«Das Haus stand dort, wo heute…», beginnt Max Mahrer eine seine Erklärungen. Dort, wo heute die neue Migros steht. Dort, wo heute die Überbauung ist, gleich vor der alten Mühle. Oder dort, wo heute Bank und Post sind.

Im Möhliner Gemeindehaus ist seit einigen Tagen eine Auswahl von Mahrers Bildern ausgestellt. Neben Stillleben und Holzschnitten sind das auch Dorfansichten, etwa von der Brunngasse, vom Mühligässli oder der Bahnhofstrasse. Die Bilder zeigen ein anderes Gesicht von Möhlin. Jenes, das in den vergangenen Jahrzehnten so gut wie verschwunden ist. Alte Bauernhäuser sind modernen Überbauungen gewichen.

Das war noch anders, damals, als Max Mahrer die Malerei entdeckte. 1977 begann er mit autodidaktischen Studien in Öl-Aquarelltechnik. Es war für ihn eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag.

Mahrer war als Mechaniker, Taucher und schliesslich Werkleiter im Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt tätig. «Als solcher hatte ich alle drei Wochen für eine ganze Woche Pikettdienst», erzählt Mahrer. Das hiess, dass er eine Woche im Kraftwerk präsent sein musste. Computer und Mobiltelefone – das gab es damals nicht. «Ich musste vor Ort sein, wenn etwas passierte», so Mahrer. Also schlief er mit dem Telefon auf dem Nachttisch zu Hause in der Wohnsiedlung gleich beim Kraftwerk. Weiter weg durfte er nicht. Die freie Zeit nutzte er, um zu malen.

Wehmut und Gewohnheit

Schon bald fiel sein Augenmerk auf Ansichten von Dorf- oder Stadtpartien. So malte er auch Rheinfelden, etwa die Tempelgasse mit dem alten Zoll im Hintergrund. Auch eine Auswahl dieser Bilder hängt im Gemeindehaus in Möhlin. «Vielleicht kann ich ein paar Rheinfelder nach Möhlin in die Ausstellung locken», sagt Mahrer und schmunzelt. Ob in Rheinfelden oder Möhlin – es war das Alte, das Mahrer faszinierte. «Die alten Mauern und das verwaschene Holz der Häuser.» Umso mehr, als es gerade in seiner Heimat Möhlin nach und nach zu verschwinden begann. Er begann, die alten Häuser zu fotografieren und fertigte Skizzen an, auf denen er die Farben vermerke, die er beim Malen brauchen würde. «Eigentlich unnötig, denn ich hatte die Häuser so gut in Erinnerung, dass ich sie wohl auch so hätte malen können», sagt Mahrer.

Der inzwischen 89-Jährige bedauert, dass es in Möhlin keinen Dorfkern mehr gäbe. Trotzdem verfällt er nicht in Wehmut, wenn er heute durch das Dorf geht. «Man hat sich an den Anblick gewöhnt, auch wenn es schade ist», sagt Mahrer.

Immer in Bewegung

Die Malerei ist in seinem Leben etwas in den Hintergrund gerückt. Er fertigt noch Postkarten an, in Aquarell – oder mit Kugelschreiber. Ansonsten ist es aber eher der Sport, der Mahrer auf Trab hält. Bis vor einem Jahr trainierte er auf der Rheinfelder Kunsteisbahn noch Kinder in Eishockey und fuhr täglich 15 Kilometer auf seinen Inlineskates. «Bewegung ist im Alter wichtig – deshalb habe ich Muskeln und keinen krummen Rücken», sagt Mahrer. Er überlege sich, ob er dieses Jahr wieder auf die Kunsteisbahn soll. «Ich vermisse es», sagt er und lacht.

Ausstellung bis zum 26. Juni. Sie kann während der Öffnungszeiten des Gemeindehauses frei besichtigt werden.