Gansingen
Ein Plädoyer für das Dorf

In der Dorfchronik wirbt der Gemeindeammann für mehr politisches Engagement.

Thomas Wehrli
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Das Titelbild von «Gansingen 2016» zeigt die Vorbereitungen auf Palmsonntag. zvg

Das Titelbild von «Gansingen 2016» zeigt die Vorbereitungen auf Palmsonntag. zvg

Sie macht beste Werbung für das Dorf: «Gansingen 2016», die eben erschienene Dorfchronik. Auf 76 Seiten beleuchtet die Schrift mit starken Fotos und spannenden Texten das Dorfleben. Das siebenköpfige Redaktionsteam wirft dabei einen gewohnt klaren Blick auf die Ereignisse in und um das Dorf.

Die Teilnahme von Noël Erdin, 14, am Robotik-Weltfinale in den USA ist dabei ebenso Thema wie die Flüchtlingsfamilie aus Syrien, die im Dorf lebt und ihre Geschichte erzählt. Die Welt kommt ins Dorf und das Dorf geht in die Welt. Die Macher schreiben Geschichten und machen Geschichte lebendig, etwa, wenn sie die Historie des Gasthauses zum Löwen nachzeichnen. «Gansingen 2016» bietet einen ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Gang durch ein Jahr Dorfgeschichte,

Die Chronik ist ein Plädoyer für Gansingen, eine Liebeserklärung an das 1000-Seelen-Dorf in Wort und Bild. Ein besonders fulminantes Plädoyer liefert dabei Gemeindeammann Mario Hüsler in seinem Leitartikel, in dem er für ein (politisches) Engagement im Dorf wirbt. Seine Motivation, 2004 in die Gemeinderatshosen zu steigen, umschreibt er so: «Es interessiert mich, wo Gansingen steht, es interessiert mich, wohin der Gansinger Weg führt, und vor allem bin ich daran interessiert, wie der Weg aussieht, welcher die Gansingerinnen und Gansinger weiterbringt.»

Zusammen mit den Gemeinderatskollegen dürfe er an vorderster Front an diesem Weg mitarbeiten. Zu sehen, wie das Dorf wächst, wie es gedeiht, wie tragfähige Lösungen gemeinsam gezimmert werden, wie Vertrauen entsteht, ist für Hüsler der Lohn des Politikers.

Womit Hüsler mitten in der derzeit grassierenden Gemeinderats-Entschädigungs-Debatte landet. Die Aargauer Gemeindeammänner-Vereinigung hat Empfehlungen abgegeben, wie die Gemeinderäte und Ammänner künftig entlöhnt werden sollten – und hat damit in ein politisches Wespennest gestochen. So empfiehlt die Vereinigung beispielsweise, dass ein Ammann in einer Kommune mit 1000 bis 2000 Einwohnern, also in der Grösse von Gansingen, auf einer Vollzeit-Jahreslohnbasis von 150 000 Franken entschädigt wird. Arbeitet ein Ammann 20 Prozent für die Gemeinde, bekäme er neu 30 000 Franken im Jahr. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Ammänner heute im Schnitt bekommen.

Eine Lebensschule

Mario Hüsler hält diese Empfehlung für «fragwürdig», was er vor Wochenfrist auch der az sagte (Ausgabe vom 8. Februar). Er bezweifelt, dass die Gemeinderatstätigkeit dank einer höheren Entschädigung an Attraktivität gewinnt. «Eine angemessene Entschädigung ist sicher richtig», schreibt er. «Bei der Gemeinderats-Kandidatensuche habe ich bisher aber nie gehört: ‹ich mache es nicht, es gibt zu wenig Geld!› Es gibt meist andere Gründe.»

Hüsler geht noch einen Schritt weiter und sieht im Gemeinderatsamt sogar eine kostenlose Weiterbildung und Lebensschule. Normalerweise koste eine Weiterbildung «ein Stange Geld», für die Lebensschule «Gemeinderat» werde gar eine Entschädigung bezahlt. Er empfiehlt denn auch allen, die nächste Weiterbildung als Engagement in einer Gemeindebehörde zu buchen.

Gelegenheit dazu besteht schon bald, nämlich bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst. Dann werden landauf, landab wieder etliche «Studienplätze» frei. «Ok», schränkt Hüsler ein, «die Ratstätigkeit kostet einiges an kostbarer Zeit – aber welche andere Ausbildung tut das nicht?»

«Gansingen 2016» ist für 25 Franken bei der Gemeindekanzlei erhältlich.

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