Kinder in die Kita (mit einer dem Stressfaktor entsprechenden Geschwindigkeit), und auch die Kirchgänger haben es oft eilig, um es noch rechtzeitig in die Messe zu schaffen.

Die Sackgasse habe die Situation nicht entschärft, konstatiert Kraushaar, sondern im Gegenteil verschärft, «weil nun ja alle Autos hin- und zurückfahren müssen». Sein Fazit: «Eine 30er-Zone im Rampart wäre weder übertrieben noch eine Überregulation.»

Suter bleibt skeptisch, ob Tempo 30 im Rampart Sinn macht. Der Gemeinderat sei aber gesprächsbereit. Um das Problem der schnellen Mütter und Väter weiss er. «Es ist paradox, dass Eltern mit einem kleinen Kind im Wagen andere Kinder auf der Strasse gefährden», findet er. Suter kann sich deshalb vorstellen, dass die Regionalpolizei im Rampart eine Aufklärungskampagne bei den Automobilisten durchführt.

Kraushaar winkt ab. «Unser Tempo-30-Anliegen in Ehren, aber die Polizei hat dringendere Prioritäten zu bewältigen.» Zudem: «Wenn gestresste Eltern ihre Kinder am Morgen in die Kita bringen oder Kirchbesucher in Eile sind, verpufft jede gut gemeinte Kampagne.»

Beat Kraushaar bleibt dabei: «Eine 30er-Zone ist die beste Lösung.» Er und seine Mitstreiter könnten aber auch mit einer «Freiwillig 30»-Beschilderung leben oder mit der Montage von «Speedy», einem Gerät, das die Geschwindigkeit misst und in Zahlen oder mit Smileys anzeigt. «Die Erfahrungen belegen, dass mit ‹Speedy› langsamer gefahren wird», sagt Kraushaar.

Kein Tempo-30-Dorf werden

Daniel Suter nimmt die Anregungen entgegen – auch den Rat von Kraushaar: «Angesichts der grossen Gegnerschaft von Tempo 30 sollte der Gemeinderat jede Gelegenheit nutzen und dort, wo Tempo 30 explizit gewünscht wird, auch umsetzen.» Für Suter macht Tempo 30 dort Sinn, «wo es mehr Sicherheit schafft». Wo dies nicht der Fall sei, wo also Tempo 30 zur reinen Schikane mutiere, «gehört keine Tempo-30-Zone hin». Suter kann denn auch die aufgeschreckten Fricker Auto-Seelen beruhigen: «Es ist nicht das Ziel des Gemeinderates, dass nur noch auf der Hauptstrasse 50 gefahren wird und im Rest vom Dorf 30.»