Ein Fricker Dino macht Karriere in Belgien: Seit Tagen berichten belgische Tageszeitungen und TV-Anstalten vom Plateosaurier aus Frick, den das königliche belgische Institut für Naturwissenschaften in Brüssel als Dauerleihgabe aus der Schweiz bekommen hat und der derzeit präpariert wird. «Ben» nennen sie den Dino liebevoll, benannt nach seinem Entdecker Ben Pabst, dem Fricker Grabungsleiter.

«Qui veut adopter Ben, le Dino?», titelt beispielsweise «La Libre Belgique», «wer will Ben, den Dino, adoptieren?» Die Adoption ist allerdings nur eine virtuelle; gemeint ist damit das Crowdfunding, welches das Museum vor gut zwei Wochen gestartet hat. 25 000 Euro braucht das Museum, um das rund zwei Meter lange Saurier-Skelett aufstellen zu können. Die Belgier sind begeistert; bereits am ersten Tag kamen 24 Prozent des benötigten Geldes zusammen. Und seit Freitagmorgen ist die Sache geritzt: 25 160 Euro haben 403 Spender zugesichert.

«Einfach Wahnsinn», entfährt es Andrea Oettl, der Leiterin des Fricker Sauriermuseums, und Gemeinderätin Susanne Gmünder Bamert «kribbelt es in den Fingern», wenn sie sieht, wie da die Post abgeht. «Es bestätigt uns in unserer Arbeit», sagt Gmünder. Und in der Vision: Gmünder wie Oettl träumen von einem grossen Museum, möglichst bei der Fundstelle. In diesem könnte endlich, so sinnieren die beiden, ein grosser Teil der bis heute rund 80 gefundenen Plateosaurier-Skelette ausgestellt werden – und natürlich auch die weiteren Trouvaillen, wie etwa die Millionen Jahre alte Schildkröte.

Botschaftsrat meldet sich per Mail

Das grassierende Dino-Fieber ist auch der Schweizer Botschaft in Brüssel nicht verborgen geblieben. Per Mail meldet sich Botschaftsrat Claude Crottaz bei Oettl. Er spricht von «einem richtigen Media-Hype», bei dem auch die Tatsache, dass das Skelett eine permanente Leihgabe aus der Schweiz sei, «in allen Artikeln gebührend anerkannt» werde. Er schliesst sein Mail: «Es würde mich freuen, wenn Sie uns mitteilen könnten, ob eine Präsenz aus Frick anlässlich der ‹Einweihung› Bens in Brüssel geplant ist.»

Roaaaar, heisst es aus Frick. Also: Ja. Ein Teil der Saurierkommission wird im Dezember zur Eröffnung nach Brüssel reisen und auch der Gemeinderat überlegt sich, ob er mit einer Delegation präsent sein wird. Gmünder lacht. «Das Museum wollte sogar, dass der Gemeinderat für die Vertragsunterzeichnung nach Brüssel kommt, um sie medial zu inszenieren.» Das habe man dann doch gelassen; «wir Schweizer sind da zurückhaltender». Beides, die Einladung zur Vertragsunterzeichnung wie zur Eröffnung, «zeigt aber den enorm hohen Stellenwert, den man unserem Fricker Saurier zukommen lässt», so Gmünder.

Auf die Eröffnung freuen sich Gmünder wie Oettl. «Ich google fast jeden Tag, ob es etwas Neues gibt», gesteht Gmünder und Oettl «kommt nicht aus dem Staunen heraus».

Eingefädelt haben den Deal Ben Pabst und Pascal Godefroit, einer der Brüsseler Museumsdirektoren. Das belgische Museum suchte einen Plateosaurier, die Fricker haben genügend. «Uns fehlt das Geld, alle zu präparieren», sagt Oettl. Da kam die Anfrage aus Brüssel gerade recht. Man wurde sich schnell einig, zumal das naturhistorische Museum in Brüssel «eine Top-Adresse für Saurier-Fans ist, und besiegelte das Ganze vor einem Jahr. «Bei einem Fondue», meint Gmünder schmunzelnd.

Bekommen haben die Belgier im letzten Mai Knochen von zwei ähnlich grossen Plateosauriern aus dem Fricker Bestand. «Beide sind nicht ganz komplett, aber ergänzen sich gut zu einem Saurier», erklärt Oettl.

Seither werden die Knochen, mehrere hundert an der Zahl, in Brüssel präpariert und dann, ab Spätsommer, zu einem stehenden Skelett komponiert. «Ich bin jetzt schon gespannt, wie ‹Ben› aussieht», sagt Gmünder. Sie ist überzeugt: «Der Saurier wird beste Werbung für Frick und die Fricker Saurier machen.»

300 000 Besucher pro Jahr

Natürlich werden nun nicht plötzlich Tausende Belgier nach Frick pilgern; «aber wenn schon nur eine Handvoll Dino-Interessierter zu uns kommt, ist das ein Erfolg», sagt Oettl. Und das kann gut sein, denn das Museum verzeichnet jährlich rund 300 000 Besucher. Oettl lacht. «Das ist eine andere Liga. In Frick hatten wir in den letzten 20 Jahren rund 150 000 Besucher.»

Gmünder und Oettl geht es aber noch um etwas anderes: «Wir haben hier in Frick sensationelle Funde, von denen viele im Werkhof lagern», sagt Oettl. «Jeder Saurier, der präpariert und ausgestellt werden kann, ist ein Gewinn.» Für die Wissenschaft, die Besucher und letztlich auch für Frick.