«Die ehemalige Unterkunft für Asylbewerber in Hornussen könnte in ein Haus der Begegnung, ein Kulturzentrum oder ein Dorfmuseum verwandelt statt abgebrochen werden.» Diese Vorstellung hat André Kaufmann, der seit 22 Jahren in Hornussen lebt und dort selber schon Flüchtlinge betreut hat.

Stempfelhaus ist baufällig

Die erwähnte Liegenschaft, das Stempfelhaus, befindet sich neben dem Gemeindehaus und ist in einem baufälligen Zustand (die az Aargauer Zeitung berichtete darüber). Der Gemeinderat hat entschieden, keine neuen Asylbewerber mehr aufzunehmen, nachdem die letzte Flüchtlingsfamilie im März vor einem Jahr ausgezogen ist. Denn vor einer allfälligen Neubelegung durch Asylbewerber müsste das Haus dringend saniert werden, was Kosten im Betrag von mindestens 50000 Franken zur Folge hätte.

Ausserdem – gab der Gemeinderat zu bedenken – müsste der grosse Aufwand für die Flüchtlingsbetreuung berücksichtigt werden; die Hornusser Verwaltung verfüge nicht über genügend Ressourcen, um zusätzlich auch diese Aufgabe zu übernehmen. Deshalb zieht es die Gemeinde vor, künftig eine Ersatzabgabe von jährlich etwa 6200 Franken an den Kanton zu bezahlen.

Für den Abbruch

Aufgrund der Kosten-Nutzen-Rechnung erwog der Gemeinderat den Abbruch des Stempfelhauses, an dessen Stelle Parkplätze für das Gemeindehaus und die Schule entstehen sollen. So genehmigte die Gemeindeversammlung am 26.November 2010 mit grossem Mehr einen Verpflichtungskredit von 44000 Franken für den Abbruch des Gebäudes, inklusive Erstellung der Parkplätze (Einkiesen des Platzes). André Kaufmann hatte sich schon damals gegen die Abbruchpläne gewehrt und einen Rückweisungsantrag gestellt, der jedoch lediglich 4 Stimmen auf sich vereinigte und somit deutlich abgelehnt wurde.

Doch Kaufmann gab sich damit nicht zufrieden und schrieb dem Gemeinderat am 24. Januar einen Brief, worin er hervorhob: «Gelebte Geschichte ist Heimat» und zugleich vorschlug, aus der einstigen Unterkunft für Asylbewerber ein Haus der Begegnung zu machen. «Es wäre geeignet als kulturelles Zentrum für Kunstschaffende, Musizierende, für Jugendliche, für Senioren – einfach für alle, die sich begegnen, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen und die eine solche Einrichtung zu schätzen wüssten», äusserte sich Kaufmann gegenüber der az Aargauer Zeitung. Und in seinem Schreiben an die Behörde begründete er den Vorschlag wie folgt: «Den Platz der Begegnung haben wir ja schon im Dorf. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele junge Menschen den Platz nutzen – zum Glück.»

«Abrissentscheid auf Eis legen»

Er stellt sich vor, dass der Gemeinderat den Abrissentscheid des Souveräns zumindest temporär auf Eis legen und sich in dieser Zeit eine so genannte Findungsgruppe um die weitere Nutzung engagieren könnte.

«Falls gewünscht, würde ich mich gerne einbringen; ich denke sowieso an einen Freiwilligeneinsatz, wie damals, bei der Innenrenovation der Kirche. Diesmal handelt es sich jedoch um ein weltliches Gebäude und meines Erachtens wäre das viel weniger umfangreich», so Kaufmann, der bemerkt: «Ich meine, von aussen keinerlei gravierende Bauschäden am Stempfelhaus ausgemacht zu haben.» Und gegenüber der az Aargauer Zeitung führte er aus, dass sich zum Beispiel die Fenster in einem sehr guten Zustand befinden würden. Innen müsste selbstverständlich geräumt werden, und mit einigen Freiwilligen und ein paar Eimern Farbe wäre schon sehr viel auszurichten. So schlug er denn in seinem Brief an den Gemeinderat einen gemeinsamen Augenschein vor.

Inzwischen hat André Kaufmann vom Gemeinderat eine Antwort auf seine Vorschläge bekommen. Es wird unter anderem daran erinnert, dass von der 30-tägigen Referendumsfrist niemand Gebrauch gemacht habe. Denn nach dem unbenützten Ablauf der Referendumsfrist sind die dem fakultativen Referendum unterstehenden Beschlüsse der Gemeindeversammlung Hornussen vom 26. November 2010 am 3. Januar 2011 in Rechtskraft erwachsen – darunter auch der Beschluss, das Stempfelhaus abzubrechen. «Es steht nun nicht mehr im Ermessen des Gemeinderats, diesen Entscheid zurückzustellen oder umzustossen. Der Gemeinderat ist von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, alle Beschlüsse der Gemeindeversammlung umzusetzen», hielt Gemeindeammann Claudia Balz klar fest. Damit muss sich André Kaufmann abfinden.