Es sind markige Worte und happige Vorwürfe, welche die SP Bezirk Laufenburg in der Causa Spital Laufenburg macht. Mit «grosser Sorge» beobachte die Partei die laufenden Diskussionen, heisst es in einer zweiseitigen Mitteilung. Von einem «markanten Vertrauensbruch», einer «nicht nachvollziehbaren Schliessung oder Redimensionierung des Standorts Laufenburg» ist da die Rede, von einer mangelnden Entschlossenheit seitens des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF), die Strategie zweier Standorte – Laufenburg und Rheinfelden – umgesetzt zu haben. Man habe den Eindruck, «dass die Verantwortlichen den beschworenen ‹nachhaltigen Erfolg› offenbar nur am Standort Rheinfelden erkennen».

Ohne Frage: Die Politik ist aufgewacht – einige Beobachter sagen: endlich – und mischt sich in die Diskussion um die Zukunft des Spitals Laufenburg ein. Dies zwei Wochen nach der Ankündigung des GZF, man wolle den Standort Laufenburg überprüfen. Wobei: «Überprüfen» trifft es nur bedingt, denn beide Szenarien, die das GZF bis Ende Juni ausarbeiten will, bedeuten einen Leistungsabbau in Laufenburg. Der Unterschied zwischen den beiden Szenarien ist einzig, wie einschneidend die Veränderungen sein werden (siehe Box).

 Genau diese Einengung auf zwei Szenarien kritisiert auch die SVP. «Es gibt weitere Varianten», ist Christoph Riner, Grossrat und Bezirksparteipräsident der SVP überzeugt. «Wir fordern, dass der Fächer geöffnet wird und verschiedene Varianten geprüft werden.» Dies immer mit dem Ziel, «den Standort Laufenburg zu erhalten oder gar aufzuwerten».

Skepsis gegenüber dem GZF

Unterstützung erhält Riner auch von Martin Steinacher, Bezirksparteipräsident der CVP. «Es müssen alle Möglichkeiten geprüft werden», sagt er, schränkt aber sogleich ein: «Sie müssen aber auch finanzierbar und zukunftsgerichtet sein.» Es bringe nichts, jetzt Lösungen zu treffen, die in fünf Jahren bereits überholt seien. Steinacher, lange selber Grossrat, attestiert der GZF-Leitung, sich in der Vergangenheit auch für den Standort Laufenburg stark gemacht zu haben.

Dies bezweifelt die SP – und untermauert ihren Verdacht mit mehreren Indizien. So, dass «mehrfach Sprechstunden» von Laufenburg nach Rheinfelden oder ins Fachärztehaus nach Frick verlegt wurden. So, dass offenbar «zukunftsträchtige Investitionen primär in Rheinfelden erfolgt sind». So, dass «Notfalleintritte und Patienten für chirurgische Eingriffe bewusst nach Rheinfelden verlegt werden».

Wer die Mitteilung der SP liest, spürt das Missbehagen – oder vielleicht treffender: Misstrauen gegenüber dem Vorgehen des GZF. Diese Skepsis findet ihren Kulminationspunkt im «sportlichen und unrealistischen Ziel», dass die GZF-Leitung bis Ende Juni – also bis in zwei Monaten – die Entscheidungsgrundlage ausgearbeitet haben will. «Es keimt der Verdacht», schreibt die SP auch im Namen der beiden Grossrätinnen, Elisabeth Burgener und Colette Basler, «dass die Ergebnisse bereits bekannt sind und eine Rettung des Standorts Laufenburg ausser Frage steht.»

Nicht ganz so scharf formuliert es Riner. Er setzt «ein Fragezeichen» hinter den Zeitplan. Dieser sei, angesichts der Tragweite, doch sehr knapp bemessen. «Man muss sich unbedingt genügend Zeit nehmen. Gut zwei Monate reichen nicht», sagt er, schiebt dann nach: «Falls der Prozess nicht schon deutlich früher eingesetzt hat, als er nun bekannt wurde.»

Alle befragten Politiker verweisen dabei auf den letzten Herbst, wo die Grossräte mit dem GZF zusammenkamen und man über die Zukunft sprach. Damals, so Riner, hiess es noch, das Spital Laufenburg habe eine langfristige Zukunft. Die GZF-Leitung habe, moniert auch die SP, damals versichert, es sei soweit alles in Ordnung, weiterer Handlungsbedarf bestehe nicht.

Das Ziel, so sind sich die Politiker einig, müsse sein, den Standort Laufenburg mit geeigneten Massnahmen aufzuwerten – als Stichwort fällt mehrfach das Konzept eines geriatrischen Zentrums – und nicht ihn abzubauen. «Unser Bestreben muss es sein, das Beste für Laufenburg herauszuholen», umschreibt es Riner.

Interessengruppe angeregt

Dies hat sich auch die SP auf die Fahne geschrieben. Die Sozialdemokraten warten, neben den obligaten kapitalismuskritischen Tönen («die Pläne der Geschäftsleitung folgen einer weitverbreiteten Abbau- und Profitlogik») mit einem konkreten Vorschlag auf: Es sei eine Interessengruppe zu gründen, «die sich darum bemüht, die Analyse des GZF und die daraus erarbeiteten Szenarien genau zu überprüfen». Die SP stellt sich darunter «eine konstruktive Gruppe» vor, der Experten, lokale Hausärzte und Politiker angehören und die das Ziel verfolgt, «möglichst viele Angebote und Arbeitsplätze in Laufenburg zu erhalten», also eine «breitabgestützte Lösung mit zwei Standorten zu finden».

Eine solche Gruppe würde auch Bruno Tüscher, Bezirksparteipräsident der FDP, begrüssen. Ihr müssen für Tüscher, neben Politikern, vor allem Fachleute angehören, «denn sie haben das Know-how , das es für einen solchen Entscheid braucht.» Ähnlich sieht es Steinacher. Die Gruppe müsste seiner Ansicht nach möglichst breit aufgestellt sein und ihr müssten, neben den von Tüscher und der SP aufgeführten Gruppen, auch das GZF, der Kanton, Gemeindepolitiker und der Verein Altersbetreuung im oberen Fricktal angehören, der – wie das GZF – in Laufenburg Pflegeplätze anbietet.

Riner kann sich die Gründung einer Interessengruppe ebenfalls vorstellen. Er will allerdings den 24. Mai abwarten. Dann treffen sich GZF-Leitung und Fricktaler Politiker. Ein Ergebnis dieser Besprechung könnte die Gründung einer Interessengruppe sein. Für Riner ist klar: Es muss eine gesamtfricktalisch optimale Lösung gefunden werden, die eine gesundheitliche Gesamtversorgung auf hohem Niveau garantiert.

Dieser Blick auf die Gesamtversorgung muss auch die Hausarztsituation mitberücksichtigen. Mehrere der rund 20 Hausärzte im oberen Fricktal sind bereits älter, ein Generationenwechsel zeichnet sich ab. Nur: Es finden sich kaum oder nur nach längerem Suchen Nachfolger – selbst für Praxen in Zentren wie Frick oder Gipf-Oberfrick. Die Bedenken der SP sind da sicher nicht unbegründet, dass die Region mit einer möglichen Schliessung der Notfallstation im Spital Laufenburg in diesem schwierigen Umfeld zusätzlich an Attraktivität verliert.

Die Zeit drängt, hält das GZF am Fahrplan fest. Denn eines ist klar: «Man muss Einfluss nehmen, bevor entschieden ist. Danach ist es zu spät», sagt Steinacher.