Laufenburg

Ein grösseres Team und mehr Fachwissen: Vom regionalen Sozialdienst profitiert man hier - aber es gibt auch Nachteile

Laufenburg hat einen regionalen Sozialdienst initiiert. (Symbolbild)

Laufenburg hat einen regionalen Sozialdienst initiiert. (Symbolbild)

Von regionalen Sozialdiensten können Gemeinden und Klienten dank Mehrpersonenteams profitieren.

Laufenburg hat einen regionalen Sozialdienst initiiert und betreut aktuell die Sozialfälle von fünf Gemeinden. Das Konzept ist ein Erfolg. Die Sozialhilfequote in Laufenburg ist im letzten Jahr um 0,8 Prozent gesunken und auch in den anderen Gemeinden ist sie gesunken oder zumindest stabil geblieben. «Auch die Fallzahlen entwickeln sich positiv», bilanziert Stadtschreiber Marco Waser (AZ vom Mittwoch).

Auch in Gipf-Oberfrick und den umliegenden Gemeinden wird laut Gemeindeschreiber Urs Treier ein regionaler Sozialdienst immer wieder diskutiert. «In Gipf-Oberfrick besteht momentan kein akuter Handlungsbedarf, weil ein gut ausgebildetes Zweierteam die Fälle vor Ort kompetent betreuen kann.» Die Regionalisierung von kommunalen Aufgaben sei aber ein Dauerthema und werde, falls keine Fusionen erfolgen, unter den Gemeinden künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Als Vorteile für die Gemeinden sieht Treier das grössere Team, mehr Fachwissen, den internen Austausch sowie die Stellvertretung. Er nennt aber auch Nachteile: Der Bezug zu den Klienten gehe verloren, weil der Sozialdienst nicht mehr vor Ort sei, die Distanz eines regionalen Dienstes zum Gemeinderat, der letztendlich die Verantwortung für den sozialen Bereich trage, sei grösser.

Während Gipf-Oberfrick wegen seiner Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur mit vielen Einfamilienhäusern eine eher niedrige Sozialhilfequote von 1,3 Prozent aufweist, kommt das benachbarte Frick auf eine Quote von 3,2 Prozent. Dies liegt vor allem daran, dass es in Frick viel günstigen Wohnraum gibt. Was kann eine Gemeinde tun, um die Quote zu senken? «Am wirksamsten ist es, wenn direkte Vermittlungen von hilfesuchenden Personen in den ersten Arbeitsmarkt gelingen», sagt Gemeindeschreiber Michael Widmer, schränkt aber gleich ein: «Nicht alle Klientinnen und Klienten bringen dazu die gesundheitlichen und persönlichen Voraussetzungen mit.» Zudem seien dazu niedrig qualifizierte Stellen nötig. «Viele solcher Stellen sind in den letzten Jahren in der Schweiz zu Gunsten von Jobs mit hohen Anforderungen verloren gegangen.»

Eine Regionalisierung ist in Frick aktuell kein Thema. «Derzeit liegen keine Anfragen vor», sagt Widmer. Als Vorteil eines grösseren Regionaldienstes nennt auch er das kumulierte Fachwissen und die praktische Erfahrung, die nicht im gleichen Masse vorhanden sein kann, wenn nur einzelne Klienten zu betreuen sind. Widmer sieht in einem grösseren Sozialdienst auch Vorteile für die Klienten. «In einem Mehrpersonenteam kann von den spezifischen Kompetenzen der einzelnen Mitarbeitenden profitiert werden.» Ein grösserer Sozialdienst verfüge in der Regel zudem über ein breites Netzwerk bei den Arbeitgebern, das bei der Stellenvermittlung sehr wertvoll sei.

Widmer attestiert aber auch: «In vielen Gemeinden sind die Gemeindeschreiber für die Betreuung der Klientinnen und Klienten der Sozialhilfe zuständig, die über viel Erfahrung, interdisziplinäres Fachwissen und hohe menschliche Kompetenzen verfügen.»

Gemeindeverband begleitet ­Gemeinden bei komplexen Fällen

In Möhlin ist man, wie in vielen befragten Gemeinden, offen für Gespräche zu einem regionalen Sozialdienst. Laut Gemeindeschreiber Marius Fricker laufen derzeit aber keine Gespräche. Möhlin selber kann aufgrund der Gemeindegrösse einen eigenen professionellen Dienst betreiben.

Diesen hat auch die Nachbargemeinde Rheinfelden. Auch hier ist ein regionaler Sozialdienst derzeit kein Thema. «Dies mag daran liegen, dass sowohl wir als auch unsere Nachbargemeinden Möhlin und Kaiseraugst von der Grösse her eigene professionelle Strukturen in der Sozialarbeit aufweisen und darüber hinaus der Gemeindeverband Sozialdienste kleinere Gemeinden in komplexen Fällen unterstützt», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. Er sieht in einem regionalisierten Dienst ähnliche Vorteile wie die anderen befragten Gemeindeschreiber. Zur Sozialarbeit gehöre im Wesentlichen die Beratung und Begleitung der Betroffenen für eine schnelle und gute Integration ins berufliche und soziale Leben. Oft handle es sich um komplexe Situationen, bei denen eine fundierte Abklärung und Fachberatung nötig sei. «Wenn sich Gemeinden zu einem regionalen Dienst zusammenschliessen, können sie professionelle Soziarbeiter anstellen, die mit diesen Aufgaben vertraut sind», sagt Erdin. «Davon profitieren Gemeinden und Klienten.»

In Rheinfelden sank die Sozialhilfequote im letzten Jahr um 0,2 auf 3,6 Prozent. Die Stadt liegt damit zusammen mit Oberhof an der Spitze der Sozialhilfestatistik, was angesichts des urbanen Kontextes nicht erstaunt. Auch Erdin erachtet die Integration von Sozialhilfebeziehenden in den Arbeitsmarkt als zentral. «Die Stadt Rheinfelden investiert deshalb sehr viele Mittel in Arbeitsintegrationsprogramme», so der Stadtschreiber. Hierfür arbeitet Rheinfelden mit verschiedenen Institutionen zusammen. «Dabei werden die Teilnehmenden individuell gefördert und trainieren wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt.»

Die Reintegration ist, das bestätigen mehrere Gemeindeschreiber, in diesem Jahr unter Coronabedingungen schwieriger – und wird sich in den kommenden Monaten nicht vereinfachen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Der Wirtschaftsmotor springt 2021 bereits wieder an – oder es gehen weitere Arbeitsplätze verloren. Michael Widmer ist für das Fricktal mit seiner dynamischen Wirtschaftsentwicklung «verhalten optimistisch».

Verwandtes Thema:

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1