Frick/Möhlin
Ehre wem Ehre gebührt: Diese Frau hat in Rumänien einen Kindergarten eröffnet

Die Möhlinerin Lisbeth Brogli wurde vom Aargauischen Katholischen Frauenbund für ihre Arbeit in Rumänien geehrt. Gelobt wurde sie von ihrem Engagement und ihrer Hartnäckigkeit während dem Projekt.

Nadine Böni
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Vroni Peterhans (Co-Präsidentin AKF), Preisträgerin Lisbeth Brogli und die Laudatorinnen Franziska Hug und Iris Utz (v.l.). nbö

Vroni Peterhans (Co-Präsidentin AKF), Preisträgerin Lisbeth Brogli und die Laudatorinnen Franziska Hug und Iris Utz (v.l.). nbö

Es brauchte eine detaillierte Laudatio, um zu zeigen, was die Möhlinerin Lisbeth Brogli in den vergangenen zehn Jahren geleistet hat.

Weshalb sie von Aargauischen Katholischen Frauenbund (AKF) als Stern bezeichnet und mit dem diesjährigen Frauenpreis ausgezeichnet wird. Brogli sei eine Frau der Tat, sagte Franziska Hug vom AKF in Frick. «Sie ist eine Frau, die nicht wegschaut, sondern die zupackt, dort wo es nötig ist.»

Der Satz des Übersetzers

Eine Reise führte Brogli 2003 ins Dorf Falcâu im äussersten Nordosten Rumäniens, an der Grenze zur Ukraine. Und ein Satz des Übersetzers sorgte dafür, dass sie seither immer wieder dorthin reiste: «Wenn unsere Kinder einen Kindergarten hätten, wäre das wunderbar.»

Inzwischen konnte in Falcâu nicht nur ein Kindergarten eröffnet werden. Auch ein Forum mit einer Bibliothek, eine Bäckerei und zuletzt eine WC-Anlage in der Schule von Falcâu wurden eingerichtet.

Dabei hatte Brogli einerseits mit der Infrastruktur vor Ort zu kämpfen, die nicht entfernt mit Schweizer Standards vergleichbar ist. Andererseits ist auch die Korruption in dem noch immer von Ceausescus Diktatur geprägten Land allgegenwärtig.

Lob für Hartnäckigkeit

«Ihr Engagement, ihre Hartnäckigkeit an einem Projekt dranzubleiben und ihre Geduld, wenn es nicht immer so vorwärts geht, wie sie es sich wünscht», lobte Hug in ihrer Laudatio.

Das seien die Fähigkeiten, die in den vergangenen zehn Jahren zu einem beeindruckenden Gesamtwerk geführt hätten, welches zwar die Handschrift von Lisbeth Brogli trage, aber in enger Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort entstanden sei.

Der Rückblick habe ihr gutgetan, sagte anschliessend die Ausgezeichnete selber. «Wenn man selber drinsteckt, verliert man manchmal den Blick fürs Ganze.» Der Preis sei für sie überraschend gekommen, so Brogli. Fast wäre das Couvert mit der Benachrichtigung denn auch im Altpapier gelandet, weil sie glaubte, es handle sich um einen Werbebrief.

Sternschnuppe im Alltag

Umso grösser seien dann aber die Überraschung und das Glück gewesen. «Der Preis hat in den vergangenen Wochen wie eine Sternschnuppe in meinem Alltag geleuchtet», sagte Lisbeth Brogli. Umgehend betonte sie jedoch auch die Zufälligkeit des Preises. Denn: «Es gibt noch ganz viele Menschen, die freiwillige Arbeit leisten.»

Das will Brogli auch in Zukunft selber tun. Die 20 000 Franken, die sie vom AKF erhält, fliessen in ihre Stiftung «Kindergarten und Forum Falcâu». «Ich werde weiterhin beharrlich und empathisch Menschen helfen, sich zu helfen», versprach die Möhlinerin.

Ideen dazu gibt es schon genug. Etwa den Bau einer Gesamtschule in Brodina, dem Hauptort der Gegend in Rumänien. Dort wurde bereits vor Jahren mit dem Bau einer neuen Schule begonnen. Weil das Geld ausging, steht nun ein Rohbau ohne Fenster und Türen da. Vielleicht nicht mehr lange.