Er war knallorange, dröhnte laut, war nicht sonderlich bequem «und es zog überall herein», erinnert sich Elisabeth Burgener. Aber er war ihr Stolz: ihr Citroën 2CV, ihr Döschwo mit Faltdach. «Es war mein erstes und mein letztes eigenes Auto», erzählt die heute 56-jährige Grossrätin und Co-Präsidentin der SP Aargau. Sie habe immer schon einen Döschwo gewollt – und sich diesen Wunsch 1982, mit 21 Jahren und ein Jahr nach der Fahrprüfung, erfüllt. «Er passte zum damaligen Lebengefühl und Zeitgeist», sagt sie. «Er stand für das neuentdeckte Freiheitsgefühl.»

Burgener lacht, wie sie sich an ihre «Sturm und Drang»-Zeit zurückerinnert. Zur Fahrprüfung, die damals in Möhlin abgenommen wurde, musste sie zweimal vorfahren. «Beim ersten Mal missachtete ich ein Vortrittssignal.» Und beim zweiten Versuch führte sie mit dem Experten, dem Vater einer Seminarkollegin, ein derart intensives Gespräch, dass sich die beiden in der Nähe von Möhlin verfuhren. «Der Experte sagte: Du hast die Prüfung bestanden, wenn Du zum Gemeindehaus zurückfindest.» Sie fand – und bestand.

Dann sah sie ihn, den orangen Döschwo. Occasion, in Brugg. Und wusste sofort: «Der ist mein.» Von da an begleitete sie die Rumpelkiste durch alle Lebenslagen – und in jedes Lager. Burgener war Jungwacht-Blauring-Leiterin (Jubla) und ihr orangefarbenes Wackelgefährt der Renner. «Wenn ich unsere Jubla-Gruppe an Bord hatte, machten sie sich einen Spass daraus, den Döschwo zum Wippen zu bringen.» Seekrank sei sie nie geworden, meint sie, überlegt kurz und fügt dann hinzu: «Zum Glück kamen wir nie in eine Kontrolle.» Denn ab und an befanden sich «zehn und mehr» Personen im Döschwo. Sie schmunzelt. «Diese Verkehrssünde ist zum Glück verjährt.»

Die gelbe Hintertüre

Gut erinnert sie sich auch noch an eine Fahrt auf der Autobahn von Altstätten SG, wo sie arbeitete, nach Frick. Plötzlich knallte es laut – der Fahrtwind hatte die rechte Hintertür weggerissen. «Ich fand das halb so wild», sagt Burgener. Weiter ging es nun eben «recht luftig». Da der Garagist zuerst keine orange Ersatztür auftreiben konnte, fuhr sie eine Zeit lang eben mit einer zitronengelben Hintertür durch die Gegend.

Noch bunter war ihr Döschwo, als sie eines Morgens in einem Jubla-Lager aufstand. Ihre Schar hatte den Döschwo über Nacht rundum bemalt. Ohnehin hatte er in den Lagern einigen Schabernack zu erdulden. Mal fand sie ihn im Wald versteckt, mal auf vier Pfosten gestellt. Mit einem Leergewicht von 560 Kilogramm war der Döschwo das ideale «Lasst uns den Döschwo mal kurz wegtragen»-Opfer.

Oben offen für den Samichlaus

Burgener holt alte Fotos hervor, muss lachen, als sie ihre Jubla-Gruppe von damals vor dem orangen Döschwo kauern sieht. «Es war schon eine tolle Zeit», sagt sie, stöbert in den Erinnerungen, erzählt von rasanten Fahrten – und von luftig-kühlen. «Ich war damals um den 6. Dezember als Schmutzli mit dem Samichlaus unterwegs», erzählt sie. Damit es etwas flotter ging, nahmen sie den Döschwo – und fuhren kurzerhand mit offenem Verdeck, damit der Samichlaus mit seinem Stab Platz hatte.

«Der Döschwo liess mich nie im Stich», erzählt Burgener. Etwas Wehmut sei deshalb schon dabei gewesen, als sie ihn 1989 verschrotten musste. Auch, weil damit eine Lebenszeit zu Ende ging.

Heute hat Elisabeth Burgener ein ganz anderes Verhältnis zur Mobilität. Wenn immer möglich nimmt sie den öffentlichen Verkehr, das Velo oder geht zur Fuss. Ein eigenes Auto hat die vierköpfige Familie nicht; sie ist an einem Carsharing auf privater Basis beteiligt: 15 Personen teilen sich zwei in Frick stationierte Autos. «Das deckt unsere Bedürfnisse perfekt ab.»

Ein Nebeneinander als Wunsch

Als Co-Präsidentin der SP Aargau ist sie, besonders abends, oftmals auf ein Auto angewiesen. Und, zugegeben: «Ich fahre gerne Auto.» Burgener, die sich selber als sichere und nicht langsame Fahrerin beschreibt, verteufelt, anders als der eine oder andere Genosse, das Auto nicht. Sie wünscht sich jedoch noch vermehrt ein «gleichberechtigtes Nebeneinander» von Auto, Velo und Langsamverkehr. Hier sieht sie besonders auf dem Land «noch erhebliche Defizite». Doch ihr Döschwo hat sie gelernt: Gut Ding will manchmal Weile haben – und auf dem Weg dahin wird man bisweilen kräftig durchgeschüttelt.