Wie kann man sich den Kunstwerken von Erwin Rehmann nähern, versuchen, sie in all seinen Einzelheiten zu verstehen? Die Schönheit des Materials mit seinen Schrunden, Ecken sowie seine gewollte und ungewollte fliessende Grossartigkeit hervorheben?

Diese Fragen und viele mehr standen am Anfang für den Kurator des Kunstmuseums Appenzell Roland Scotti, als er sich intensiv mit dem Konzept für diese Ausstellung auseinandersetzte. Seit Jahren ist er vielseitig und freundschaftlich verbunden mit dem Rehmann-Museum, tief beeindruckt von den Werken des Metallbildhauers.

Angeregte Fantasie

Für diese Ausstellung wählte er 13 Skulpturen von Erwin Rehmann aus dessen 70-jährigen Schaffensperiode aus, zeigt sie so, als würde man ihnen heute erstmals begegnen. Zur Umsetzung dieser Idee holte er sich den Fotografen Hanspeter Schiess aus dem Appenzeller Mittelland und die studierte Zürcher Designerin Sabine Hahn an seine Seite. Beide kannten Rehmann bisher nicht persönlich, brachten damit ihre ganz eigene Sichtweise ein.

Mit welchen Augen sieht der Fotograf die Kunstwerke? Hanspeter Schiess ging hier von der Gesamtheit der jeweiligen Skulptur aus, holte sich winzige Details vor die Kamera, die man beim Betrachten oft übersieht. Entstanden ist ein geheimnisvolles Spiel zwischen Schärfe, Unschärfe und Abstrakten, grossformatig in beeindruckenden Schwarz-Weiss-Fotos. Kleine Ausschnitte werden plastisch hervorgeholt, bekommen Tiefe, Raum, auch neue Bedeutung, die Fantasie wird heftig angeregt.

In seiner Einführung zur Ausstellung unterstrich Scotti: «Die Skulpturen sollen vom Grossen ins Detail führen, einen lebhaften Dialog entstehen lassen zwischen Besuchern, Künstler und seinen Werken. Dazu braucht es ein wenig Neugier und Zeit, um nicht nur die fotografische und didaktische Seite der Ausstellung zu entdecken, sondern auch die emotionale und humanistische Ebene. Denn die humanistische Haltung von Erwin Rehmann zieht sich durch sein gesamtes Leben.»

Ungewohnter Blick

Und weiter: «Wir haben entdeckt, dass die Arbeiten von Erwin Rehmann mehrstrophige Gedichte, gar Abenteuerromane sind mit ungewohntem Blick auf die Welt», so Scotti. Daher der Titel der Ausstellung ‹Weltenguss›. Auf der Vorderseite der jeweilig grossformatigen Banner sind Detailfotografien, auf der Rückseite Texte. Mit ihren spannenden, bruchstückhaften Ausführungen öffnen sie Vorstellungskraft und «innere Welten».

Gedanken werden angestossen über das Verständnis der schönen Künste in den vergangenen Jahrhunderten. Philosophisch wissenschaftliche Überlegungen zum Beispiel über Alchemie oder Metaphysik werden direkt in einem Kontext zur Kunst gebracht, Fragen zu den Skulpturen Rehmanns an den Betrachter gestellt. Kann man in ihnen lesen oder daraus Musik hören?

Die Ausstellung «Weltenguss» könne, wer genügend Zeit mitbringe, zu einem absoluten Weltgenuss werden, meinte die neue Geschäftsführerin des Museums Ute W. Gottschall.