Sulz
Ein Mechaniker greift nach der Krone

Philipp Stäuble nimmt an den Schweizer Berufsmeisterschaften teil und will sich auf Platz eins schrauben.

Dennis Kalt (Text und Foto)
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Die grosse Passion von Philipp Stäuble ist es, Defektes wieder zum Laufen zu bringen.

Die grosse Passion von Philipp Stäuble ist es, Defektes wieder zum Laufen zu bringen.

Lange muss Philipp Stäuble, 20, nicht überlegen, als er nach seinem Ziel für die Schweizer Meisterschaften der Nachwuchsmechaniker gefragt wird: «Ich will natürlich gewinnen», sagt er selbstbewusst und mit spitzbübischem Grinsen. An den «Swiss Skills» in Aarberg BE misst sich der ausgebildete Motorgerätemechaniker aus Sulz in der kommenden Woche mit 15 talentierten Berufsfachleuten aus den Bereichen Landmaschinen-, Baumaschinen- und Motorgerätemechanik.

Stäuble ist Realist genug, um zu wissen, dass er in Aarberg auf eine harte Konkurrenz trifft. An vier Posten muss nach Fehlern gesucht, geschraubt, getestet und geschwitzt werden, bis der «König des Schraubenschlüssels» gekürt wird. «Klar, Glück gehört beim Wettbewerb dazu. Es ist auch immer von den Posten abhängig. Manche Aufgaben werden einem Teilnehmer schwerer fallen, andere wiederum leichter», erklärt er.

Eine Vorbereitung ist zwecklos

Zwar spürt Stäuble schon ein gewisses Kribbeln – die Mischung aus Vorfreude und Anspannung –, doch er vermeidet es, sich einen allzu grossen Kopf über den anstehenden Wettbewerb zu machen. Dazu gehört auch, dass er sich nicht extra auf die «Swiss Skills» vorbereitet. Dies ist jedoch keine Überheblichkeit, denn Stäuble weiss: «Die Kategorien sind so breit gestreut – mechanische Antriebe, Motoren, Elektrik und Hydraulik –, dass man sich gar nicht spezifisch vorbereiten kann.»

Eine spezifische Vorbereitung hat er auch gar nicht nötig. Stäuble hat ein grosses Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten und er hat allen Grund dazu: Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis wurden ihm quasi in die Wiege gelegt: «Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Mein Vater hat mich schon als Kind mitgenommen, wenn es eine Maschine zu reparieren gab», erzählt er. Stäuble liebt vor allem das Detektivische, die Herausforderung, Fehler aufzuspüren und zu beheben, etwas Defektes wieder in Gang zu setzen: «Das ist etwas Schönes und gibt mir Genugtuung», beschreibt er es.

Der Feinschliff in der Ausbildung

Dankbar ist Stäuble, dass er während seiner vierjährigen Ausbildung im Armeelogistikcenter Othmarsingen im Vorortinstandhaltungsbetrieb Brugg vom Praxisbildnerteam um René Meyer den Feinschliff erhalten hat: «Er hat mir viel Verantwortung übertragen, mich vor eine defekte Maschine gestellt und gesagt: ‹Die musst du jetzt reparieren›», erzählt Stäuble und schiebt nach: «Dadurch habe ich in kurzer Zeit unglaublich viel gelernt.»

Bis gestern leistete Stäuble seinen Rekrutendienst, hielt Truppenmaterial wie Motorsägen und Benzinbohrhämmer instand. Nach dem Militär ist es für Stäuble klar, wie es weitergehen soll. Er möchte für einige Monate auf eine Farm nach Kanada oder Neuseeland: «Dort haben sie grössere Maschinen, an denen ich meine Fähigkeiten weiterentwickeln kann», sagt er. Sein Credo: je grösser die Maschine, desto grösser die Herausforderung. Und die liebt er.