Mumpf
«Ein Profi muss niemand sein, und ultrafromm auch nicht»

Die Angehörigen der römisch-katholischen Kirchenpflege in Mumpf geben alle ihr Amt ab. Wie sich zeigt, ist es nicht einfach, die Kirchenpflege wieder vollständig besetzen zu können. Es droht die Einsetzung eines externen Sachwalters.

Hans Christof Wagner
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Generalsekretär Marcel Notter, die Kirchenpflege-Mitglieder Jeannette Berger und Yolanda Hofer sowie Kurt Adler, Bereichsleiter Bildung Mobil der Landeskirche (von links), an der öffentlichen Information in Mumpf. – Foto: hcw

Generalsekretär Marcel Notter, die Kirchenpflege-Mitglieder Jeannette Berger und Yolanda Hofer sowie Kurt Adler, Bereichsleiter Bildung Mobil der Landeskirche (von links), an der öffentlichen Information in Mumpf. – Foto: hcw

Jeannette Berger, Yolanda Hofer, Peter Hirzel und Andreas Güntert sind die amtierenden Mitglieder der römisch-katholischen Kirchenpflege in Mumpf, die alle ihre Ämter abgeben werden.

Von den Demissionären warben zwei – Jeannette Berger und Yolanda Hofer – im Mehrzweckgebäude für Nachfolger im Amt. «Ich habe es gerne gemacht und auch davon profitiert», sagte Jeannette Berger, und Yolanda Hofer berichtete von «guten Erfahrungen», auch wenn das Amt anfangs «happig» gewesen sei.

Mitglieder der Landeskirche leisteten auch Überzeugungsarbeit: Generalsekretär Marcel Notter sprach von einem «lässigen Team». «Profi muss niemand sein, und ultrafromm auch nicht», sagte er. Schliesslich kümmert sich die Kirchenpflege nicht um pastorale Angelegenheiten, sondern um Finanzen, Liegenschaften und Personal. Und um diese sei es sowohl in der Mumpfer Kirchgemeinde St. Martin, wie auch im Seelsorgeverband Fischingertal mit den Pfarreien Schupfart, Obermumpf und Wallbach gut bestellt. Grosse Herausforderungen stellten sich hier in naher Zukunft keine.

500 Katholiken in Mumpf

500 Katholiken leben allein in Mumpf. Doch am runden Tisch im Mehrzweckgebäude waren unter den Teilnehmern gerade mal fünf Personen, darunter mit Pfarrer Hermann Kolly auch hauptamtliches Personal, das gar nicht kandidieren kann. Einladungen an sämtliche Mumpfer Vereinsvorstände, die Jeannette Berger verschickt hatte, waren ohne Resonanz geblieben. Dabei währt die Suche nach neuen Verantwortlichen nicht erst seit gestern. Berger und ihr Team berichteten, dass sie schon seit rund einem Jahr Ausschau hielten. Doch immer wieder beklagten mögliche Bewerber vor allem mangelnde Zeit. Dabei halte sich der zeitliche Aufwand in Grenzen, hiess es an der Informationsveranstaltung.

Dank Traktandenliste und straffer Führung würden die sieben bis neun jährlichen Sitzungen der Kirchenpflege nur noch je etwa anderthalb Stunden dauern. Man könne diese auch am Nachmittag abhalten, um Müttern mit kleinen Kindern die Mitarbeit zu ermöglichen. Notter warb dafür, gezielt Neuzuzüger und Ausländer mit B- und C-Bewilligung anzusprechen sowie die Vereinsvorstände noch einmal persönlich zu kontaktieren. Alle waren sich einig: Wenn auch nur eine Kandidatur vorläge, könne dies wie ein Zugpferd sein und andere mögliche Interessentinnen und Interessenten im direkten Gespräch zum Mitmachen bewegen. Diese eine Kandidatur gibt es immerhin: Anita Unger, seit 12 Jahren in Mumpf wohnhaft, zeigte Bereitschaft, sich zur Wahl zu stellen.

Einsatz eines externen Sachwalters?

Bis zum 17. Oktober muss die Liste mit mindestens drei Kandidaten stehen. Kann sich die Kirchenpflege nicht neu konstituieren, schickt die Landeskirche einen externen Sachwalter, der die Gemeinde vergleichsweise viel Geld kostet. Laut Marcel Notter ist ein Sachwalter momentan nur in einer der 96 römisch-katholischen Kirchgemeinden im Kanton Aargau eingesetzt.