Biologischer Landbau

Ein Meilenstein der Forschung im Kuhstall: Der Melkroboter lässt Zeit für die Familie

Die Hofstetters sind die neue Pächterfamilie des FiBL-Hofs in Frick, von links Gerhard, Anna, Mias, Loris, Liora (vorne) und Sebastian Hofstetter.

Die Hofstetters sind die neue Pächterfamilie des FiBL-Hofs in Frick, von links Gerhard, Anna, Mias, Loris, Liora (vorne) und Sebastian Hofstetter.

Am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick ist der Neubau des Kuhstalls ein Meilenstein auf dem Weg zur Modernisierung.

Der Entmistungsroboter sorgt für saubere Hufe. Strohlager laden zum Hinlegen ein. Auf Gummimatten läuft es sich entspannt: Am FiBL, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick, ist Schöner Wohnen für Kühe Programm. 15 Tiere der Rasse Swiss Fleckvieh haben dort ihren neuen Stall bezogen. 15 weitere werden noch folgen.

21 Quadratmeter pro Kuh gross, zur Vorderseite komplett offen und laut Thomas McAlavey auf dem neuesten Stand dessen, was als gut für das Tierwohl gilt. Der für die Koordination von Forschungsprojekten auf dem FiBL-Hof zuständige Mitarbeiter: «Wir bieten den Kühen hier mehr als doppelt so viel Platz wie wir müssten.» Er ist auch deshalb so grosszügig bemessen, um zu vermeiden, dass sich die Tiere mit ihren Hörnern gegenseitig verletzen. Denn für den Demeter-Verband, nach dessen Kriterien der FiBL-Hof wirtschaftet, gehören Hörner zur Kuh.

Stallübergabe fand nur virtuell statt

Das FiBL hätte den Vorzeige- Laufstall den neuen Pächtern des Hofes, Gerhard und Anna Hofstetter, eigentlich in einem kleinen Festanlass übergeben wollen. Doch Corona führte zur Absage. Jetzt fand das Ereignis virtuell statt, live online ge­streamt, auch für die FiBL-Mitarbeiter, die sich der Pandemie wegen im Homeoffice befinden.

Mit der Fertigstellung von Stallgebäude und Maschinenremise atmen die Projektverantwortlichen auf – eine Baustelle weniger. Bereits 2019 waren das Forschungsgewächshaus und das Laborgebäude fertig geworden. Doch noch immer ragt ein Kran in die Höhe, und das mittendrin im FiBL-Areal: Unter ihm sind die Arbeiter am «Alvarium» beschäftigt, das einmal zum zentralen Empfangs- und Tagungsgebäude samt Aula und Restaurant werden soll. Zusammen mit dem ebenfalls neu erbauten Bürokomplex wird es den anvisierten FiBL-Campus optisch am deutlichsten prägen. «Der Bau geht gut voran. Läuft alles nach Plan, ist das ‹Alvarium› voraussichtlich im Dezember 2021 bezugsbereit», berichtet Projektleiter Thomas Amsler.

Dann werden die 30 Millionen Franken Investitionssumme, die für das Campus-Projekt zur Verfügung stehen, weitgehend aufgebraucht sein. Ein Rest wird bleiben, um die Obergeschosse des jetzigen Restaurants zum Wohnheim für Studierende auszubauen, von denen sich am FiBL pro Jahr bis zu 200 aufhalten. Direkt an der Wissenschaft angedockt soll auch der neue FiBL-Stall sein. Der wurde auch deshalb so gross dimensioniert, um darin ein Dutzend Forschungsboxen einzubauen. Experimentieren möchten die Forscher darin beispielsweise mit biologischen Verfahren zur Parasitenbehandlung. «Das war im alten Stall nicht möglich», erklärt McAlavey.

Im alten Stall gab es auch keinen Melkroboter wie jetzt im neuen. Der Vorteil: Die Kühe können selbst entscheiden, wann sie zum Melken gehen. Das erspart ihnen Stress. Das verschafft dem Bauern Zeit.

Vierfacher Familienvater bekommt den Zuschlag

FiBL-Bauer Hofstetter ist stolz, seinen Swiss-Fleckvieh-Kühen solche Bedingungen bieten zu können. Zuletzt einen Hof im Engadin bewirtschaftend, war der vierfache Familienvater ei-ner der Bewerber für die Neuausschreibung der Pacht des Öko-Betriebes. Hofstetter sagt: «Mich reizt es, so nah an der praktischen Forschung für mehr Tierwohl zu wirtschaften.»

Und: «Wenn ich so dazu beitragen kann, dass es in der Landwirtschaft eine Kehrtwende gibt, gerne.» Davon, dass «dem biologischen Landbau die Zukunft gehört», ist FiBL-Co-Direktor Knut Schmidtke überzeugt: Er sagt: «Doch es braucht noch mehr Forschung und Beratung. Mit dem Campus in Frick werden wir dafür bald das notwendige Umfeld haben.»

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