Ab Mittwoch kann er in Rheinfelden bestaunt werden: «Der Schrei» von Edvard Munch, mit einem Wert von 140 Millionen Franken eines der teuersten Gemälde der Welt. Natürlich hängt im International Imaginary Museum (IIM) nicht ein Original aus der zwischen 1893 und 1910 entstandenen Serie des norwegischen Malers, sondern eine echte Fälschung.

Seit der Eröffnung des Fälschermuseums hätten zahlreiche Besucher nach diesem expressionistischen Meisterwerk gefragt, berichtet Museumsleiterin Yvonne Bettinger. Mittlerweile kann das Bild kopiert werden: Da 70 Jahre seit dem Tod von Munch vergangen sind, ist das Urheberrecht erloschen. Bettinger musste nur noch einen Maler finden, der das berühmte Gemälde «nachschöpft», wie sie es nennt.

Van Goghs, Monets, Klimts

Doch viele Fälscher, mit denen das Museum zusammenarbeitet, winkten ab. Wer das Bild jetzt gemalt hat, will Bettinger nicht verraten. Es handle sich um einen vielseitig begabten Künstler, der als Restaurator in einem Museum arbeitet. «Beim Original sind die Farben kräftiger, aber man darf die Unterschiede sehen», sagt die Museumsleiterin.

Obwohl es sich um eine Fälschung handelt, hat das Bild seinen Preis: 4400 Franken. Bettinger will es aber erst einmal eine Zeitlang im Museum zeigen. Dort sind auf rund 100 Quadratmetern rund 70 Fälschungen grosser Meisterwerke zu sehen. Van Goghs, Monets, Renoirs, Cézannes, Klimts – alle sind sie da. In einem Depot lagern nochmals über 200 Bilder. Gegründet wurde das International Imaginary Museum 1987 vom Piloten und Weltenbummler Bruno Schmed.

Jahrelang tourte das IIM mit Wanderausstellungen durch die ganze Welt. Ende 2011 übernahm Yvonne Bettinger das Fälschermuseum. Die gelernte Fussreflexzonentherapeutin und Mentaltrainerin fand damit zu ihrer Berufung. «Ich war schon als Kind eine begeisterte Museumsbesucherin und träumte immer davon, Kunsthistorikerin zu werden», erzählt sie.

Vor vier Monaten eröffnete sie das erste Fälschermuseum der Schweiz an der Theophil-Roniger-Strasse 21 in Rheinfelden. «Ich bin in Rheinfelden daheim und habe hier diese idealen Räumlichkeiten mit einem grossen Schaufenster gefunden», erklärt Bettinger. Rund 1000 Besucher aus der ganzen Schweiz haben sich seither die Ausstellung angesehen. «Ich habe auch ein paar Gemälde verkauft», sagt sie.

Je nach Grösse kosten die Bilder 2000 bis 7500 Franken. Fälschen ist harte Arbeit. Die Künstler arbeiten 150 bis 300 Stunden an den Nachschöpfungen. Die Käufer erhalten ein Zertifikat, das die Echtheit der Fälschung bestätigt.

«Unter dem Strich geht die Rechnung für mich auf, aber reich wird man mit diesem Museum nicht», sagt Yvonne Bettinger. «Doch ich mache das alles aus Leidenschaft.»