Wer zurzeit den Rhein entlang einen Spaziergang macht, trifft an verschiedenen Stellen auf die Hinterlassenschaften einiger sehr fleissiger Gesellen. So hat in den letzten Tagen ein Biber seine Zähne auch in den Stamm eines Baumes nahe der Kaister Fischerhütte gehauen. Beachtlich, was so kleine Tiere an grosser Holzfällerarbeit zu leisten vermögen.

Bei der Arbeit beobachten kann man den tüchtigen «Holzarbeiter» am besten in der Dämmerung, in der Nähe von frisch angenagten Stämmen. Mehr zu sehen als die scheuen Nager selbst sind ihre Werke. Deren Zahl lässt darauf schliessen, dass es dem Biber in unserer Region gefällt.

Das war nicht immer so. Vor 200 Jahren galt der Biber in der Schweiz als ausgerottet. Dass er sich mittlerweile wieder gut etabliert hat, belegt der Bericht «Mit dem Biber leben», welchen das Bundesamt für Umwelt Ende 2010 herausgegeben hat. Darin sind die Bestandeserhebungen 2008 ausgewertet. Die Wiederansiedlung des Bibers zwischen 1956 und 1977 ist eine Erfolgsgeschichte des Schweizer Artenschutzes. Nachdem die Population während Jahren nur langsam wuchs, besiedeln heute laut einer Bestandeserhebung im Winter 2007/2008 wieder 1600 Biber unsere Gewässer.

Einer, der den Biber und seine Lebensweise bestens kennt, ist der Naturfachmann Meinrad Bärtschi aus Gansingen. Er arbeitet beim Kanton bei der Abteilung Landschaft und Gewässer. Der Fricktaler kennt die aktuellen Zahlen für den Kanton: «Im Aargau sind 270 Biber in 73 Revieren gezählt worden. Der Bestand hat zugenommen.» 1993 wurden 33 Biber auf einer Strecke von 21 Kilometern gezählt.

Seitenbäche werden beansprucht

Die Dichte in einem Lebensraum könne aber nicht ständig zunehmen, erklärt Bärtschi. Eine Biberfamilie umfasst drei bis sechs Tiere. Diese beanspruchen je einen Flussabschnitt von 300 Metern bis 3 Kilometer. Die Länge ist abhängig von der Qualität des Lebensraumes, des Futterangebotes. Die 27 Paarreviere und 45 Familienreviere im Aargau verteilen sich auf eine Strecke von 194 Kilometern. «Eine Zunahme des Biberbestandes bedeutet also vor allem, dass neue Gebiete besiedelt worden sind.»

Das im Zusammenhang mit den scheinbar vielen angenagten Bäumen entstehende Gefühl von einer starken Biberzunahme kann Meinrad Bärtschi nicht bestätigen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall.

«Von Biberexperten habe ich gehört, dass der Bestand im Moment eher stagniert oder leicht zurückgegangen ist. Der Lebensraum wird nun eher knapp. Dies zeigt sich daran, dass Seitenbäche, wie der Mettauerbach bis nach Oberhofen, beansprucht werden.»

Nicht nur beliebt

Dass der Biber nicht nur Freunde unter den Zweibeinern geniesst, ist teilweise verständlich. Wer mag schon angenagte Bäume im Obstgarten, unerhöhlte Radwege oder angefressene Rüben auf dem Acker? Damit es nicht zu solchen Schäden kommt, braucht es die entsprechenden Schutzmassnahmen. «Auch das Bild der Uferbestockung kann sich durch die gefällten Bäume verändern.

In den meisten Fällen entsteht aber ein ökologischer Mehrwert,» ist Bärtschi überzeugt. Natürliche Feinde habe der Nager bei uns kaum noch. Dafür fallen immer wieder Biber beim Überqueren der Strasse dem Verkehr zum Opfer. Auch würden immer wieder Tiere angeschwemmt, die von Schiffsschrauben verletzt worden sind. Junge Biber seien zudem anfälliger, beispielsweise bei Hochwasser oder für Krankheiten.