Frick

Eigentlich wäre er bis 2016 für die Bank gewählt - trotzdem tritt er zurück

Josef Fricker wird heute Freitag an der Generalversammlung der Raiffeisenbank Regio Frick verabschiedet.

Josef Fricker wird heute Freitag an der Generalversammlung der Raiffeisenbank Regio Frick verabschiedet.

Verwaltungsratspräsident Josef Fricker nimmt nach zehn Jahren Abschied von der Raiffeisenbank Regio Frick. Heute Freitag steht seine letzte GV im Amt an. Der Zeitpunkt passe, sagt er. Und ein Denkmal wolle er sich auch nicht setzen.

«Josef Fricker, seit bald sieben Jahren Mitglied der Schulpflege Wittnau, hat per 31. Dezember seinen Rücktritt bekannt gegeben. Ihm wurde die Ausübung dieses öffentlichen Amtes bestens verdankt.» Kurz und bündig stand die Meldung im September 2003 in der Zeitung. Bei Fricker zu Hause klingelte noch am gleichen Tag das Telefon.

Am anderen Ende: Helmut Steffen. Ob er nicht Zeit und Lust habe, seine Nachfolge als Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Regio Frick anzutreten, fragte Steffen. Jetzt, da er ja wieder mehr Zeit habe. Fricker – bis dahin weder Mitglied noch Kontoinhaber bei der Raiffeisenbank – liess sich überzeugen. «Wider Erwarten hatte ich das Gefühl, dass das passt mit der Raiffeisenbank und mir», sagt Fricker.

Der Bank abgeschworen

Dabei hatte er dem Bankenwesen eigentlich abgeschworen. Nach der Lehre bei der Aargauischen Hypotheken- und Handelsbank in Frick (heute NAB) arbeitete er für eine Schweizer Grossbank in Zürich, London und New York, in den Metropolen der Bankenwelt. «15 Jahre lang hatte ich eine gute Zeit», sagt Fricker. Aber der Fricktaler Bauernsohn empfand das Gehabe in der Banken- und Finanzwelt zusehends als arrogant. Er konnte immer weniger mit den schon damals vorhandenen «Auswüchsen des Kapitalismus» anfangen, wie er sagt.

Also verabschiedete er sich davon und zog mit seiner Frau für drei Jahre nach Australien. Und auch nach der Rückkehr in die Schweiz war eine Rückkehr zu einer Bank kein Thema. Stattdessen widmete er sich der Energiebranche. Heute arbeitet er bei der BEC AG in Gipf-Oberfrick, einem Spezialisten für Energieversorgungs-Infrastrukturen von Industriekonzernen oder kleineren Anlagen von Herstellungsbetrieben und Bürogebäuden.

Seit zehn Jahren leitet er neben seiner 100-Prozent-Anstellung die Geschicke der Raiffeisenbank Regio Frick als Verwaltungsratspräsident. Mit der Materie bekundete er als Betriebsökonom und diplomierter Bankfachmann nie Schwierigkeiten. Wohl aber mit dem Umfeld, das sich nicht immer einfach präsentierte.

Ohne Schlagzeilen

Da war die Finanzkrise 2008. Damals las Fricker in Boulevard-Blättern von den sagenhaften Durchschnittslöhnen bei Schweizer Grossbanken. Und er erklärte gegenüber den Mitarbeitern, die dann mit ein wenig Neid auf die Zahlen schielten, weshalb bei der Raiffeisenbank «Normallöhne» bezahlt würden, erzählt Fricker. Er steht voll und ganz hinter dem System Raiffeisenbank. Hinter den Werten, welche die Bank lebt: Vertrauen, Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Wertschätzung.

«Wir können den Wind nicht beeinflussen, aber wir können die richtigen Segel setzen.» So zitierte Fricker an einer Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr den römischen Philosophen Seneca. Durch einige Stürme konnte er, zusammen mit seinem Team im Verwaltungsrat, die Raiffeisenbank steuern. Ohne Skandale, ohne grosse Schlagzeilen.

Weniger Bargeld-Transaktionen

Ohne grosse Schlagzeilen ging auch der Zusammenschluss der vier Raiffeisenbanken im oberen Fricktal – Bözberg West in Zeihen, Herznach-Ueken, Regio Frick und Wölflinswil-Oberhof – vor rund sechs Jahren über die Bühne. Die zunehmende Regelungsdichte durch Gesetze und Verordnungen, aber auch veränderte Ansprüche der Kundschaft waren damals die Gründe für die Fusion. «Die Kunden sind immer besser informiert, wenn sie zur Beratung kommen. Ein einzelner Berater kann gar nicht mehr alle Bereiche ausreichend abdecken», so Fricker.

Es sind dies auch die Argumente, die er aktuell vorbringt, wenn es um die geplante Fusion der Raiffeisenbank Eiken mit der Raiffeisenbank Regio Frick geht. Hinzu kommt die gesellschaftliche Entwicklung weg vom Bargeld. So glaubt er, dass die Anzahl Bankomaten ihren Höhepunkt erreicht habe und es in Zukunft eher wieder weniger Automaten gebe. Hingegen betont Fricker, dass nicht «Geschäftsstellen auf Vorrat geschlossen» würden. So sollen nach der anstehenden Fusion alle Filialen der Bank offen bleiben.

Vergangene Woche stimmten die Eiker Genossenschafter dem Zusammenschluss zu. Am Freitagabend werden sich auch die Genossenschafter in Frick dazu äussern. Es wird die letzte Generalversammlung von Josef Fricker. Gemeinsam mit Bankleiter Alfons Kainz tritt er zurück. Sie machen den designierten Nachfolgern Erwin Schwarb und Marc Jäger Platz. Dies, obwohl Fricker eigentlich noch bis 2016 als Präsident des Verwaltungsrats gewählt wäre. «Die Gelegenheit passt. Die Fusion bringt eine Aufbruchstimmung», sagt er. Es sei nicht sein Ziel gewesen, sich ein Denkmal zu setzen, als er vor zehn Jahren sein Amt antrat.

Zehn Jahre. Josef Fricker schnippt mit dem Finger und lacht. «So schnell wird man zehn Jahre älter.» 58 Jahre alt ist er. Geht es nach seiner Idealvorstellung, so sollte sich das Arbeitspensum nun langsam reduzieren, Schritt für Schritt, bis zur Pension. Bis dahin will er ein paar Hobbys gefunden haben. Neben dem Joggen, das er als Ausgleich zum Beruf braucht. Vielleicht lernt er Klavier.

Zeit fürs Klavier

Das wollte er eigentlich schon vor zehn Jahren beginnen. Nach dem Rücktritt aus der Schulpflege und bevor das Telefon klingelte. «Vielleicht nehme ich noch einmal einen Anlauf mit dem Klavier – wenn ich es denn noch kapiere», sagt Fricker. Eines steht aber fest: Über dieses Wochenende ist er nicht erreichbar. Das Telefon lässt er klingeln.

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