Es ist das Schweizer Highlight für alle Radsportfans: die Tour de Suisse. Und: Sie macht – nach 2012 in Gansingen/Wittnau und 2016 in Rheinfelden – in diesem Jahr erneut im Fricktal Halt. Genauer: wiederum in Gansingen. Hier feiert der VMC sein 100-Jahr-Jubiläum und er tut dies, wie man es von den Gansingern gewohnt ist, ausgiebig und temporeich.

«Fünf Tage feiern wir praktisch durch», sagt OK-Präsident Emanuel Hüsler (siehe Box). Die Krönung, da muss Hüsler nicht lange überlegen, ist für ihn, den Radsportbegeisterten, dass sein Dorf Ziel- und Start-Ort der diesjährigen Tour ist.

Von 2012, wo Hüsler Pressechef des lokalen Tour-OKs war, weiss er noch genau, wie viel Arbeit dahinter steckt. Dennoch war für ihn schnell klar: «Zum Jubiläum holen wir die Tour erneut ins Dorf.» Das hat geklappt – dank den VMC-Mitgliedern, die einstimmig sagten: «Wir sind dabei!» Und dank dem guten Kontakt zur Tour-de-Suisse-Spitze. Generaldirektor Olivier Senn wohnt selber in Gansingen.

Die Vorbereitungen laufen derzeit auf Hochtouren. «Jedes Ressort ist stark gefordert», sagt Hüsler, der froh ist, auf ein eingespieltes Team zurückgreifen zu können. «Das ist wichtig, denn jeder muss in seinem Ressort viele Entscheidungen selber treffen.» Man sei aber gut im Zeitplan, sagt Hüsler. Er blickt zu den Fahrrädern, die das OK als Werbeträger beim Ortseingang – dem Zielbereich – aufgestellt hat. «Warum wir uns das antun?», wiederholt er die Frage, lacht. «Weil wir radsportbegeistert sind und weil wir 2012 erleben durften, wie toll es ist, den Tourtross im Dorf zu haben.»

Anders als 2012 ist Gansingen in diesem Jahr nicht nur Zielort, sondern am Tag darauf auch Startort. 2012 erfolgte der Start nach der Gansinger Etappe in Wittnau. «Dass wir sowohl Ziel wie Start bei uns haben, lässt das Erlebnis noch intensiver werden», sagt Hüsler. Vor allem vor dem Start «besteht die Möglichkeit, ganz nahe an die Fahrer heranzukommen».

Welche (Spitzen-)Fahrer dabei sein werden, ist noch offen. Einer aber wird sicher mitfahren – und, so hofft Hüsler, in Gansingen mit um den Sieg sprinten: FastLokalmatador Silvan Dillier. Der 27-Jährige lebt in Schneisingen und fährt in diesem Jahr für AG2R, das Team rund um den Franzosen Romain Bardet.

Hüsler traut Dillier einen Sieg in der Fricktaler Etappe zu. «Sie ist auf ihn zugeschnitten.» 182,8 Kilometer lang, 2000 Höhenmeter, die es in fünf «kurzen, aber giftigen Anstiegen» zu meistern gilt, wie es in der Dokumentation heisst.

Zusatzschlaufe zweimal gefahren

Zwei Anstiege – der Bürensteig und Hagenfirst – finden sich in der 29,8 Kilometer langen Zusatzschlaufe, die zweimal absolviert wird. Mit anderen Worten: Wer die Tour am Strassenrand oder im Zielgelände in Gansingen mitverfolgt, sieht die Fahrer zweimal vorbeiflitzen und beim dritten Mal, so ist zu hoffen, stoppen.

Er habe die Schlaufe erst kürzlich gefahren, sagt Hüsler. «Sie ist nicht ohne.» Vor allem in dem Tempo, das die Fahrer auf die Strasse legen werden. Die Tourorganisatoren rechnen auf der dritten Etappe von Oberstammheim ZH nach Gansingen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 39 bis 43 km/h. Das heisst, die Fahrer werden vier bis viereinhalb Stunden im Sattel sitzen, rund eineinhalb davon auf der Schlaufe um Gansingen.

Dillier, der Fast-Fricktaler, kann denn auch auf den Support der Fricktaler zählen. «Es ist vorgesehen, dass ich mit ihm die Schlaufe einmal fahre und wir die Schlüsselstellen zusammen anschauen», sagt Hüsler, der den Bürensteig wie seine Westentasche kennt. Falls die Rekognoszierungs-Fahrt zustande komme, «ist das mein persönliches Vor-der-Tour-Highlight», so Hüsler.

Bis die Tour am 11. Juni in Gansingen Halt macht, hat das OK noch viel Arbeit vor sich. Möglich sei ein solches Event nur dank vielen Freiwilligen, weiss Hüsler. Er rechnet damit, dass an den beiden Renntagen rund 200 Helfer im Einsatz sein werden. Das kann der VMC alleine nicht stemmen; er ist auf die Mithilfe anderer Vereine angewiesen. «Hier spürt man, dass das ganze Dorf hinter dem Anlass steht», freut sich Hüsler.

Auch deshalb hat Hüsler noch keinen Moment bereut, dass er das OK-Präsidium übernommen hat. Er lacht. «Ich habe mich im VMC an vorderster Front dafür starkgemacht, dass wir wieder Etappenort werden», sagt er dann. «Da musste ich ja fast in die Präsidiums-Hosen steigen.» Die Zusammenarbeit mit der Tourorganisation erlebt Hüsler als «durchweg gut». Sie stelle zwar hohe Anforderungen – insbesondere ans Zielgelände –, «doch sie sind auch Pragmatiker: Bislang haben wir für jedes Problem schnell und unkompliziert eine Lösung gefunden.»

Die zwei Steine

Ausgehen wird dem 18-köpfigen OK die Arbeit nicht so schnell. «Wir werden bis zur letzten Minute gefordert sein», sagt Hüsler. Er selber wird das Rennen im Zielgelände verfolgen, «fliegend», wie er schmunzelnd hinzufügt.

Zweimal wird ihm dabei ein Stein vom Radsport-Herzen fallen: Der erste, wenn alle Fahrer am 11. Juni – «hoffentlich sturzfrei» – im Ziel sind. Der zweite, wenn der Tourtross am Dienstag um 12.40 Uhr Gansingen wieder verlässt und es um 13 Uhr heisst: VIP-Area is closed. Was er dann tun wird, weiss Hüsler mit Bestimmtheit. «Ich werde mit dem OK zusammensitzen und mit einem Bier auf ein gelungenes Radsportfest anstossen.» Und hoffentlich auf einen Schweizer Sieg. In diesem Sinne: Prost!