Bözberg
Ein politischer Entscheid würde nicht akzeptiert

Das Papier der Nagra stösst in der Region auf Unverständnis – am Prozess dürfte sich aber kaum etwas ändern. Bei der Geschäftsstelle der Regionalkonferenz Jura-Ost laufen die Telefone heiss.

Claudia Meier
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Noch fehlt der Weitblick auf dem Bözberg: Ist die interne Aktennotiz der Nagra, welche hier ein geologisches Tiefenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll vorsieht, Absicht oder bloss ein Szenario? Claudia Meier

Noch fehlt der Weitblick auf dem Bözberg: Ist die interne Aktennotiz der Nagra, welche hier ein geologisches Tiefenlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll vorsieht, Absicht oder bloss ein Szenario? Claudia Meier

Seit die Sonntagspresse ein Papier der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) veröffentlichte (siehe Update rechts), laufen die Telefone heiss bei der Geschäftsstelle der Regionalkonferenz Jura-Ost. «Es ist verrückt, was dieser Artikel ausgelöst hat», sagt Geschäftsleiter Gerry Thönen.

Auch Jura-Ost-Co-Präsident Ueli Müller aus Riniken muss Anfragen aus der ganzen Schweiz beantworten: «Was die Nagra in diesem Dokument schreibt, ist sehr ungeschickt.» Das Thema habe aber eine sachliche und eine politische Komponente, so Müller. In sachlicher Hinsicht, sei das Vorgehen der Nagra nachvollziehbar. Dass die Standorte im Papier namentlich erwähnt werden, sei aber politisch unverständlich.

«Die Frage ist schon, ob es ein Szenario oder eine Absicht ist», sagt Müller. «Ich gehe davon aus, dass sich am Sachplanverfahren nichts ändert. Umso wichtiger ist unsere Arbeit.» Die Regionalkonferenz kann zwar keine Entscheide fällen, aber Anträge stellen. «Es gibt Punkte, die wir für die Region Brugg mitbeeinflussen können», so Müller.

Kaib wittert die letzte Chance

Die Organisation «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib) sieht sich in ihrer Kritik an der Rolle der Nagra bestätigt. Co-Präsidentin Elisabeth Burgener sagt: «Ich bin froh, dass endlich etwas läuft.» Burgener hofft, dass sich die Bevölkerung und die Aargauer Regierung endlich regen. Sonst komme das Tiefenlager ganz sicher in den Bözberg, so Burgener.

Ähnlich tönt es beim Jurapark Aargau. «Ich war perplex über diese Eingrenzung der Nagra», sagt Präsident Thomas Vetter. «Wenn das nun nichts auslöst, weiss ich auch nicht mehr weiter.» Die Verantwortlichen des Juraparks Aargau seien keine Befürworter eines geologischen Tiefenlagers im Bözberg. Man sei aber bestrebt, konstruktiv bei der Standortsuche mitzuarbeiten, so Vetter.

Umfassende Aufklärung gefordert

Vetter vertritt den Jurapark Aargau und die Gemeinde Mettauertal in der Regionalkonferenz Jura-Ost: «Es ist zentral, dass die am besten geeignete Geologie für den Entscheid ausschlaggebend ist.» Er beklagt das mangelnde Interesse an diesem Thema in der Bevölkerung: «Vielleicht ist es in Gemeinden mit einem möglichen Oberflächenstandort anders.»

Frau Gemeindeammann Annemarie Baumann aus Bözen winkt ab: «Seit offiziell über die Vorschläge der Nagra informiert wurde, hatte ich zwei Reaktionen.» Sie fordert vom Bundesamt für Energie eine umfassende Aufklärung über den Vorfall.

Der Präsident des Regionalplanungsverbands Brugg Regio Hanspeter Scheiwiler zweifelt an konkreten Absichten der Nagra. «Ich war erstaunt über diese Nachricht», sagt Scheiwiler, der auch Gemeindeammann von Windisch ist. Der Auftrag für die Nagra mit dem Einbezug der Bevölkerung durch die Regionalkonferenz Jura-Ost sei eigentlich klar. «Bei einem so wichtigen Prozess darf aber in der Informationspolitik kein Fehler passieren», räumt er ein.