Kaisten

Ein Nein verstehen nicht alle und reagieren mit Drohungen

Tierlignadenhof-Betreiberin Monika Spoerlé mit zwei ihrer rund 120 Schützlinge. sh

Tierlignadenhof-Betreiberin Monika Spoerlé mit zwei ihrer rund 120 Schützlinge. sh

Rund 120 Tiere aller Art leben auf dem Tierlignadenhof. Für ihre Pflege braucht es sehr viel Zeit, viele Helfer und noch mehr Geld. Weil die Stiftung Tierlignadenhof vermehrt Tiere abweisen muss, häufen sich die Drohungen

«Unser Boot ist voll. Mehr Tiere gehen leider kaum noch», sagt Monika Spoerlé, streicht dabei liebevoll einem älteren, einäugigen Kater über den Kopf. Dessen genussvolles Miauen ruft gleich weitere Stubentiger auf den Plan. Auch sie wollen etwas von den Streicheleinheiten abbekommen. Gleiches gilt für die Hunde. Fünf von ihnen halten sich während der Anwesenheit der Journalistin ebenfalls in der Küche auf. Ein Plätzli in der Kaister Tierlignadenhofküche gehört zurzeit auch einer kleinen Geissendame. Sie hat sich im Spiel mit ihren Artgenossen im Aussengehege verletzt, braucht deshalb etwas mehr Zuwendung.

Und Zuwendung brauchen sie alle. Jedes der rund 120 auf dem Tierlignadenhof lebenden Tiere (Hunde, Katzen, Vögel, Pferde, Esel, Schweine, Kühe, Schafe und viele mehr) will gepflegt, versorgt und bei Bedarf tierärztlich betreut werden. Sie brauchen Raum. Ställe, Aussengehege, Weiher, Volieren und im Innern des Hauses Ruhe- und Schlafplätze vor allem für die vielen Katzen und Hunde. «Zu jedem unserer Tiere gehört eine Geschichte. Jedes war ein Notfall, bei dem Hilfe dringend nötig war», so Monika Spoerlé. Während des Erzählens wird sie immer wieder von Telefonaten abgelenkt. Weitere Tiere benötigen per sofort einen Platz zum Leben und Sein dürfen. «Diese Telefonate reissen einem aus dem Hier und Jetzt, denn man macht sich Gedanken, wie man helfen kann, auch wenn man selber keinen Platz anbieten kann», erklärt Monika Spoérle.

Verantwortung wahrnehmen

Nein zu sagen und damit einem Tier die Aufnahme verwehren das tut Monika Spoerle, Stefanie Sutter (Präsidentin der Stiftung Tierlignadenhof) und den treuen Helfern auf dem Hof in der Seele weh. Das Nein ist aber zwingend nötig, damit die Verantwortung – dazu zählt auch viel Aufmerksamkeit und Liebe – für die bereits auf dem Hof lebenden Tiere vollumfänglich wahrgenommen werden kann. «Es ist aber auch eine Verantwortung gegenüber allen Helfern und Gönnern des Tierlignadenhofs, schliesslich können wir nur im Rahmen der vorhandenen Mittel handeln und helfen», so Monika Spoerlé. Täglich geht sie nach Mitternacht zu Bett, um morgens früh bereits wieder für ihre Schützlinge da zu sein. Die Liebe zu ihren Tieren gibt ihr Kraft, dennoch hat sie Angst, was ist, wenn sie einmal nicht mehr kann. Der Hof, dessen Unterhalt, die Pflege der Tiere wie auch die Zeit für all die Menschen, die oft auf den Tierlignadenhof kommen, ist mehr als nur ein Fulltime-Job.

Im Bestreben, einem Tier einen schönen Lebensplatz zu beschaffen, melden sich Tierschutzorganisationen, Forstleute, Tierheime und Privatpersonen nicht nur aus der Region, sondern aus dem ganzen Kanton und darüber hinaus beim Kaister Tierlignadenhof. Aus erwähnten Gründen sieht sich der Stiftungsrat des Tierlignadenhofs gezwungen bei Anfragen Nein sagen zu müssen. Das Nein für die Aufnahme weiterer Tiere, damit verbunden noch mehr Arbeit und finanzielle Ausgaben, ist unumgänglich. Dessen sind sich alle einig. Die Grenzen sind erreicht, das Boot ist voll. Ein Nein bringt aber eine weitere, für alle sehr belastende Komponente mit sich.

Auf ein Nein folgen Drohungen

In jüngster Vergangenheit müssen sich Monika Spoerlé, Stefanie Sutter sowie die treuen Hofhelfer auch immer wieder mit Drohungen auseinandersetzen. Kann ein Tier nicht auf dem Hof untergebracht werden, sind nicht selten traurige Reaktionen wie «dann wird das Tier eingeschläfert, erschossen oder ertränkt» zu vernehmen. Dann gibt es Personen, die dafür sorgen wollen, dass der Hof negativ in die Schlagzeilen gerät, Spenden in Zukunft nicht mehr fliessen. «Das tut zusätzlich weh», so Spoerlé. Für sie sind Friede und Anstand die Basis für ganz vieles. Die auf dem Hof herrschende friedliche Gemeinschaft aller Tiere untereinander erklärt sie jeweils mit dem so wichtigen Respekt vor jedem Lebewesen. Diesen Respekt wünscht sie sich auch unter den Menschen. «Unsere Tiere wollen gerecht behandelt werden. Bei den Menschen müsste das genauso sein.»

«Gerne möchten wir jedem einzelnen Tier, das Hilfe braucht ein neues zu Hause schenken, wir sind uns aber unseren Möglichkeiten und unserer Verantwortung dem Tierlignadenhof und seinen Bewohnern gegenüber bewusst. Trotzdem versuchen wir bei jeder Anfrage eine Lösung zu finden, zum Wohl der Tiere - auch wenn wir selber keinen Platz anbieten können» merkt Stefanie Sutter an.

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