Die Freude ist Beat Käser, Gemeindeammann von Stein, anzuhören. Am Montagmorgen teilt Novartis mit, dass sie innerhalb von drei Jahren 90 Millionen Franken in den Aufbau einer Produktionsanlage für neuartige Zell- und Gentherapien investieren und so bis zu 450 Stellen schaffen will – und zwar am Standort Stein. «Das ist wirklich eine gute Nachricht», sagt Käser. Gerade in Zeiten, in denen man häufig von Arbeitsplatzabbau lese, «tut es gut, auch mal von einem Ausbau zu hören».

In einem ersten Ausbauschritt entstehen für die Herstellung der neuen Zelltherapie Kymriah rund 260 Stellen, wobei nicht alle dieser Stellen neu geschaffen werden; zum Teil werden Mitarbeiter, die bereits bei Novartis arbeiten, umgeschult. Wie viele Stellen in Stein effektiv neu geschaffen werden, konnte die Novartis-Leitung am Montag noch nicht beziffern.

Die Gemeinde wird von den Investitionen direkt profitieren – sprich: Sie wird mehr Steuersubstrat generieren. «Aber nicht nur wir profitieren», ist Käser überzeugt, «für die ganze Region ist es ein positiver Entscheid.» Zum einen profitiere das Gewerbe, zum andern dürfte sich der eine oder andere neue Arbeitnehmer in der Region niederlassen.
«Besonders erfreulich ist, dass Novartis in Stein hochqualifizierte Stellen schafft», sagt Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio. Auch er ist überzeugt: Dieses «Bekenntnis von Novartis zur Nordwestschweiz und insbesondere zum Standort Stein» werde sich auch auf die Gemeinden positiv auswirken.

Guter Kontakt zu Novartis

Die Ankündigung bestätigt Käser auch den Eindruck, den er bei den beiden bisherigen Treffen – Käser ist seit Anfang Jahr Gemeindeammann von Stein – mit der Novartis-Geschäftsleitung hatte. Der Kontakt sei sehr gut, es bestehe ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis. In diesen Gesprächen habe er auch nie das Gefühl bekommen, dass Stellen in Stein in Gefahr seien. Ein solches Gerücht hat vor einigen Monaten eine Lokalzeitung kolportiert; sie schrieb von Hunderten von Stellen, die abgebaut respektive ins Ausland verlagert werden könnten.
Käser spürt in den Gesprächen stets eine «grosse Wertschätzung für die Region». Die Geschäftsleitung habe immer gesagt, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Stein sicher nicht kleiner werde.

Positiv fürs Sisslerfeld

Beide, Käser wie Fricker, sind überzeugt, dass die Ankündigung von Novartis, in Stein in einem ersten Schritt 260 Arbeitsplätze zu schaffen, auch positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Sisslerfeldes haben werde. Das Sisslerfeld ist das wichtigste noch unüberbaute Industriegebiet im ganzen Kanton. «Das Bekenntnis zu Stein verleiht auch der Entwicklung des Sisslerfeldes neuen Schub», ist Fricker überzeugt.

Fricktal Regio koordiniert die Arealentwicklung zwischen den vier Sisslerfeld-Gemeinden Eiken, Münchwilen, Sisseln und Stein, den Grundeigentümern und dem Kanton. Die Koordination funktioniere «sehr gut», so Fricker. «Man spürt auch seitens des Kantons, dass er an einer guten Lösung für das Sisslerfeld interessiert ist. Er ist auch bereit, seinen Beitrag zu leisten.» Eine der Herausforderungen wird die verkehrstechnische Erschliessung sein, denn bereits heute ist die Region um das Sisslerfeld in Spitzenzeiten stark verkehrsbelastet.

Ansiedlung innert 2 bis 3 Jahren

Ziel ist es, im Sisslerfeld «wertschöpfungsintensive Firmen» anzusiedeln, so Fricker. «Vorzugsweise kommen diese wie Roche, Novartis oder DSM aus dem Life-Sciences-Bereich, denn so können Synergien genutzt werden.» Natürlich seien auch andere Branchen möglich, sagt Fricker. «Was wir uns aber nicht vorstellen können, sind Unternehmen, die viel Verkehr oder eine grosse Umweltbelastung, aber kaum Arbeitsplätze bringen.»

Spruchreif ist zwar noch nichts. Aber es gebe Firmen, die an einer Ansiedlung im Sisslerfeld Interesse haben, und es gebe Grundeigentümer, die bereit seien, zu verkaufen, sagt Fricker. «Die Gespräche laufen.» Er sei guten Mutes, «dass es in den nächsten zwei bis drei Jahren zu qualitativ guten Ansiedlungen kommen wird», so Fricker.