Es geht so einfach und so schnell. Das Smartphone zücken, den Empfänger oder die Empfängerin anwählen, «i love you 4ever» eintippen, dazu ein aufreizendes Foto von sich anhängen und senden drücken. Ein Foto oder Video von sich versenden und es damit dem grossen Web-Spinnen-Netz preiszugeben, kann eine ungewollte Langzeitwirkung haben. Was als Liebesbeweis gedacht war, kann dann zur Gefahr werden, wenn das Foto beispielsweise aus Rache an andere Adressaten verschickt wird.

Die Hemmschwelle, erotische Selbstdarstellungen von sich zu verschicken, ist verhältnismässig tief. Laut der James-Studie 2014 – ein Kooperationsprojekt zwischen der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und der Swisscom – hat das Versenden von aufreizenden Selfies (Sexting = Sex und Texting) in den letzten zwei Jahren zugenommen. In der James-Studie geben 3 Prozent der 12- bis 13-Jährigen, 4 Prozent der 14- bis 15-Jährigen, 8 Prozent der 16- bis 17-Jährigen und 15 Prozent der 18- bis 19-Jährigen an, schon einmal aufreizende Fotos und Videos von sich über Handy oder Computer verschickt zu haben.

«Das Thema Sexting ist auch an der Kreisschule Regio Laufenburg aktuell. In regelmässigen Abständen werde ich von Schülerinnen und Schülern darauf aufmerksam gemacht, dass abstossende Bilder und Filme im Umlauf sind», sagt Sandra Kaufmann, Schulsozialarbeiterin an der Kreisschule Regio Laufenburg. Vor allem bei Whatsapp würden viele solche Sachen kursieren. Gefordert sind Eltern und Schule. Bei Letzterer kann auch der Schulsozialdienst die Schüler über die Gefahren und Konsequenzen aufklären. Laut Sandra Kaufmann geschehe dies in Einzelgesprächen, in Gruppen oder sogar in Klassenprojekten. «Oftmals ist es den Schülern nicht bewusst, welche Konsequenzen auf sie zukommen könnten beim Weiterleiten von anzüglichen Daten.» So würden Schüler auch immer wieder sagen, dass dies doch nur als Spass gemeint war, dass sie niemanden blöd hinstellen wollten oder ihm sogar Schaden zufügen wollten. «In vielen Fällen erlebe ich, dass das Sexting bagatellisiert wird». Die Schulsozialarbeiterin führt weiter aus: «Ich stelle fest, dass viele Eltern oft nicht wissen, auf welchen Plattformen sich ihre Kinder bewegen und was dort passiert. Bei Konfliktfällen habe ich den Eltern auch schon empfohlen, sich bei der Polizei zu melden.»

Wachsame Familie und Schule

Stefan Etienne Markwalder, Regionalstellenleiter beim Schulpsychologischen Dienst in Rheinfelden, betont: «Kinder und Jugendliche müssen unbedingt aufgeklärt und über die Wirkung der neuen Medien informiert sein. Hier ist eine verstärkte Wachsamkeit von Schule und Familie angezeigt.» Sandra Kaufmann ergänzt denn auch: «Mir ist es immer ganz wichtig, dass die Themen sowohl in der Schule wie auch zu Hause diskutiert werden. Aus diesem Grund finden an der Primarschule Kaisten alljährliche Elternabende zum Thema Medien und Umgang damit statt.»

Auch in Frick an der Oberstufe werden regelmässig Informationsabende, unter anderem zum Umgang mit den neuen Medien, durchgeführt. In Bezug auf Sexting, sagt Lothar Kühne, Schulleiter an der Fricker Oberstufe: «Aus Schulleitersicht ist mir bisher nichts bekannt. Auch bei der Schulsozialarbeit ist es noch kein Thema. Sicher kommt es aber auch vereinzelt vor.» Aufklärung und Information der Schülerinnen und Schüler würden situativ in den Klassen geschehen. «Mir ist es ein Anliegen, dass wir Erwachsenen die Vorbildrolle auch im Umgang mit Handy übernehmen», sagt Schulsozialarbeiterin Kaufmann. Sie empfiehlt: «Im Familienalltag Handy-freie-Zonen und -Zeiten einzurichten. Die Eltern informiere ich darüber, mit ihren Kindern über das Thema Sexting zu sprechen, Regeln zu vereinbaren und Abmachungen einzuhalten.»

Ein Handyklick ist einfach. Inhalte, die durch Sexting verbreitet werden, wieder zu löschen, hingegen schwierig.