Laufenburg
Ein Dialog zwischen Literatur und Musik

Vier Künstler gestalteten im Rehmannmuseum zusammen einen Abend voller Improvisationen.

Ingrid Arndt
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Im musikalisch-literarischen Dialog (von links): Andreas Neeser, Bruno Huwyler,Alfred Zimmerlin und Birgit Hauser. Ingrid Arndt

Im musikalisch-literarischen Dialog (von links): Andreas Neeser, Bruno Huwyler,Alfred Zimmerlin und Birgit Hauser. Ingrid Arndt

In Kooperation mit dem Aargauer Kulturhaus hatte das Rehmannmuseum unter dem Motto «Vier und hier im Museum» zu literarischen Jazz-Improvisationen eingeladen. Zu Gast waren der vielfach ausgezeichneten Schweizer Schriftsteller Andreas Neeser, die bekannte Sängerin Birgit Hauser, die weltweit agierende Cellisten Alfred Zimmerlin sowie der herrlich emotionale Schlagzeuger Bruno Huwyler.

Es war ein Abend, an dem sich die Künstler lustvoll und souverän Musik ohne Noten und Texte ohne Grenzen zuspielten, und dabei das Publikum animierten, sich auf Unbekanntes mit viel Fantasie einzulassen. «Wir experimentieren aus dem Augenblick heraus, stets konzentriert, aufmerksam füreinander, immer miteinander. Wir fangen die jeweiligen Impulse der anderen auf, führen sie fort, geben sie weiter. Was an den jeweiligen Abenden dabei passiert, wissen wir nie im Voraus, geprobt wird vorher nicht, alles ist spontan», erklärten dazu die Kunstschaffenden.

Birgit Hauser eröffnete den Abend mit groovig gesungenen Tönen, gestenreich und entstanden aus ihrer momentanen Inspiration für die beeindruckende Atmosphäre im Museum. Schon auf der Fahrt nach Laufenburg sei sie innerlich stark berührt gewesen von der schönen Landschaft, die lange Zeit auch ihre Heimat war. Mit ihrem Gesang drückte sie das aus, erzählte kleine Geschichten.

Eigene, neue Klangfarben

Aufmerksam und mit feinen Antennen dafür nahmen die Musiker diese Impulse auf, begleiteten an Cello und Schlagzeug. Ohne zu wissen, was in der nächsten Sekunde passiert, kommunizierten sie stimmungsvoll und nuancenreich. Erfanden dabei mit völlig ungewöhnlichen Hilfsmitteln eigene, neue Klangfarben. Alfred Zimmerlin hatte für sein Cello Stricknadeln, Wäscheklammern und chinesische Essstäbchen parat, Schlagzeuger Huwyler neben seinen Schlegeln auch Rods, Tubz und Klatschpappe.

Mal berührend zart, mal übermütig kraftvoll erspürten sie ihre Instrumente, erforschten sie mit Händen. Diese Schwingungen nahm Schriftsteller Andreas Neeser auf, trat ein in den Dialog mit einzelnen Worten oder kurzen Sätzen, flink und intuitiv herausgesucht aus der Vielzahl seiner mitgebrachten Literatur. Er lies Krähen in den Himmel fliegen, Grillen zirpen, beschrieb die Farben der steigenden See und Grossmutters Mund, mächtig wie ein Keller.

«Ein solches Zusammenspiel kann allerdings nur gelingen, wenn ein tiefes Vertrauen füreinander besteht, die Chemie muss stimmen» betonte Andreas Neeser. Und weiter: «Ich mag es, mit Musikern zusammen zu arbeiten, sich gegenseitig zu inspirieren, miteinander zu improvisieren, Noten und Texte zu verzahnen. Auch für uns ist das spannendes Neuland.»