Kaiseraugst

Ein 100 Millionen schweres Bekenntnis zum Standort Schweiz

Über 200 Mitarbeiter sollen den neuen DSM-Forschungscampus vor Ende 2023 beziehen.

Über 200 Mitarbeiter sollen den neuen DSM-Forschungscampus vor Ende 2023 beziehen.

Der Spatenstich für den neuen DSM-Forschungscampus in Kaiseraugst ist für das Quartal 2021 geplant. Das Unternehmen verspricht sich einen Leuchtturmeffekt.

Es ist ein Bekenntnis zum Standort Schweiz. Mehr als 100 Millionen Franken investiert der rund zehn Milliarden Franken umsatzstarke Chemiekonzern DSM in sein Health & Nutrition Campus in Kaiseraugst. Das Ziel ist, Forschung und Entwicklung sowie Innovation an einem Ort zu konsolidieren und alle Mitarbeiter von DSM Nutritional Products Kaiseraugst in einem Campus zusammenzuführen.

International geniesse die Schweiz ein hohes Ansehen als Innovationsstandort, so Christoph Goppelsroeder, Präsident & CEO der DSM Nutritional Products, der sich vom Neubau einen «Leuchtturmeffekt» verspricht, der die Sichtbarkeit von DSM im Dreiländereck und darüber hinaus deutlich erhöht.

Der Baubeginn mit dem Aushub für das 137 Meter lange und 36 Meter breite Innovationsgebäude ist im ersten Quartal 2021 vorgesehen. Der Bezug des Neubaus von mehr als 220 Mitarbeitenden soll vor Ende 2023 erfolgen. Im Gegensatz zum bisherigen Hauptgebäude wird der Neubau mit einer Gesamthöhe von 17,50 Meter relativ flach ausfallen. Zwar hätte man den Luxus gehabt, zehn Stockwerke über eine Höhe von 40 Meter zu errichten. Aber: «Ein Ziel ist es, durch das Innovationsgebäude die Interaktion und Kommunikation zu fördern», sagt Thomas Beck, Senior Vizepräsident Innovation & Mitglied der Geschäftsleitung. So erachtet das Unternehmen Stockwerke denn auch eher als Hürden für die Kommunikation.

Gebäude werden über zwei Brücken verbunden

Über zwei transparente Brücken wird das Innovationsgebäude mit dem Hauptgebäude verbunden. Auf einer Bruttogeschossfläche von 21600 Quadratmetern entstehen zwei Innovationsplattformen mit vernetzten Labor-, Büro-, und Kollaborationsbereichen.

Wichtig für das Unternehmen ist es im neuen Innovationsgebäude, «möglichst wenig Platz für Tätigkeiten zu verwenden, die auch im Homeoffice erledigt werden können», sagt Joachim Bäckert, Senior Direktor des Bauprojekts. Stattdessen sollen offene Raumstrukturen geschaffen werden, in denen sich Mitarbeitende aktiv austauschen können.

90 Prozent weniger Energieverbrauch

Gerade jetzt, während Corona, werde es deutlich, dass Mitarbeitende nicht vor Ort kommen, um hinter sich die Türe abzuschliessen, um einen Bericht zu schreiben, sondern weil sie Leute treffen und sich austauschen wollen, sagt Bäckert. Zu solch einer Kommunikationsinsel gehört etwa auch eine Science Lounge, die mit einer Barista-Kaffee-Bar ausgestattet wird. Gegenüber den Bestandsgebäuden soll der ­Neubau durch eine Wärmerückgewinnung rund 90 Prozent weniger Energie verbrauchen.

Ein Revival des ­Produktportfolios

Die Covid-Pandemie zeigt in diesem Jahr positive Effekte auf den Geschäftsgang der DSM Nutritional Products. «Wir erleben ein grosses Revival unseres Produktportfolios, bei dem es zum grossen Teil um Immunität und Gesundheit geht», so Goppelsroeder, der hier etwa Vitamine als Immunbooster zum Schutz vor Infekten aber auch Probiotika oder Mineralstoffe nennt.

Darüber hinaus habe man aber auch «fantastische Innovationen im Bereich Ernährung und Gesundheit in der Pipeline», so Goppelsroeder für den der kommerzielle Erfolg auch immer mit einer nachhaltigen Zukunft in Einklang stehen muss. So hat denn auch das Unternehmen fünf Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung in seine Kernstrategie eingebettet.

Direkte Auswirkungen auf Gesundheit des Menschen

Eine davon ist etwa die Bekämpfung des Klimawandels und dessen Folgen. Hierfür steht das Produkt Bovaer, das in Kürze auf den Markt kommen soll. Gemäss Beck werde mit diesem Produkt die Methangasproduktion von Wiederkäuern um etwa 30 Prozent reduziert. «Der positive Nebeneffekt ist, dass wir nicht nur Methanausstösse reduzieren können, sondern auch, dass die Energie der Kuh zugutekommt. Dadurch gibt sie mehr Milch oder braucht weniger Futtermittel», sagt Beck.

Ein zweites Beispiel ist etwa die Entwicklung eines Produktportfolios, was den Einsatz von Antibiotika zur Wachstumsbeschleunigung von Hühnern obsolet macht. «Mehr und mehr Staaten verbieten den Einsatz der Antibiotika für die Wachstumsbeschleunigung von Tieren, weil dies zu Antibiotikaresistenzen bei Menschen führt», so Beck. Die alternativen Produkte «für ein gesundes Wachstum» wirken sich damit auch indirekt auf die Gesundheit des Menschen aus. 

Ein drittes Beispiel ist ein Produkt, das dafür sorgt, dass Eier eine dickere Schale haben. «Pro Jahr werden viele Trillionen von Eiern produziert. Von diesen gehen wahnsinnig viele kaputt. Food Loss and Waste ist ein riesiges Thema», so Goppelsroeder.

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Autor

Dennis Kalt

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