15 junge Grenzschutzbeamte aus ganz Deutschland treten im Herbst 1979 ihren Dienst an der neuen Säckinger Rheinbrücke an. Darunter befindet sich Fred Thelen, heute Kreisrat, Gemeinderat in Bad Säckingen und Ortsvorsteher von Wallbach, der damals von der niederländischen Grenze in Herzogenrath versetzt wird.

Den Dienst am Bad Säckinger Grenzübergang in der Anfangszeit beschreibt Thelen als «schlimmer als an der damaligen DDR-Grenze». Er und seine Kollegen finden ein Dienstgebäude im Rohbau vor, ohne Fenster und ohne Fussböden. Als Wetterschutz dient ein Bauwagen.

Geregelter Dienst erst ab dem Frühjahr 1980

Noch heute schaudert es Thelen, wenn er an den eiskalten Winter und den Fricktaler Wind 1979/1980 denkt. Dazu kommt, dass den Grenzpolizisten die entsprechende Winterbekleidung fehlt. Ein weiteres Manko stellen die fehlenden Kommunikationsmittel dar. Es ist wahrlich kein idealer Start für die 15 Grenzschutzbeamten.

Fred Thelen wurde 1979 an den neuen Grenzübergang Bad Säckingen versetzt.

Fred Thelen wurde 1979 an den neuen Grenzübergang Bad Säckingen versetzt.

Auch der Zoll hat Mühe mit der unbefriedigenden Situation. So ruht die Kasse des schweizerischen Zolls auf einer Mineralwasserkiste. Der Kassierer des deutschen Zollamtes weigert sich, den Dienst am neuen Zollamt aufzunehmen, bevor keine kugelsicheren Wände montiert sind.

Als Zeitpunkt, an dem ein geregelter Dienst möglich ist, nennt Fred Thelen das Frühjahr 1980. Das Dienstgebäude ist fertiggestellt und der Bundesgrenzschutz kann sich einrichten mit allem, was zu einem geregelten Dienstablauf gehört.

«Die Bad Säckinger meinten, wir müssten sie kennen», bezeichnet Thelen die nächste Herausforderung. «Kennen Sie uns nicht, wir haben die erste Drogerie am Platz», wunderte sich das Bad Säckinger Ehepaar bei der Kontrolle, als es den Ausweis zeigen soll. Ähnlich verhält sich der damalige Bürgermeister Günther Nufer als er zu später Stunde, wie gewohnt mit hoher Geschwindigkeit, den Zoll passiert und die Grenzschutzbeamten völlig ignoriert. Die Beamten staunen nicht schlecht, als sie das Fahrzeug kurz vor der B 34 stellen und den Bürgermeister als Fahrzeuglenker erkennen.

Infoveranstaltung nach Protesten

Insbesondere bei den Gastronomen kommt nicht gut an, dass an der Grenze Beamte mit Polizeiaufgaben Pässe, Fahrzeuge auf ihre Fahrtauglichkeit kontrollieren, nach gesuchten Personen fahnden oder sogar einem alkoholisierten Autofahrer den Führerschein beschlagnahmen dürfen. Bisher haben die Zöllner an der Holzbrücke das Hauptaugenmerk auf das Schmuggeln von Waren gerichtet und die meisten Zöllner sind den Bad Säckinger Einwohnerschaft bekannt.

Aufgrund der kurzen noch Verweildauer in der Stadt kennen die Grenzschützer die Einwohner natürlich noch nicht und bei den Kontrollen wird somit jeder gleich behandelt. Fred Thelen weiss noch genau, wie nach sechs Monaten die Proteste der Gastronomie und der Grenzgänger aufgrund der intensiven Grenzkontrollen immer lauter werden. Deshalb gibt es eine Informationsveranstaltung, an der über die Aufgaben des Bundesgrenzschutzes orientiert wird.

Eine Begebenheit veranschaulicht, was sich durch den Bundesgrenzschutz verändert hat. Als Zirkusfahrzeuge nach Deutschland einreisen wollen, stellen Bundesgrenzschutz und Technischer Überwachungsverein die Fahruntüchtigkeit der Fahrzeuge fest. Die Folge ist, dass der Zirkus mit Tieren, Gerät und Personal auf dem Amtsplatz des deutschen Zolls festsitzt, denn die Schweizer wollen ihn nicht zurücknehmen. Über Spenden und «Goodwill» werden die Probleme gelöst.

Heute ist Fred Thelen Ortsvorsteher in Wallbach sowie Gemeinde- und Kreisrat.

Heute ist Fred Thelen Ortsvorsteher in Wallbach sowie Gemeinde- und Kreisrat.

Gute Zusammenarbeit mit Schweizer Kollegen

Rückblickend schaut Fred Thelen auf eine gute Zusammenarbeit des Bundesgrenzschutzes mit den deutschen und Schweizer Kollegen zurück. Die Anwesenheit des Bundesgrenzschutzes (heute Bundespolizei) ist heute eine Selbstverständlichkeit. Die heutige Umstrukturierung mit den sporadischen Kontrollen sieht er als EU-konform an, gibt aber zu bedenken, dass es sich bei der Grenze zur Schweiz um eine Aussengrenze mit Besonderheiten handelt.