In der letzten Amtsperiode wurde die Gemeinde Eiken regelrecht durchgeschüttelt. Von den fünf Gemeinderäten, die Anfang 2014 in die Amtsperiode gestartet waren, beendete kein einziger die vierjährige Legislatur. Neben mehreren Gemeinderäten waren in den vier Jahren auch drei Ammänner im Amt – und demissionierten allesamt vorzeitig. Zuletzt Renate Bitter. Sie trat im Mai per sofort zurück – nach nur sieben Monaten im Amt. Als Gründe nannte sie Differenzen mit einem Teil des Gemeindepersonals sowie den fehlenden Rückhalt im Gemeinderat. «Ich stelle fest, dass ich offensichtlich die falsche Person bin, um Ruhe in die Gemeinde zu bringen und um zu verhindern, dass sie ständig von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt wird», sagte sie nach ihrer Demission.

Diese Ruhe will der aktuelle Gemeinderat unter der Leitung von Stefan Grunder ins Dorf bringen. Nach den ersten 100 Tagen der Legislatur lässt sich eine positive Bilanz ziehen. Eiken, so scheint es von aussen zumindest, ist politisch zur Ruhe gekommen – und arbeitet an seiner Zukunft. Grunder selbst zieht im AZ-Interview denn auch eine positive Zwischenbilanz: Er und seine Kollegen hätten sehr viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Und: «Wir wachsen wöchentlich mehr zusammen.»

Herr Grunder, welche Bilanz ziehen Sie nach 100 Tagen?

Stefan Grunder: Ich ziehe eine positive Bilanz der letzten 100 Tage.

Sie haben also noch nicht genug und bereuen Ihren Entscheid, kandidiert zu haben?

Nein, ich bereue diesen Entscheid nicht, ich wusste, was auf mich zukommt.

Der Gemeinderat muss als Kollegium zusammenwachsen, um optimal zu agieren. Wie weit ist dieser Prozess?

Wir wachsen wöchentlich mehr zusammen.

Wie führen Sie?

Ich pflege einen kameradschaftlichen Führungsstil und respektiere alle.

Was hat Sie in den ersten 100 Tagen im Amt am meisten überrascht?

Dass wir in dieser kurzen Zeit sehr viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen haben.

Was war der grosse Aufsteller in den ersten drei Monaten?

Die Offenheit mir gegenüber von Mitbürgern von Eiken und Nachbargemeinden – das hat mich sehr gefreut.

Was haben Sie so nicht erwartet?

Nichts, wir sind alle gut vorbereitet auf unseren Job.

Wie wurden Sie im Dorf als neuer Gemeindeammann aufgenommen?

Da ich viel im Dorf unterwegs bin, darf ich sicherlich sagen: mehrheitlich positiv. Klar habe ich in diesem Job nicht nur Freunde.

Viele langjährige Gemeindeammänner sagen, der Respekt vor Amtspersonen lasse zu wünschen übrig. Haben Sie diese Erfahrung auch bereits gemacht?

Ja, leider. Doch ich kann mit dem umgehen.

Gab es schon negative Erlebnisse mit Mitbürgern?

Diese gab es sicherlich, doch das gehört dazu in einer Demokratie.

Sie werden auch mit schwierigen und aufbrausenden Mitbürgern umzugehen haben. Was ist Ihr (Geheim-)Rezept?

So schnell als möglich an einen Tisch sitzen und ausdiskutieren. Vor allem müssen alle Mitbürger respektiert und gleich behandelt werden.

Mit dem Innenblick der ersten 100 Tage: Wie ist Ihre Gemeinde aufgestellt?

Eiken ist gut aufgestellt. Sicherlich werden wir in den nächsten Monaten noch einiges verbessern können.

Wo orten Sie Handlungsbedarf?

Bei der Infrastruktur, den Strassen, dem Verkehr und der Raumplanung.

Was sagen Sie einem potenziellen Zuzüger, der Sie fragt: Was hebt Ihre Gemeinde von anderen ab, weshalb soll ich in Ihre Gemeinde ziehen?

Eiken hat sehr gute öffentliche Anschlüsse in die ganze Schweiz und das nahe Ausland. Zudem ist man in wenigen Minuten im Naherholungsgebiet. Mit 26 Vereinen und einer tollen Infrastruktur kann jeder seinem Hobby nachgehen. Auch die Grundversorgung mit tollen Läden, Bank, Postaussenstelle, Ärzten, Apotheke, KMU sowie drei sehr guten Restaurants ist in Eiken mehr als gesichert. Eiken ist ein sehr aktives Dorf, wo man sich sehr wohl fühlen kann.