Möhlin
Ein Dorf im Wandel: Was bleibt, ist die Erinnerung

Seit Jahrzehnten verändert sich das Dorbild von Möhlin. So stark, wie nur wenige Dörfer im Fricktal. Ein Blick zurück auf das, was einmal war: Von der alten Mühle bis zur Rösslischüüre.

Nadine Böni
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Geschichte von Möhlin
4 Bilder
Das alte Feuerwehrmagazin, bekannt als «Sprützehüsli», vor dem Abriss 2006
das ehemalige «Café Schaffner», wo heute die neue Migros inklusive Wohnüberbauung steht
die «Rösslischüüre», die in den kommenden Monaten umgebaut werden soll – eines der letzten Überbleibsel des alten Möhliner Mitteldorfs

Geschichte von Möhlin

zvg/Archiv

Ein ohrenbetäubender Knall, dann ein Rumpeln. Über der Hauptstrasse bei der alten Mühle in Möhlin liegt eine dichte Staubwolke. Als sich die Wolke verzieht, steht die Hälfte von Ramseiers Haus mitten auf der Strasse. «Die Steine flogen bis auf die andere Strassenseite. Nur die Seitenwände standen noch», erzählt eine Mehlerin, die den Vorfall Anfang der 50er-Jahre miterlebt hat, im Film «Nea Meli» von Ueli Sager.

Diesmal hatte es Max Ramseier übertrieben. Während einiger Jahre hatte er bereits gegraben und gesprengt, um die Felsen hinter seinem Haus wegzubekommen – bis er zu viel Schwarzpulver erwischte. Glücklicherweise wurde beim Vorfall niemand verletzt. Und deshalb ist die Geschichte vom «Ramsi», der sein Haus sprengte, noch heute eine der Anekdoten, die sich die älteren Mehler gerne erzählen.

Eine der Anekdoten, die an langen Abenden in der Beiz für Lacher sorgen – und für Identifikation mit dem eigenen Dorf, den Häusern, ihren Bewohnern.

Dem Neuen gewichen

Nur wenige Dörfer im Fricktal haben sich in den letzten Jahrzehnten derart stark verändert, wie dies Möhlin tat. Ramsi baute sein Haus nach der missglückten Sprengung wieder auf. Jahrelang hing am Eingang zu seinem Laden ein Schild: «Einbrecher werden ohne Vorwarnung erschossen.» Nach dem Tod des Dorforiginals im Jahr 2004 wichen Schild, Laden und Haus einer Wohnüberbauung mit Geschäftsräumen.

Das gleiche Schicksal ereilte die alte «Mosti», weiter unten an der Hauptstrasse. Wo einst Äpfel gepresst, Fässer geputzt und frisch gefüllt wurden, steht heute das Wohn- und Geschäftshaus «Melinea», gebaut vor zehn Jahren als «neues Zentrum des Dorfes».

Sprützehüsli, Mosti – und Rössli?

Verschwunden sind die Bauernhäuser der Familien Urich, Kym und das Gebäude von Spengler Mahrer, verschwunden das ehemalige «Café Schaffner». An ihrer Stelle steht nun die Überbauung «Mitti» mit der neuen
Migros-Filiale.

Verschwunden ist das «Sprützehüsli», das alte Feuerwehrmagazin an der Hauptstrasse. 2006 wurde es abgerissen. Die Zeiten, in denen die Feuerwehr mit ihrem Spritzenwagen vom Oberdorf aus ausrückte, waren da längst vorbei. Viele Mehler Herzen hingen trotzdem am Häuschen.

Genauso hängen sie jetzt am Gebäude gegenüber dem abgerissenen «Sprützehüsli»: der «Rösslischüüre». Aktuell läuft hier das Baubewilligungsverfahren. Die Schüüre soll innen zu einem Hotel mit Restaurant umgebaut werden. Auf den freien Flächen und anstelle des ehemaligen Restaurants Rössli sind zwei Wohnbauten geplant.

Es wäre die nächste grosse Veränderung im Möhliner Mitteldorf. Das nächste Gebäude, von dem nicht viel bleibt, ausser den Anekdoten. Solche, die für Lacher sorgen – oder für nachdenkliches Schweigen, in Erinnerung an das, was einmal war.