Fricktal

«Ein Affront gegen die Kollegen»: FDP-Präsident sorgt mit Eigenwerbung für Ärger

Werbung in eigener Sache: Claudio Wolte stellt im Parteiporträt seine eigene Kandidatur in den Vordergrund. twe

Werbung in eigener Sache: Claudio Wolte stellt im Parteiporträt seine eigene Kandidatur in den Vordergrund. twe

FDP-Bezirkspräsident Claudio Wolte macht in einem Parteiporträt Eigenwerbung – das kommt bei einigen gar nicht gut an.

Der Wahlherbst treibt mitunter sonderbare Blüten. Eine solche Prachtblüte findet sich in dieser Woche in «fricktal.info». Die Gratis-Wochenzeitung gibt allen Parteien die Möglichkeit, sich und ihre Grossratskandidaten auf knapp einer halben Seite vorzustellen. Das nützen die Parteien auch brav und schreiben, was sie alles für die Wähler tun werden. Illustriert sind die Beiträge jeweils mit einem Foto, das alle Grossratskandidaten der Partei zeigt.

In dieser Woche war die FDP des Bezirks Laufenburg an der Reihe – und tanzt aus der Reihe: Statt deren sieben strahlt einem nur ein Kopf aus der Zeitung entgegen, jener von Bezirksparteipräsident Claudio Wolte. Er hat den Beitrag auch verfasst, das Foto ausgesucht und das «Gut zum Druck» erteilt. In grossen Lettern steht über dem Beitrag geschrieben: «Wählen Sie die Nummer 1 der Liste 2 – Claudio Wolte».

Im Text erfährt man, dass dies die FDP genauso tun werde und dem geneigten Wähler wird empfohlen, sich dieser Wahl anzuschliessen. Claudio Wolte, so liest man, sei dynamisch, ehrgeizig, engagiert und habe sich innerhalb der Bezirkspartei einen Namen gemacht. «Nun zählen wir auf Ihre Unterstützung, damit unser Mann den Einzug in den Grossen Rat feiern darf.»

Der geneigte Leser fragt sich nach der Lektüre etwas verdutzt: Und die sechs anderen Kandidaten? Weshalb stellen sich so bekannte Namen wie Daniel Suter, Gemeindeammann von Frick, oder Peter Weber, Gemeindepräsident von Mettauertal, überhaupt zur Wahl, wenn für die FDP von Vornherein klar ist: Unser Mann, der den zurücktretenden Adrian Ackermann ersetzen soll, heisst Claudio Wolte?

Weil dies nur einem so klar ist – Claudio Wolte. Leidtragende des Artikels sind in erster Linie Suter und Weber, Nummer 2 und 3 auf der FDP-Grossratsliste. Ihr Kommentar zum Parteiporträt: «Kein Kommentar.»

Verärgerung ist gross

Die az weiss aus Gesprächen mit mehreren Parteiexponenten: Hinter den Kulissen sorgte der Artikel für gehörig Verärgerung. Namentlich zitieren lassen will sich niemand. Der Tenor aller Befragten: Das geht gar nicht. Das Verhalten von Wolte wird wahlweise als «total daneben», «absolut naiv», «purer Egoismus», «schlechte One-Man-Show», «Affront gegen die Kollegen» und «Missbrauch seiner Funktion» bezeichnet. Viele sind auch nicht glücklich, wie er die Werte der FDP im Artikel dargestellt hat. Scharf kritisiert wird zudem, dass Claudio Wolte den Artikel offenbar ohne Rücksprache mit den anderen Kandidaten verfasst und publiziert hat.

«Das muss Konsequenzen haben», fordert ein Parteiexponent. Er schliesst eine Palastrevolution nicht aus. Andere wollen die «causa Wolte» intern und leise lösen. Denn: «Wichtig ist, dass der Fall so wenig wie möglich nach aussen getragen wird», sagt ein FDPler. Er äussert – wie alle Befragten – eine Angst: «Dass uns der Vorfall schadet und uns Stimmen kostet.»

Claudio Wolte räumt Fehler ein

Claudio Wolte glaubt nicht, dass dies der Fall sein wird. Er tempiert ihn im Gespräch mit der az ab, spricht von einem Missgeschick. Und räumt Fehler ein: «Das Foto war ein Fehler. Ich hätte eines vom ganzen Team nehmen müssen. Heute würde ich es anders machen.» Kein Problem sieht er dagegen im Text, in dem er stark für sich selber wirbt. «Die Mitgliederversammlung hat mich auf die Position eins der Liste gesetzt», sagt Wolte. «Meiner Ansicht nach ist es deshalb legitim, dass meine Kandidatur im Text hervorgehoben wird.» Dass im Text auch die Reihenfolge der Kandidaten falsch ist – Weber ist die Nummer 4, Suter die 5 –, habe er beim Gut zum Druck schlicht übersehen.

Dass Wolte überhaupt zuoberst auf der Liste steht, kritisieren mehrere Parteiexponenten. «Es hat auf der Liste verdientere Politiker als Wolte», sagt ein FDPler. Er meint damit insbesondere Daniel Suter und Peter Weber. Zwischen ihnen und allenfalls Bruno Tüscher, Gemeinderat von Münchwilen, wird das Rennen um den FDP-Sitz auch laufen. Auf seine Chancen angesprochen, sagt Daniel Suter: «Die sind intakt – wie bei Peter Weber und Bruno Tüscher.» Weber erwartet ein enges Rennen zwischen ihm und Suter. «Ich habe vielleicht den grösseren Bekanntheitsgrad, Daniel Suter dafür die grössere Hausmacht.» Entscheidend werde sein, so Weber, wer mehr Fremdstimmen mache.

Für Adrian Ackermann ist zweierlei klar: «Wir haben eine gute Liste und Chancen auf einen zweiten Sitz.» Und: «Die drei Gemeindevertreter werden auf den ersten drei Plätzen landen.» Und Claudio Wolte? Ihm räumen die befragten FDPler höchstens Aussenseiterchancen ein. Wolte selber schätzt seine Wahlchancen auf 50:50 ein. Zentral sei für ihn jedoch weniger, wer am Schluss gewählt werde, als dass die FDP vorwärtskomme und einen zweiten Sitz hole.

Dies wünschen sich auch die anderen befragten FDP-Exponenten. «Wenn wir aber so weiterfahren, können wir es vergessen.»

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