In diesem Jahr durfte der ehemalige Zeichnungslehrer seinen 75. Geburtstag feiern. Das grösste Geschenk wird er sich selber machen: Am 1. September ist die Vernissage für seine rund 70 Bilder. Momentan steckt er in den minutiösen Vorbereitungen.

«Darf ich Ihnen zeigen, was ich zurzeit mache?», eröffnet Titus Stäuble gut gelaunt das Gespräch. «Ich habe die ganze Ausstellung schon im Kopf.» In seiner ruhigen, sorgfältigen Art beschreibt er dann, wie das Aufhängen jedes einzelnen Bildes anhand von Plänen, exakten Notizen und nicht zuletzt den bis auf den Millimeter genau zugeschnitten Schnüren vorbereitet ist, kurz, wie die Ausstellung am Wachsen ist.

Der Mensch als Thema

Seit seiner Pensionierung als Zeichnungslehrer an der Bezirksschule ist der vierfache Familienvater, wie er selbst sagt, Dichter und Bauer. Bei Ersterem ist nicht das Verfassen von Poesie gemeint, sondern das Schaffen von Bildern, die sich, so Stäuble, in unzähligen Schritten immer mehr zu einem Ganzen verdichten. Unter seinen Ausstellungswerken befinden sich frühe Landschaftsaquarelle aus den 1980er-Jahren und Zeichnungen mit Bleistift, Farbstift und Kugelschreiber, die neueren Bilder sind mit Acrylfarbe gemalt.

Ein anderer Teil der Ausstellung ist dem Thema Mensch gewidmet. «Zuerst fotografiere ich die Menschen», erklärt der Maler, der immer zeitgleich an vier Bildern arbeitet, «von leicht hingeworfenen ersten Farbflecken und Linien arbeite ich Schicht um Schicht weiter.» Als Bauer ist der Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern am liebsten in seinem Garten und im Wald. Viele seiner Pflanzen und Blumen könnten Geschichten erzählen, einzelne wurden sorgfältig und liebevoll von ihm selbst gezogen.

Urplötzlich Lehrer

Stäubles Vielseitigkeit kommt auch darin zum Ausdruck, dass er sich nicht von Anfang an auf das Ziel, Zeichnungslehrer zu werden, ausgerichtet hatte. Nachdem der gebürtige Sulzer die A-Matur in der Tasche hatte, begann er sein Studium an der ETH in Zürich. Nichts ahnend und seine anstehende Prüfung vorbereitend wurde er im Jahre 1959 aufgrund grossen Lehrermangels urplötzlich zum Lehrer. In Etzgen unterrichtete er im einzigen Klassenzimmer 8 Klassen gleichzeitig. «Da lernten die Kinder von selbst, aufeinander Rücksicht zu nehmen, selbstständig und ruhig zu arbeiten», schmunzelt der Pädagoge. «In der Pause stand jeweils ein zünftiges Fussballspiel auf dem Programm, wo selbstverständlich auch Lehrer Stäuble mitkickte.»

Mittlerweile kickt der fünffache Grossvater, der nach seiner Ausbildung zum Zeichnungslehrer dem Beruf treu geblieben war, eher selten – er freut sich zusammen mit seiner Familie auf seine Ausstellung.