Stein
Ein Dorf geht seinen Parksündern an den Kragen

Stein kämpft schon seit Jahren mit Parkplatzproblemen. Am 1. Mai tritt das neue Parkierungs-Reglement in Kraft. Im Hintergrund laufen bereits Planungen für weitere Massnahmen.

Nadine Böni
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Vizeammann Walter Zumstein (l.) und Gemeindeammann Hansueli Bühler.

Vizeammann Walter Zumstein (l.) und Gemeindeammann Hansueli Bühler.

Nadine Böni

Stein kämpft schon seit Jahren mit Parkplatzproblemen. Autos von Pendlern und Touristen verstopfen das Dorf. «Wir sind der Parkplatz für die halbe Deutschschweiz, die über die Holzbrücke nach Bad Säckingen in die Altstadt geht», sagt Gemeindeammann Hansueli Bühler.

Das Fass zum Überlaufen brachte im Sommer 2013 die Novartis, die die firmeneigenen Parkplätze beschränkte. Mitarbeiter, die weniger als 45 Minuten Arbeitsweg haben, müssen seither mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen.

«Viele tun das offenbar nicht. Das führt zu einem massiven Anstieg an Tagesparkierern im Dorf», sagt Bühler. Und zu massiven Reklamationen von entnervten Anwohnern bei der Gemeinde.

Parkhaus und Stadtbus

Am Rande der Information über das neue Parkierungsreglement erwähnte der Steiner Gemeindeammann Hansueli Bühler weitere Projekte, an denen im Hintergrund gearbeitet oder die zumindest angedacht sind. So befänden sich die SBB, der Kanton Aargau und die Gemeinde «in der Planungsphase» für ein Parkhaus am Bahnhof SteinSäckingen. Dieses soll die Kapazität der überlasteten «Park and Ride»-Anlage mehr als verdoppeln – von rund 100 auf 250 Parkplätze. Parallel dazu laufen Planungen, den Bahnhofplatz, und dabei vor allem den Wendeplatz für Busse, umzugestalten. Hintergrund dafür ist, dass auf der Postauto-Linie zwischen Frick und Stein dereinst Gelenkbusse verkehren sollen. Mit einer Realisation dieser Projekte sei aber frühestens in zwei Jahren zu rechnen, sagt Bühler. Schon in den nächsten Monaten vergrössert werde der Veloparkplatz am Bahnhofweg.
Zum Thema werden könnte ausserdem ein Stadtbus, der Bad Säckingen und Stein verbindet. Für diese Busverbindung gab es in den 90er-Jahren bereits eine Pilotphase, die wenig erfolgreich verlief. «Das lässt sich aber mit der heutigen Situation kaum mehr vergleichen», sagt Bühler. Die Behörden beidseits des Rheins hätten daher angedacht, entsprechende Gespräche aufzunehmen. (az)

Parkkarte oder -uhr

Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Gemeinderat, Bauverwalter, Fachpersonen und Einwohnern entwickelte daraufhin das neue Parkierungsreglement, das am 1. Mai in Kraft tritt. Damit bewirtschaftet die Gemeinde neu sämtliche öffentlichen Parkflächen. «Das macht Sinn, sonst hätten wird das Problem nur verschoben», sagt Bühler.

Das Reglement teilt das Dorf in drei Gebiete: Zentrum, Rüti und alter Zoll. Sie gehören neu in eine sogenannte weisse Zone. Hier darf auf sämtlichen Strassen neu maximal drei Stunden mit Parkscheibe parkiert werden.

Wer länger parkieren will, muss auf der Gemeinde eine Parkkarte lösen. Diese ist nur für Anwohner erhältlich und kostet monatlich 50 Franken (Jahreskarte: 500 Franken). Besucher können für 10 Franken eine Tageskarte lösen. Auf der Rheinbrück- und der Schönaustrasse im Gebiet alter Zoll wird ein Fahr- und Parkverbot eingeführt. Parkieren ist hier nur in den markierten Feldern erlaubt.

Auf den öffentlichen Parkplätzen im Dorf sind Parkuhren in Betrieb (Saalbau, Bustelbach, Adler-Kreuzung/Löwenplatz) oder Parkverbote ausgeschildert (Gemeindehaus, Schule, Bauamt). Letztere sollen den Angestellten und Besuchern vorbehalten sein.

Die Gebühren bei den Parkuhren belaufen sich auf 50 Rappen bis 2 Franken pro Stunde. Mit dem progressiven Ansatz sollen Tagesparkierer abgeschreckt werden, sagt Vizeammann Walter Zumstein. Die Parkplätze beim Friedhof stehen offen. Erlaubt ist Parkieren während dreier Stunden mit Parkscheibe.

Der Gemeinderat behält sich eine Erhöhung der Gebühren für Parkkarten und -uhren vor, falls die Massnahmen nicht greifen. Noch vor dem Sommer wolle man die Umsetzung «Revue passieren lassen», sagt Gemeindeammann Bühler. «Wir sind gespannt auf die Reaktionen.»

Keine Schonfrist für Sünder

Eine Schonfrist haben Parksünder nicht zu erwarten: Die Regionalpolizei Unteres Fricktal wird ab dem 1. Mai Bussen verteilen. Anfangs werden den Bussenzetteln Flyer beigelegt mit den Informationen zum neuen Reglement. Als Warnung werden ausserdem bei allen Parkplätzen und Zufahrten zum Dorf grosse Plakate platziert. Und in den kommenden Tagen erhalten alle Haushalte eine Broschüre.

Die Einnahmen aus dem Parkkarten-Verkauf und den Parkuhren gehen in die Kontroll- und Verwaltungskosten sowie die Amortisation der Parkplätze – etwa für Schneeräumungen oder neue Zeichnungen. «Wir wollen damit kein Geld verdienen», sagt Bühler.