Der Fall des Lehrlings, der in seinem Ausbildungsbetrieb Medikamente und Betäubungsmittel entwendet hatte, machte bereits im Frühling Schlagzeilen. Im April musste seine Lehrmeisterin, eine Fricktaler Apothekerin, vor Gericht erscheinen, weil sie aus Sicht der Staatsanwaltschaft ihre Sorgfaltspflicht bei der Betäubungsmittelkontrolle nicht wahrgenommen habe. Nach dem Freispruch seiner früheren Chefin stand nun Marko (Name geändert) als der eigentliche Täter vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Seine Eltern und zwei Freunde nahmen an der Verhandlung teil.

Neben der Verschaffung und dem Konsum von Betäubungsmitteln werden Marko von der Staatsanwaltschaft gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfacher Hausfriedensbruch und geringfügige Sachbeschädigung vorgeworfen: Während seiner Lehre zum Drogist hat Marko Betäubungsmittel und Medikamente – in der Anklageschrift sind unter anderem Morphin, Ritalin, Kokain und Viagra aufgelistet – bei einem Lieferanten bestellt und anschliessend die Bestellung aus dem EDV-System der Apotheke gelöscht. Die Ware hat er persönlich entgegengenommen, Lieferscheine verschwinden lassen und den Warenein- und -ausgang der Apotheke gefälscht.

Fünf Säcke voller Medikamente

Mit einem Mitbeschuldigten soll er ausserhalb seiner Arbeitszeiten mehrfach in die Apotheke eingedrungen sein, um Betäubungsmittel und Medikamente zur Bereicherung und für den Eigenkonsum zu entwenden. Nachdem Marko aufflog und im Februar 2016 fristlos entlassen wurde, sind er und der Mitbeschuldigte in einer zweiten Apotheke in den Keller eingedrungen, wo sie nach dem Entfernen von Holzlatten Medikamente entwendeten. Dabei entstand ein geringer Sachschaden. Nur vier Tage später sind die beiden erneut in dieselbe Apotheke eingedrungen, indem sie das Gitter eines Lichtschachts zum Keller entfernten und Marko eine Scheibe einschlug. Sie entwendeten fünf Säcke mit Medikamenten, konnten aber im Anschluss an die Tat von der Kantonspolizei Aargau verhaftet werden.

Die Staatsanwaltschaft beantragte, Marko zu einer unbedingten zwölfmonatigen Freiheitsstrafe unter Anrechnung der Untersuchungshaft sowie zu einer Busse von 800 Franken zu verurteilen sowie auf eine Dauer von fünf Jahren eine Entwöhnungsbehandlung anzuordnen. Zu weiten Teilen hatte Marko seine Schuld schon eingestanden, sein Anwalt widersprach aber insbesondere den Vorwürfen des gewerbsmässigen Diebstahls, des Hausfriedensbruchs und der Verschaffung von Betäubungsmitteln.

Der Rechtsbeistand führte aus, dass Markos Aufenthalte am Arbeitsplatz ausserhalb der Arbeitszeit bekannt gewesen seien und diesen nie widersprochen worden sei. Der Diebstahl sei hauptsächlich für den Eigenkonsum erfolgt, da Marko schwer abhängig war. Gewerbsmässiger Handel läge nicht vor, da Marko Ware nur zum Selbstkostenpreis weitergegeben habe. Der Rechtsanwalt führte aus, dass Marko mit der Übertragung der Medikamentenbestellung erst die Möglichkeit zu den Taten eingeräumt worden sei. Trotz Wissens der Apothekerin um seine Probleme, da Marko im Dezember 2014 schon einmal wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden war. Das psychiatrische Gutachten attestiere Marko zudem eine verzögerte Entwicklung.

«Das Ziel muss gerade bei Betäubungsmitteln und ähnlichem sein, so etwas zu verhindern»

«Das Ziel muss gerade bei Betäubungsmitteln und ähnlichem sein, so etwas zu verhindern»

Im Interview: Lukas Korner, Präsident des Aargauischen Apothekerverbands, analysiert den Fall. (30. April 2018)

Neue Lehrstelle gefunden

Der Anwalt plädierte für eine deutlich mildere Strafe von 180 Tage zu 30 Franken unter Anrechnung der Untersuchungshaft und den Verzicht der Entwöhnungsbehandlung, da Marko Anfang August eine neue Lehre als Logistiker angetreten hat und keine Drogen mehr nimmt, was entsprechende behördliche Abstinenzprotokolle belegten. Gerichtspräsident Christopher Lüdi fragte Marko, was dieser denke, welche Auswirkungen ein Gefängnisaufenthalt habe.

Marko meinte, dann wäre seine Lehre wieder weg und alles, was er seit seiner Verhaftung vor zwei Jahren aufbauen konnte, würde auseinanderfliegen. Der Gerichtspräsident stellte fest, dass das erste Urteil zu keinem Umdenken geführt hatte. Marko antwortete, er habe die Strafe damals gar nicht richtig realisiert und suchtbedingt weitergemacht. Er drückte sein Bedauern für die Taten aus. Gerichtspräsident Lüdi stellte fest, dass es viele Punkte abzuwägen gebe. Das Urteil wird in wenigen Tagen verkündet.