Strasse

Droht dem Fricktal ein Verkehrskollaps?

An den Grenzübergängen – hier in Rheinfelden – kommt es regelmässig zu Staus.

An den Grenzübergängen – hier in Rheinfelden – kommt es regelmässig zu Staus.

SVP-Grossrätin Kathrin Hasler fordert eine Verkehrsplanung für das Fricktal. Nur so bleibe die Region in Fahrt.

Das Fricktal ist in Fahrt: Dank den Pharmaclustern im Sisslerfeld und in Kaiseraugst gehört es – trotz seiner ländlichen Grundstruktur – zu den wirtschaftlich stärksten Regionen im Aargau. Innert zehn Jahren ist die Bruttowertschöpfung im Vergleich zu anderen Regionen überproportional gewachsen; zwischen 2008 und 2018 ist sie um 35 Prozent auf 7,5 Milliarden Franken angestiegen.

Diese Wachstumsdynamik wird in den nächsten Jahren anhalten, denn mit dem Sisslerfeld besitzt das Fricktal eine der wichtigsten unbebauten Industrieflächen im Kanton. Auf den 85 Hektaren können bis 2040 an die 3500 – grösstenteils wertschöpfungsintensive – Ar­beits­plätze entstehen. Weitere 2700 Arbeitsplätze sind für den Raum Rheinfelden-­Möhlin prognostiziert. Insgesamt verfügen die beiden Bezirke Rheinfelden und Laufenburg über rund 180 Hektar freie Arbeitszonen.

Das Fricktal ist aber auch in Fahrt, weil es gerade für Basler eine interessante und vor allem bezahlbare Wohnalternative zur Stadt und zur Agglomeration Basel ist. Bis 2040 könnte der Raum Rheinfelden-Möhlin um bis zu 6500 Personen wachsen. Im Sisslerfeld ist eine Bevölkerungszunahme von 1500 Einwohnern möglich.

Das Fricktal ist gerade wegen dieser Wachstumsdynamik nicht mehr so gut in Fahrt, wenn es ums Vorwärtskommen geht. Fast jeden Morgen staut sich der Verkehr auf der Autobahn bei Rheinfelden, auf Hauptstrassen und an den Grenzübergängen. Die Züge und Busse sind in Spitzenzeiten überlastet. Dass Staumeldungen in den letzten Wochen ausgeblieben sind, lag einzig an der Coronakrise.

Richtplananpassung soll im Januar 2022 vorliegen

Mit dem prognostizierten Bevölkerungswachstum und der erwarteten Zunahme an Arbeitsplätzen wird sich die Verkehrssituation weiter akzentuieren. Das macht Kathrin Hasler (SVP) Sorgen. Zusammen mit 9 der 17 Grossräten aus dem Fricktal und zwei aus dem Zurzibiet reicht die Hellikerin morgen Dienstag eine Motion im Grossen Rat ein.

Sie fordert den Regierungsrat darin auf, ein regionales Gesamtverkehrskonzept Hochrhein-Aargau für das Fricktal erarbeiten zu lassen und dem Grossen Rat im Januar 2022 eine entsprechende Richtplananpassung vorzulegen. Für Hasler ist klar: Es braucht zwingend und dringend ein solches regionales Verkehrskonzept. Dieses soll zeigen, wie die Menschen im Fricktal trotz des Wachstums auch in Zukunft mobil bleiben.

Schlüsselprojekte müssen jetzt angegangen werden

Schlüsselprojekte im Bereich Strasse, Langsamverkehr, öffentlichem Verkehr und im Grenzregime – angedacht ist ein zusätzlicher Rheinübergang bei Sisseln, um die Rheinübergänge in Stein und Laufenburg gerade im Hinblick auf die Entwicklung im Sisslerfeld zu entlasten – müssen für Hasler «in naher Zukunft» realisiert werden.

«Andernfalls droht im Fricktal und angrenzenden Regionen ein Verkehrskollaps», schreibt die SVP-Grossrätin in der Motion, die von SP-Politikern ebenso unterstützt wird wie von bürgerlichen Grossräten.

Dieser Kollaps kann für Hasler nur verhindert werden, wenn das Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum an einen Ausbau der Infrastruktur gekoppelt und die Mobilitätsplanung mit der Raumplanung abgestimmt wird. Diese Planung muss für Hasler angesichts der vielen Grenzgänger zwingend grenzüberschreitend erfolgen.

Der Zeitpunkt für eine solche Gesamtverkehrsplanung ist derzeit sicher günstig, denn im Sisslerfeld läuft aktuell eine Testplanung; die Resultate sollen Ende Jahr vorliegen. Gleichzeitig ist der Planungsverband Fricktal Regio derzeit daran, eine Mobilitätsstrategie für das Fricktal zu erarbeiten. Diese soll bis Mitte 2021 erarbeitet sein.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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