Fricktal
Drohender Grundbuchamt-Verlust: Grossräte wollen Fraktion mobilisieren

Die Abstimmung über das Grundbuchamt im Grossen Rat steht bevor – in einem Brief fordern Roger Fricker, Franco Mazzi und Herbert Weiss die regionalen Grossräte zum Weibeln in ihren Fraktionen auf.

Janine Müller
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Derzeit ist das Grundbuchamt Laufenburg im ehemaligen Hotel Roter Löwe (rechts) untergebracht. Am 16. September entscheidet der Grosse Rat, ob das Fricktal ein Grundbuchamt behält.

Derzeit ist das Grundbuchamt Laufenburg im ehemaligen Hotel Roter Löwe (rechts) untergebracht. Am 16. September entscheidet der Grosse Rat, ob das Fricktal ein Grundbuchamt behält.

mf

In den nächsten Tagen flattert ein Schreiben in die Briefkästen der Fricktaler Grossräte. Unterschrieben von Roger Fricker (Präsident Ammännervereinigung Bezirk Laufenburg), Herbert Weiss (Stadtammann Laufenburg) und Franco Mazzi (Präsident Ammännervereinigung Bezirk Rheinfelden). Im Brief fordern sie die Grossräte dazu auf, in ihren Fraktionen für den Erhalt des Grundbuchamts im Fricktal zu weibeln. «Es hätte nichts gebracht, wenn wir jedem einzelnen Grossrat einen Brief geschickt hätten», ist sich Fricker sicher. «Wenn aber die Fricktaler Grossräte das persönliche Gespräch suchen, dann ist die Chance grösser, dass wir etwas erreichen.»

Eiken: Der Landammann kommt zum Gespräch

Roland Brogli, Landammann des Kantons Aargau, gastiert auf seiner «Stammtisch-Tour» durch den Kanton morgen Donnerstag, 11. September, im Restaurant Rössli in Eiken. Der Anlass beginnt um 19 Uhr und dauert rund drei Stunden. Seit März besucht der Landammann jeden Monat einen anderen Bezirk. Der Termin ist dementsprechend schon lange bekannt und wurde nicht aufgrund aktueller Fragen wie Grundbuchamt oder Tarifverbund Nordwestschweiz angesetzt. Dennoch bieten diese Themen sicherlich Gesprächsstoff. Die Bevölkerung ist eingeladen, mit dem Landammann im «Rössli» über aktuelle politische und andere Themen zu diskutieren. Eine Traktandenliste gibt es nicht, das Gespräch richtete sich nach den Interessen der Anwesenden. Roland Brogli freut sich, möglichst viele Fricktaler begrüssen zu dürfen. Der Verband Gastro Aargau offeriert allen Teilnehmenden die Konsumation und einen kleinen Imbiss. (mf)

Das lassen sich die Politiker nicht zweimal sagen. Für einmal herrscht parteiübergreifend Konsens: Das Grundbuchamt in Laufenburg soll bestehen bleiben. Die Fricktaler Grossräte stehen geschlossen hinter dem Standort Laufenburg und stellen sich damit gegen die Entscheidung der vorberatenden Kommission Volkswirtschaft und Abgaben. Diese hat sich für das Dreiermodell – also für die Variante mit Standorten in Baden, Wohlen und Zofingen – ausgesprochen. Unter anderem aus finanziellen Gründen. Im Gegensatz zum Regierungsrat, der hauptsächlich aus regionalpolitischen Gründen das Vierermodell mit Laufenburg bevorzugt.

Riner nimmt Kollegen in Pflicht

Am 16. September kommt es im Grossen Rat zur Abstimmung über das Grundbuchamt. Für die Fricktaler Grossräte gibt es bis dahin noch einiges zu tun. «Ich werde an der Fraktionssitzung am Morgen vor der Abstimmung sicher nochmals versuchen, meine Kollegen von der Vierermodell-Lösung zu überzeugen», verspricht Christoph Riner, SVP-Grossrat. Es sei regionalpolitisch sinnvoll, begründet er. Und: «Es kann doch nicht sein, dass alles in den Speckgürtel Baden, Aarau, Zofingen angesiedelt wird.» Gleichzeitig nimmt er auch seine Grossratskollegen in die Pflicht: «Jeder Grossrat aus dem Fricktal ist jetzt gefordert, sich für die Region einzusetzen.»

Den richtigen Moment abwarten

Dieser Meinung ist auch SP-Grossrätin Elisabeth Burgener. Und kämpft darum in ihrer Partei für das Fricktaler Anliegen. Gestern hat sie an einer Sitzung der SP-Fraktion für den Standort Laufenburg plädiert. Sie hofft zudem, dass die SP-Grossräte ihrem Regierungsrat Urs Hofmann folgt, der sich für das Vierermodell einsetzt.

Auch CVP-Grossrätin Regula Bachmann hat ihre Fraktion bereits vor zwei Wochen über die Abstimmung informiert, und sich für den Standort Laufenburg eingesetzt. Sie wird weiterhin das Gespräch suchen. «Man muss den richtigen Moment abwarten», erklärt sie. «Wenn das Thema noch nicht unter den Nägeln brennt, dann bringt das Weibeln wenig.»

Sie wird sich also diese Woche und kurz vor der Abstimmung nochmals für den Standort Fricktal einbringen. Auf jeden Fall lässt sie das finanzielle Argument der Kommission nicht gelten. «So viel teurer kommt ein vierter Standort nun auch wieder nicht.» Am Ende geht es den Grossräten vor allem darum, mit dem Verbleib des Grundbuchamts im Fricktal ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen dafür, dass den Parlamentariern die Regionen im sogenannten «Kanton der Regionen« nicht egal sind.