Normalerweise zeigen Archäologen der Öffentlichkeit die von ihnen im Boden freigelegten Siedlungsreste. Insofern war die Führung am Samstag, die in Kooperation mit dem Jurapark Aargau stattfand, ein neuer Ansatz. Denn Christoph Reding, stellvertretender Leiter der Aargauer Kantonsarchäologie, liess die Blicke der Teilnehmer eher in die Weite schweifen, hinunter von der Anhöhe der Tongrube Gruhalde auf Gipf-Oberfrick und die Höhenzüge des Tafeljura.

Keine «Freaks» mit Schaufel

«Wir sind nicht die ‹Freaks› mit Schaufel und Pinsel, die nur in der Erde wühlen und Bauvorhaben blockieren», bekannte Reding. «Wir wollen mit unserer Arbeit der Gesellschaft etwas zurückgeben, wollen jedem das Gefühl geben, dass unser Job etwas direkt mit ihm zu tun hat.» Redings wohl zentralste Botschaft des Nachmittags: Die Landschaft um uns herum ist nicht gottgegeben, sie ist das Werk menschlichen Tuns. Reding unternahm mit seiner Gruppe eine «Tour d’Horizon» durch Jahrmillionen, von der Urzeit bis ins 21. Jahrhundert.

Die Führung bezog die Fricker Tongrube mit ein, obwohl es sich dabei um eine geologische Fundstelle handelt. Fossilien sind nicht das Metier der Archäologen. Sie interessieren sich eigentlich nur für die Spuren menschlicher Besiedlung. Aber: Was sich an Landschaften herausbildet, welche Topografie die Menschen vorfinden und was sich klimatisch verändert, hat auch Auswirkungen darauf, wie und wo sich Menschen niederlassen.

Die Spuren der Alemannen

Immerhin können die Archäologen im Fricktal dankbar sein. Liegen die Siedlungsreste aus Urzeit, Antike und frühem Mittelalter dort doch relativ gut konserviert unter einer meterdicken Sedimentschicht. Manchmal, gestand Reding, würden er und sein Team jene Relikte am liebsten im Boden belassen. Weil das Budget begrenzt ist, jede Grabung immer auch Zerstörung sei und weil sie den Kollegen der Zukunft, denen sicher noch bessere und schonendere Methoden zur Verfügung stehen, auch noch etwas übrig lassen wollen.

Aber wer interessiert sich überhaupt für Archäologie? Frühere Generationen hatten für die Überbleibsel der Römerzeit, die heute als zivilisatorisch hochwertig erachtet werden, herzlich wenig übrig. Redings Credo: Die Archäologie darf keine Wissenschaft sein, die menschliches Handeln als gut oder schlecht bewertet. Sie muss mit dem vorliebnehmen, was sie vorfindet – und das kann mal üppig, mal spärlich sein. Die Alemannen haben nicht in Villen mit Fussbodenheizung gelebt. Aber sie haben die Dörfer des Fricktals gegründet, die im Kern bis heute existieren. Hellikon, Gansingen, Eiken – nur Beispiele für Gründungen, deren Name auf alemannische Stammesführer zurückgehen, wie der Kantonsarchäologe ausführte.

Doch Reding warf nicht nur einen Blick zurück, sondern auch in die Zukunft. Wie mögen wohl künftige Archäologen mit den Relikten aus unserer Zeit umgehen? Welche Spuren werden wir hinterlassen? Müllkippen und Latrinen, für Reding und seine Leute Quelle Nummer eins, werden diese wohl nicht mehr vorfinden. Dafür aber anderen und brisanteren Abfall – atomaren. Bleibt zu hoffen, dass sie damit umzugehen wissen.