Mettauertal
Ein Dorf spaltet sich - braucht es wirklich zwei Schulen?

Das Stimmvolk entscheidet an der Urne, ob die Schule Etzgen geschlossen wird - die Pro- und Kontra-Argumente im Schlagabtausch.

Susanne Hörth
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Susanne Hörth

Die Fusionsgemeinde Mettauertal muss zurzeit in der Abstimmungsdiskussion um den Zusammenschluss vierer Gemeinden im mittleren Fricktal oft als Negativbeispiel herhalten. Grund ist die vom Mettauertaler Gemeinderat geplante Aufhebung des Schulstandortes im Ortsteil Etzgen und der künftigen Konzentration von Kindergärten und Primarschule am Standort Wil. Gegen den mit nur zwei Stimmen Unterschied zustande gekommenen Versammlungsentscheid für die Schliessung kam im Juli das Referendum zustande. Am 22. November entscheiden die Mettauertaler an der Urne, ob es künftig ein oder zwei Schulstandorte in der Gemeinde geben wird.

«Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es für rund 140 Lernende keine zwei Schulstandorte braucht, vor allem aus finanzieller Sicht», sagt Robert Keller, Vizeammann von Mettauertal. Die Einsparungen bei einem Standort würden per sofort 100 000 Franken und mittelfristig 250 000 Franken pro Jahr ausmachen. «Auch ohne Gemeindezusammenschluss hätten wir hier im Tal über die Schulstandorte diskutieren müssen», sagt Keller und weiter: «Wir werden solche Diskussionen in Zukunft auch in anderen Sachgeschäften führen müssen.»

Thomas Vetter von der Interessengruppe für den Erhalt der Etzger Schule betont, dass sich die Schule in keinem so schlechten Zustand befinde wie vom Gemeinderat erklärt. «Sie benötigt den ganz normalen Unterhalt wie alle anderen öffentlichen Gebäude auch. Die Beträge werden im Rahmen der Budgets jeweils festgelegt und den Stimmbürgern zur Abstimmung unterbreitet. Die Ausgaben gaben noch nie zu Diskussionen Anlass.»

«Wir hätten uns viel Ärger ersparen können», geht Robert Keller auf die Frage ein, ob es gescheiter gewesen wäre, nicht auf den Vorschlag der Schulpflege, einen Schulstandort zu schliessen, einzugehen. Die Schullandschaft ist einem steten Wandel unterworfen. Die Rahmenbedingungen werden härter. Dies und die Gemeindefinanzen im Lot zu halten, gaben letztlich für den Gemeinderat den Ausschlag, den Antrag der Schulpflege eingehend zu prüfen und der Entscheid dem Volk vorzulegen.

Schule im dynamischen Umfeld

Thomas Vetter weiss um das dynamische Umfeld der Schule. «Gäbe es wirklich zwingende Gründe für eine Auflösung des Schulstandortes Etzgen, beispielsweise ausserordentliche bauliche Aufwendungen, zu tiefe Schülerzahlen oder gefährdete Qualität der Schulführung, wäre die Opposition bestimmt nicht so gross wie jetzt. Und über allem schwebt noch immer der Zusammenschlussvertrag.» In diesem sind beide Schulstandorte festgehalten, vorbehaltlich möglicher Veränderungen in den Rahmenbedingungen. Vetter ist überzeugt, dass die Behörden besser beraten gewesen wären, das sehr heikle Schulthema sensibler vorzubereiten. Er betont deshalb noch einmal: «Es gibt keinen einzigen zwingenden Grund, den Schulstandort Etzgen kurzfristig zu schliessen.»

Robert Keller begründet die Vorteile eines einzigen Schulstandortes auch mit der im Leitbild der Gemeinde festgehaltenen Schaffung von Tagesstrukturen. Das sei bei zwei Standorten deutlich schwieriger umzusetzen. Ausserdem, so Keller: «ist die soziale Vernetzung der Schüler an einem Standort deutlich besser».

Er, wie auch die anderen Ratsmitglieder, begrüssen die Diskussionen und damit zusammenhängend die gelebte Demokratie in der Gemeinde. In Bezug auf die Tagesstrukturen erklärt er, dass für deren Realisierung nach dem Urnenentscheid mit Hochdruck gearbeitet werde. Der Vizeammann verhehlt an dieser Stelle auch nicht, dass dies mit nur einem Standort deutlich einfacher und auch günstiger umzusetzen ist.

Mettauertal als Orientierungshilfe

Die politische Auseinandersetzung in der Fusionsgemeinde begrüsst Thomas Vetter ebenfalls. Wichtig sei, dass die Diskussionen sachlich geführt werden. Als ehemaliger Mettauertaler Gemeinderat und damit ein Behördenmann der ersten Stunde befürworte er nach wie vor den Zusammenschluss ganz klar. Dass bei den Gegnern des Fusionsprojektes im mittleren Fricktal die Zusammenschlussgemeinde Mettauertal als schlechtes Beispiel aufgegriffen wird, findet er schade. «Mettauertal sollte vielmehr als Orientierungshilfe im Umgang mit sensiblen Einrichtungen dienen.»

Die Zeit bis zur Urnenabstimmung im November nutzt die IG, um noch mehr Fakten zusammenzutragen. «Wir werden den Abstimmungstermin also nicht einfach abwarten, sondern uns aktiv darauf vorbereiten», so Vetter.

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