Herznach

Ein Fricktaler macht in den USA Basketball-Karriere

Die Rollstuhlbasketballer Anthony Pone, Rolf Acklin und Rodney Hawkins (v.l.) der «Movin’ Mavs».

Die Rollstuhlbasketballer Anthony Pone, Rolf Acklin und Rodney Hawkins (v.l.) der «Movin’ Mavs».

Rolf Acklin spielt während einem Jahr im Team der Rollstuhlbasketballer «Movin’ Mavs» in Texas. In der Schweiz ist Rollstuhlbasketball eine Randsportart - doch in den USA ist der Sport populär.

Der Herznacher Rolf Acklin ist seit seiner Jugend wegen eines Unfalls auf den Rollstuhl angewiesen und spielt seit 12 Jahren in der Schweiz Basketball, zuletzt beim RC Züri Oberland, wo er auch als Spielertrainer amtete.

Rollstuhlbasketball ist eine absolute Randsportart; es gibt in der Schweiz nur sechs Teams. Eines davon, die Pilatus Dragons, dominiert die Meisterschaft seit vielen Jahren. «In Amerika ist Basketball viel bekannter und beliebter und somit auch Rollstuhlbasketball», erklärt Rolf Acklin. Es gebe eine nationale Liga, eine Uniliga, eine 3. Liga, eine Damen- und eine Juniorenliga.

Drei der fünf besten Teams spielen in der Uniliga und zwei in der Nationalen Liga, weiss Rolf Acklin von seinem texanischen Coach. «Mir wurde gesagt, dass an einem Finaltag der Uniliga rund 2000 Fans in der Halle sind. Darauf freue ich mich. So einen grossen Fanaufmarsch kenne ich aus der Schweiz nicht.»

Mehrere Stunden Training pro Tag

Um bei den «Movin' Mavs» zu spielen, muss Rolf Acklin auch studieren, da es sich um eine Universitätsmannschaft handelt. «Was ich studieren werde, habe ich erst in letzter Sekunde entschieden. Aber da ich nicht plane, ein Studium abzuschliessen, besuche ich einfach ein paar Fächer, die mich interessieren: zum Beispiel Geschichte, Film und Spanisch. Es geht mir auch darum, meine Englischkenntnisse zu vertiefen.»

Im Vordergrund steht für Rolf Acklin ganz klar der Sport. In der Schweiz hat er Teilzeit als Sachbearbeiter und Rollstuhltrainer an der Schule für Körper- und Mehrfachbehinderte (SKB) in Zürich gearbeitet und zwei bis drei Mal pro Woche trainiert.

In Texas wird er täglich drei bis fünf Stunden trainieren und nebenbei studieren. «Ich freue mich darauf, zu erfahren, was ich aus meinem Potenzial in sportlicher Hinsicht machen kann und schliesse nicht aus, dass nach diesem Aufenthalt die Schweizer Nationalmannschaft für mich ein Thema werden könnte.»

Ein internationales Team

Im Team der «Movin' Mavs» spielen nebst vielen Amerikanern und Rolf Acklin auch ein Österreicher, ein Mexikaner und ein Australier; Letzterer war Mitglied des Männerweltmeisterteams 2010. Die Regeln beim Rollstuhlbasketball sind an jene des klassischen Basketball angelehnt. Der wichtigste Unterschied ist jedoch das Klassifizierungssystem, das einen Ausgleich schafft zwischen den Spielern mit unterschiedlich starker Behinderung.

Die Bewertung richtet sich nach der Fähigkeit, verschiedene Bewegungen auszuführen. Je geringer diese Fähigkeit ist, desto niedriger ist die Klassifizierungspunktzahl eines Spielers. Ein 4,5-Punkte-Spieler mit geringen Einschränkungen an den Beinen kann beispielsweise mehr Bewegungen ausführen als ein 1-Punkte-Spieler, der von der Brust abwärts gelähmt ist. Eine Mannschaft darf 14 Punkte nicht überschreiten.

Das Ziel ist die Teamarbeit
Rolf Acklin ist ein 1-Punkte-Spieler. «Spieler wie ich werden meistens dazu eingesetzt, um zu blocken und weniger behinderten Mitspielern freie Bahn auf den Korb zu verschaffen.» Für Rolf Acklin stimmt das so: «Im Team geht es darum, dass jeder das Bestmögliche aus seinen Voraussetzungen macht und man zusammen ein Ziel erreicht.»


Rolf Acklin ist begeistert, wie rollstuhlgängig Amerika ist: «Das Land ist zwar pleite, aber in diesem Bereich können die Amerikaner ein Vorbild für uns sein.»

Es existiere in Arlington, wo er die Uni besucht, zwar wenig öffentlicher Verkehr, weshalb er auf seine Auto fahrenden Teamkollegen angewiesen ist. Da nun das Semester beginnt und Rolf Acklin auf dem Campus wohnen wird, sei das nicht so schlimm. Er freut sich nun auf ein anders Leben, neue Freunde und viele Emotionen im Sport.

Rolf Acklin schreibt einen Blog über seinen Aufenthalt: 00acklin.blogspot.com

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