Muri

Ein musikalischer Roadtrip

Das Duo Liam Robinson und Jean Rohe bei seinem Auftritt im Dachsaal der Pflegi Muri. Christoph Biegel

Das Duo Liam Robinson und Jean Rohe bei seinem Auftritt im Dachsaal der Pflegi Muri. Christoph Biegel

Das Duo Jean Rohe und Liam Robinson beeindruckte mit seinem Auftritt im Pflegidach

Wer am vergangenen Sonntagabend im Pflegidach in Muri «Robinson & Rohe» zuhörte, dem wurde eine vollkommen neue Interpretation von Jazz und Folk geboten. Die beiden aus New York stammenden Musiker Liam Robinson und Jean Rohe starteten ihre Europatournee im Freiamt. Vor Spielbeginn wurden die Zuhörer vom Organisator und Musiker Stephan Diethelm darauf hingewiesen, dass ihnen etwas geboten wird, was sie noch nie zuvor gehört hätten. Als Rohe mit der Gitarre auf die Bühne trat, mit sanften Akkorden den ersten Song anstimmte und Robinson schliesslich zu singen begann, wurde vielen sofort klar, dass die beiden die Musik nicht nur spielen, sondern auch leben. Robinson ergänzte den Gesang mit Klängen seines Banjos, einem traditionellen amerikanischen Instrument. So entstand eine unkonventionelle Kombination aus Gitarre, Gesang und Banjo, die Lust auf mehr machte, oder um es in den Worten von Diethelm auszudrücken: «Es macht den Wald aus, dass es nicht nur Fichten gibt, sondern viele verschiedene Bäume.»

Durch die Musik zur Liebe

Rohe und Robinson sind beide vor etwas mehr als zehn Jahren nach New York gezogen, haben sich dort kennen gelernt und eine gemeinsame Wohnung gemietet. Musikalisch sind sie aber vorerst noch eigene Wege gegangen. Eines Nachmittags sassen sie am Küchentisch, tauschten Melodien aus und merkten, dass ihre Stimmen eigentlich viel Potenzial hätten. Das war nicht nur der Start von «Robinson & Rohe», sondern auch der Beginn einer Liebesbeziehung. Ihre Liebe schwingt denn auch im Debütalbum «Hunger» mit. Ein Teil daraus erfüllte am Sonntag das Pflegidach mit harmonischen Klängen. Auch das Publikum bemerkte, dass hinter den Liedern Geschichten aus dem Leben stecken und belohnte das Duo mit begeistertem Applaus. Nicht nur beim Musizieren vermochten Rohe und und Robinson zu überzeugen, sondern auch mit ihren Erzählungen. Vor jedem Stück erklärten sie, wieso es ihnen viel bedeutet und woher sie die Inspiration dafür nahmen. Das machte die Musik erlebbar und der eine oder andere vermochte in den Liedern Lebenssituationen zu erkennen, in denen er selber auch schon steckte.

Ihre Lieder handelten abwechselnd von der Liebe zwischen Robinson und Rohe oder der Liebe zu den Vereinigten Staaten. Manchmal war es auch eine Mischung aus beidem. Ob Liebesanekdoten, verschiedene Traditionen, vergangene Zeiten, Hüttengeschichten aus den Appalachen oder eine alternative Nationalhymne – vieles wurde während gut einer Stunde thematisiert. Das eine Lied handelte von der Sehnsucht nach den typischen «Cable Cars», die es früher auch in New York gegeben hat, während man sie heute nur noch in San Francisco sieht.

Ein anderes wiederum von der Liebesbeziehung, zwischen einer jungen Frau aus Virginia und einem Mann aus dem Norden, die Grenzen überwindet. So erstaunt es nicht, dass man sich zwischendurch in einer Erzählung der Lebensgeschichte von diesem jungen Paar wähnte, das mit einem Roadtrip durch ihr Land versucht hat, die Grenzen zwischen verschiedenen Menschen aufzulösen.

Eine Reise durch die Zeit

«Das zentrale Stück des Albums handelt von einem Roadtrip durch die USA. Es ist aber nicht nur eine Reise durch die verschiedenen Regionen und Traditionen unseres Landes, sondern auch eine Reise durch die Zeit», beschrieb Rohe ihr Lied, das alles zusammenfasst, was sie mit ihrer Musik den Zuhörern mitteilen möchten, nämlich das vermischen von verschiedenen Kulturen und Hintergründen. Am Ende des Abends spielte das Duo schlussendlich die mit Spannung erwartete alternative Nationalhymne der USA «Arise Arise» und damit bekam der Auftritt eine politische Note. «Robinson & Rohe» haben ihre Musik nicht nur gespielt, sondern gelebt, und sie reden nicht nur vom Überwinden von Grenzen, sie setzen ihre Philosophie auch um.

Musik in der Deutschstunde Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.

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