Die Gemeinde Stein und die Stadt Bad Säckingen haben ein Anliegen: Sie wollen eine grenzüberschreitende Verbindung zwischen ihren Bahnhöfen schaffen. Eine Realisierung dieses Anliegens mit einem Bus, der über die Fridolinsbrücke fährt, scheiterte aufgrund des Rückstaus in den Stosszeiten. Als Alternative soll – im Zuge der Internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020 – eine Velostrasse her, welche die Lücke im Netz des öffentlichen Verkehrs zwischen den beiden Gemeinden schliesst.

An der Gemeindeversammlung von Freitagabend – 111 der 1583 Stimmberechtigten waren anwesend – hatte der Souverän nun die Möglichkeit, mit der Zustimmung zu einem Verpflichtungskredit von 350'000 Franken die Veloverbindung auf einen guten Weg zu bringen. Der Souverän tat dies jedoch nicht. Stattdessen erteilte er dem Gemeinderat den Auftrag, eine andere Routenführung für die Velostrasse auszuarbeiten. Der entsprechende Rückweisungsantrag wurde mit 47 zu 38 Stimmen von der Gemeindeversammlung angenommen.

Andere Routenführung gefordert

Gemeinderat Hansruedi Schlatter hatte dementsprechend keinen leichten Stand. Ein Votant bemängelte, dass die Verkehrsführung der Route durch das Dorfzentrum und insbesondere durch die Schulstrasse, zu einer Gefährdung der Kinder auf ihrem Weg zur Schule führen könne. «Die Velostrasse soll über den Rheinuferweg verlaufen», forderte er. Schlatter entgegnete, dass der Rheinuferweg relativ schmal sei und es dort im Zuge der Aufwertung des Rheinufers viele Schwimmer und Menschen gebe, die flanierten.

Ein anderer Votant kritisierte, dass die Zweiradverbindung zu einer «Rennstrecke für Velofahrer» werde. Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Projekt ein Verleihsystem mit E-Bikes vorsieht. Zudem gebe es zu viele Engestellen – beispielsweise die Holzbrücke –, an denen das Unfallrisiko zwischen Velofahrer und Fussgänger zu hoch sei. Schlatter verwies darauf, dass bereits jetzt täglich 500 Velofahrer und 1200 Fussgänger die Holzbrücke passieren und dass die «gegenseitige Rücksichtnahme» eine Prämisse sei, die unabhängig davon gelte, ob es eine Veloverbindung gebe.

Hansueli Bühler setzt sich ein

Alt Gemeindeammann Hansueli Bühler nannte eine Handvoll Gründe, wieso eine Veloverbindung eine gute Sache sei. «Wir müssen jede Chance nutzen, die Menschen dazu zu bewegen, das Auto stehen zu lassen», sagte er und verwies auf die Verkehrsproblematik auf der Schaffhauserstrasse. Auch betonte er, dass durch die Markierungen auf der Strasse der Weg für die vielen Arbeiter, die mit dem Velo zu Novartis fahren, sicherer werde.

Das Werben von Bühler für die Veloverbindung nutzte nichts. Und so versprach Gemeindeammann Beat Käser, dass man im nächsten Jahr eine Alternative präsentieren werde.

Unklar ist, was mit den Beiträgen der Gemeinschaftsinitiative Interreg passiert. Diese hatte der Gemeinde Stein nur wenige Tage vor der Gemeindeversammlung Subventionen von gut 100 000 Franken für die Realisierung des grenzüberschreitenden Zweiradwegs zugesagt. «Hier müssen wir in den nächsten Tagen Abklärungen mit den Verantwortlichen machen», sagte Gemeindeschreiber Sascha Roth.