Stein
Ein Kulturhaus am Zoll und Ateliers am Bahnhof

Mit Massnahmen in verschiedenen Quartieren will sich die Gemeinde weiterentwickeln.

Fabrice Müller
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Eine IG ergreift das Referendum gegen das Nein zum Umbau. Archiv

Eine IG ergreift das Referendum gegen das Nein zum Umbau. Archiv

Fabrice Müller

Es ist wahrlich kein besonders schöner Anblick, der sich den Passanten der Holzbrücke bietet, die von Bad Säckingen nach Stein spazieren: Das alte Zollhaus am Brückenkopf, das seit Jahren ungenutzt leer steht. Dies soll sich – so die Pläne des Gemeinderates von Stein – schon bald ändern. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit dem Aargauischen Denkmalschutz mit dem Um- und Ausbau des alten Zollhauses. Entstanden ist ein Projekt, das den Umbau des Zollhauses in ein «Kulturhaus am alten Zoll» vorsieht. Ein multifunktionales Gebäude als Beitrag zur Aufwertung des Brückenkopfes, wie Gemeindeammann Hansueli Bühler an einer Info-Veranstaltung am Dienstag sagte.

Lebendiges Haus für Kleinkunst

Kein Dorfmuseum soll es werden, sondern ein lebendiges Haus, wo Kleinkunst, Ausstellungen, Lesungen und Konzerte durchgeführt werden können – organisiert vom Kulturverein Stein im Fricktal. Dazu wird das bestehende Gebäude renoviert und mit einem modernen Anbau ergänzt. Laut Schätzungen belaufen sich die Um- und Anbaukosten auf 1,2 Millionen Franken. «Der Gemeinderat hat sich für das Projekt mit dem Anbau entschieden, weil die Beschränkung auf die Renovation nur etwa 300 000 Franken günstiger kommen würde», so Hansueli Bühler. An der Gemeindeversammlung vom 2. Dezember wird über das Kreditbegehren für das Kulturhaus am alten Zoll abgestimmt.

Das Zollhaus gehört zusammen mit dem Brückenkopf am alten Zoll zum Entwicklungsbereich «Brückenschlag am Rhein», wie eine städtebauliche Potenzialanalyse für die Gemeinde aufzeigt. Als Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Dorfes hebt dieser 70-seitige Bericht laut Hansueli Bühler die fünf Qualitätsbausteine der Gemeinde heraus und zeigt mögliche Perspektiven auf. Ein wichtiges Motto des Qualitätsbausteins «Brückenschlag am Rhein» ist die Annäherung von Stein an den Rhein. Aus topografischen Gründen kehrt die Gemeinde dem Rhein eher den Rücken zu. Das soll sich mit verschieden Massnahmen ändern. Der Brückenkopf soll mit dem Kulturhaus, und einer Neugestaltung attraktiver werden.

Verschiedene Massnahmen zur Aufwertung der Uferzone sind geplant. Dazu gehören eine neue, breite und rollstuhlgängige Rheintreppe am Brückenkopf, bessere Zugänge für Schwimmer oder Bereiche für die Naturbeobachtung. Alle Massnahmen zusammen belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Franken. Die Pläne sollen schrittweise umgesetzt werden – zum Teil mit einem Zustupf aus Interreg-Geldern. Weiter möchte der Gemeinderat das Zollquartier als «Villenviertel» stärken und hochwertiges Wohnen fördern.

Lebensader Schaffhauserstrasse

Ein weiteres Modul der Gemeindeentwicklung ist die «Lebensader Schaffhauserstrasse», jene Kernzone, die für Stein von zentraler Bedeutung ist. «Wir sehen in diesem Quartier noch Verdichtungs- und Flächenpotenziale sowie Impulse für Arbeiten und Wohnen», so Bühler. Eines der Ziele in diesem Quartier sei es, zusätzliches Gewerbe anzulocken und Arbeitsplätze zu schaffen.

In der abschliessenden Diskussions- und Fragerunde stiessen die Pläne des Gemeinderates auf ein mehrheitlich positives Echo, insbesondere die Vorschläge zur Aufwertung des Brückenkopfs und des Rheinufers. «Wenn sich Stein weiterentwickelt und seine Naherholungsgebiete aufwertet, wird auch die Wohnqualität in unserer Gemeinde steigen und für einen qualitativen Bevölkerungszuwachs sorgen», sagte ein Redner aus dem Publikum.

Bahnhofsareal und Sisslerfeld

Eine wichtige Rolle im regionalen Kontext spielt der Bahnhof von Stein. Als nicht überbaute Zone habe der Bahnhof Gestaltungspotenzial, erklärte Gemeindeammann Hansueli Bühler und nannte die Nutzung der zum Teil leer stehenden Räumlichkeiten für Büros, Ateliers, Kleingewerbe bis hin zum Fitnesscenter als mögliche Optionen.

Ebenfalls ein wichtiges Quartier für die Gemeinde ist das Wohnquartier zwischen Bahnhof und Landwirtschaftszone. «In diesem Bereich befinden sich wichtige Begegnungszonen und Einrichtungen, die das Gemeindeleben prägen. Wir wollen hier mehr Wohnangebote für Familien bieten», so der Gemeindeammann. Eine der Ideen und Visionen ist deshalb eine neue, direkte Fuss- und Veloverbindung vom Dorf zum Bahnhof – als Ersatz des bisherigen Bahnhofweges.

Mit «Sisslerfeld – das grüne Herz» umschreibt die Studie die Potenziale der heutigen Landwirtschaftszone als Schnittstelle zwischen Dorf und Industrie. Dieses Gebiet bilde einerseits einen Naherholungsraum, andererseits aber ebenso Flächenreserven für künftigen Wohnraum, der vielleicht – so Hansueli Bühler – je nach Bedarf in 20 bis 40 Jahren eingezont werden könnte. «Das Sisslerfeld als grünes Herz bildet die Grundstruktur für die spätere Siedlungsentwicklung», so Bühler. Im Rahmen einer nächsten Revision der Bau- und Nutzungsordnung soll die Bevölkerung eingebunden werden. (fam)