Frick
Ein bittersüsses Jahr zum Einstand

Die Fricker Kunz AG hat bis 40 Prozent an Umsatz verloren, doch gewonnen hat der neue Geschäftsführer eines: Vertrauen.

Dennis Kalt
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Freut sich, bisher gut durch die Krise gekommen zu sein: Geschäftsführer Michael Bracher.

Freut sich, bisher gut durch die Krise gekommen zu sein: Geschäftsführer Michael Bracher.

Aargauer Zeitung

Vor dem Eingang der Fricker Kunz-Filiale müssen sich die Kunden zuweilen der coronabedingten Zulassungsbeschränkung wegen ein paar Minuten gedulden, bis sie sich an der Verkaufstheke ihre warmen Gipfeli und Spitzbuben bestellen können. Dann kann es sein, dass am Wochenende das Personal oder Michael Bracher aus dem Laden kommt – mit einer kleinen Köstlichkeit, um Danke zu sagen.
Bracher ist seit 1. Januar 2020 Mitinhaber und Geschäftsführer der Traditionsbäckerei Kunz in Frick mit ihren Filialen in Stein, Gipf-Oberfrick und Eiken.

Eigentlich wollte der 38-Jährige im vergangenen Jahr einen vertieften Einblick in die einzelnen Fachbereiche – Confiserie, Konditorei und «den Teig», wie er es sagt – nehmen. Unverhohlen gesteht er ein, dass er sich dafür nicht die gewünschte Zeit nehmen konnte; so hat denn die Pandemie dazu geführt, dass er grösstenteils mit strategischen und organisatorischen Fragen vorliebnehmen musste.

Doch dies empfindet er rückblickend nicht per se als negativ. So habe er im Coronajahr «ein grosses Vertrauen» in seine Mitarbeitenden aufbauen können. «Ich habe erfahren, dass die Angestellten in den Fachbereichen autonom auch unter erschwerten Bedingungen hohe Qualität produzieren. Das sind echte Profis», windet Bracher ihnen ein Kränzchen.

In der Qualität der Produkte und dem Wohlfühlcharakter, den die Service-Kräfte und Verkäuferinnen in den Filialen erzeugten, liege die eine Hälfte der Marke Kunz. Die andere sei die Innovation, so Bracher. Deswegen stand die Produktentwicklung auch 2020 im Fokus. So gab es etwa jeden Monat ein neu kreiertes Brot und Sandwich, über den Sommer einen erfrischenden «Kunz-Lime-Pie» oder diverse Praliné-Kreationen wie etwa «Tschin»-Stängeli, basierend auf dem Destillat von «Käsers Schloss» in Elfingen.

«Die laufen sagenhaft», so Bracher, dem aufgefallen ist, dass die Kunden vermehrt zu Genuss-Produkten wie Schokolade und Pralinés gegriffen haben. «Ich denke, viele wollten in diesen schwierigen Zeiten der Seele etwas Gutes tun.»

Verhehlen will Bracher nicht, dass die Pandemie auch der Kunz AG einiges an Umsätzen weggefressen hat. Zwischen 30 und 40 Prozent sind es momentan und während des ersten Lockdowns durch den fehlenden Café-Betrieb gewesen. Auch der Theken-Absatz sei zuweilen rückläufig gewesen, da des Homeoffice wegen weniger Arbeitende unterwegs waren und auch einige Firmen nicht mehr die obligatorischen Znüni-Gipfeli brauchten.

«Solch eine Krise lässt auch einen ‹Kunz› nicht kalt», sagt denn auch Bracher. «Aber dank des Ladengeschäfts, das wir weiterbetreiben können, und der Kurzarbeitsentschädigung bin ich zuversichtlich, dass wir in gleicher Form und gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.»

«Kunz»-Genusswagen kommt nach Rheinfelden

Beobachtet hat Bracher den coronabedingten Boom des Lieferservice-Geschäfts. Auch die Kunz AG hat ein solches Angebot während des ersten Lockdowns lanciert. «Wir mussten aber feststellen, dass die Nachfrage zu gering war und es sich nicht lohnt, einen Fahrer wegen eines Brotes und zweier Nussgipfel loszuschicken.»

Etabliert hingegen habe sich das im Frühling neu eingeführte elektronische Bestellformular für Torten. «Eine Dame berät nun die Kunden von der Produktidee bis zur Abholung.»
Zu den neuen Ideen gehört auch der Genusswagen, in dem etwa Snacks, frisches Brot oder Patisserie angeboten werden. Im Frühling und Sommer stand der Genusswagen in Densbüren. Doch das Kundenaufkommen war nicht zufriedenstellend. «Vielleicht die falsche Zeit oder der falsche Ort», vermutet Bracher.

Von diesem ersten Versuch lässt er sich aber nicht entmutigen. So wird denn ab Mitte Februar die Kunz AG mit dem Genusswagen am Rheinfelder Bahnhofsaal aufschlagen, denn, so Bracher: «Wieso sollen nicht eigentlich auch die Rheinfelder in den Genuss von feinen ‹Kunz›-
Produkten kommen?»