TV-Moderatorin, Schauspielerin, Stuntfrau, Weltenbummlerin – im Leben von Simone Bargetze (41) gibt es kaum einmal eine Pause. «Es war nicht immer ganz leicht, mit ihr mitzuhalten», sagt Sandro Schreiber und lacht. Der 29-Jährige aus Frick hat die in der Schweiz wohnhafte Liechtensteinerin während fast zwei Jahren begleitet und gemeinsam mit Andi Batliner einen Film über sie und ihr Leben gedreht.

Die beiden Filmemacher lernten sich während ihrer Ausbildung im Bereich Filmproduktion in Zürich kennen. Ihr Film über Bargetze war ursprünglich als Abschlussarbeit für das Studium gedacht und wurde prompt als beste Arbeit ausgezeichnet. Nachdem der Film so gut angekommen war, beschlossen die beiden, eine Langversion zu drehen. «Fearless Journey» kommt im März in Liechtenstein ins Kino und wird dann auch im «Fricks Monti» gezeigt werden.

Für den Fricktaler geht mit dem eigenen Film auch ein Bubentraum in Erfüllung. Schon während der Primarschulzeit in Wegenstetten hat er mit seinen Freunden «James Bond»-Filme gedreht. Als es später darum ging, eine Lehrstelle zu suchen, sah Schreiber im Filmgeschäft keine Möglichkeiten. «Ich war mir nicht bewusst, dass man in der Schweiz eine derartige Ausbildung machen kann», sagt er.

Über einen Umweg zum Film

Erst nach der Lehre zum Informatiker merkte er, dass da im Arbeitsalltag halt eben doch etwas fehlt: die Kreativität. Also schaute er sich erneut im Bereich Film um – und fand eine Möglichkeit. Er studierte am SAE-Institut, der Schule für audiovisuelle Medien, in Zürich. Dort lernte er Andi Batliner kennen. Seither arbeitet Schreiber zu 80 Prozent bei einem Schweizer Film- und Postproduktionsunternehmen. Den freien Tag pro Woche setzt er für die Arbeit an «Fearless Journey» ein.

Trailer zu «Fearless journey»:

Bis zum Kinostart im März hat er noch einiges zu tun. «Die Postproduktion ist aufwendiger, als man denkt», sagt Schreiber. Der Schnitt ist inzwischen fertig. Derzeit ist er daran, die Farbkorrektur an den Rohaufnahmen vorzunehmen – für jeden Schnitt einzeln. «Ein Tag Arbeit reicht für fünf Minuten Film», sagt Schreiber.

Sein Kollege Andi Batliner kümmert sich währenddessen um die Vermarktung und rechtliche Fragen. Gerade Letzteres hat die beiden in den letzten Wochen beschäftigt. Simone Bargetze ist als Stuntfrau in verschiedenen grossen Blockbustern zu sehen, «Transformers» etwa und auch «Avatar». Die Filmemacher konnten den Stuntpark besuchen, in dem sie ihre Ausbildung dafür gemacht hat. «Aber nur zu gerne würden wir natürlich auch das Resultat zeigen, also einen Stunt.»

Auf der Flucht

Das ist allerdings nicht nur rechtlich kompliziert, sondern auch teuer. Dank der finanziellen Unterstützung des Liechtensteiner Kulturausschusses und von zwei Liechtensteiner Gemeinden aber ist es gelungen: Im Film sind 30 Sekunden «Avatar» zu sehen, inklusive eines spektakulären Stunts von Bargetze.

Er habe während des Drehs viel gelernt, sagt Sandro Schreiber. Über das Filmbusiness, sein Handwerk in der Postproduktion – aber auch über sich selber. Die Lebenslust, Offenheit und vielleicht auch das positiv Durchgeknallte an Bargetze, all das sei ansteckend gewesen. «Wir haben während der Drehzeit mit ihr gemerkt, wie ihre unglaubliche Energie auf uns abfärbt», sagt Schreiber und erzählt eine Anekdote. Bei den Dreharbeiten in Los Angeles nahm Bargetze die Filmemacher mit in die «Hollywood Hills». «Wir kletterten über die Absperrgitter und filmten beim berühmten ‹Hollywood›-Schriftzug ein Interview – bis ein Polizeihelikopter auftauchte und wir flüchten mussten», erzählt Schreiber lachend.

Geplatztes Interview

«Simone lebte ihr Leben ohne Plan, spontan und ohne Furcht vor der Zukunft», sagt Schreiber. Auch während des Drehs sei das zu spüren gewesen. Als ein eigentlich abgemachtes Interview mit «Avatar»-Regisseur James Cameron in den USA kurzfristig platzte, improvisierte Bargetze einfach, zeigte den Filmemachern bedeutungsvolle Orte aus ihrer Vergangenheit. «Sie liess sich vom Rückschlag überhaupt nicht aus der Bahn bringen und hat uns wieder mitgerissen», so Schreiber. «Sie gibt nie auf. Diese Lebenseinstellung vermittelt der Film.»

Er zeigt aber auch eine Seite, die von Simone Bargetze bisher kaum zu sehen war. «Allzu viel wollen wir nicht verraten. Aber der Film nimmt eine berührende Wende und gibt einen unerwarteten tiefen Einblick in ihr Leben», sagt Schreiber.

Er freut sich riesig auf den Moment, wenn er in einem Kinosaal sitzt und auf der Leinwand sein eigener Film läuft. «Das hätten wir nie erwartet, als wir mit dem Projekt begonnen haben.» Es ist, als hätten die beiden Filmemacher ihr eigenes Hollywood-Märchen geschrieben. «Ich habe gefunden, was mich glücklich macht», sagt Schreiber. «Fearless Journey» soll nicht das letzte Projekt von ihm und Andi Batliner sein.