Gipf-Oberfrick

Dringend gesucht: Das Gegenmittel gegen den Hausärzte-Mangel

Hat immer ein offenes Ohr für seine Patienten: der Hausarzt.

Hat immer ein offenes Ohr für seine Patienten: der Hausarzt.

Hausärzte haben zusehends Mühe, einen Nachfolger zu finden. Pius Blum hatte Glück: Das Gesundheitszentrum Fricktal übernimmt seine Praxis.

Praxis sucht neuen Besitzer: Immer öfter fällt es Hausärzten, die in Pension gehen wollen, schwer, einen geeigneten Nachfolger für ihre Praxis zu finden. «Wir haben nicht zu wenig Ärzte, aber zu wenig Hausärzte», sagt Beat Rickenbacher, Präsident des Hausärztevereins Fricktal. «Es ist auch im Fricktal deutlich schwieriger geworden, Ärzte für den Job als Hausarzt zu gewinnen.»

Rickenbacher spricht aus eigener Erfahrung. «Wir starteten mit unserer Gemeinschaftspraxis in Rheinfelden vor elf Jahren. Als wir einen zusätzlichen Arzt für die Praxis suchten, brauchte es fünf Jahre – und viel Effort.»

Dass es schwierig ist, einen Nachfolger zu finden, musste auch Pius Blum feststellen. Er führt seit knapp 30 Jahren eine Allgemeinpraxis in Gipf-Oberfrick. Vor gut drei Jahren begann der heute 65-Jährige mit der Nachfolgersuche. Zuerst nebenbei, dann mit professioneller Unterstützung des FMH Consulting Service. «Es meldeten sich nur vereinzelt Ärzte», erzählt Blum, «und die entsprachen nicht unbedingt dem, was ich mir vorstellte und was zu Gipf-Oberfrick passte.»

Vor gut einem Jahr dann wandte sich Blum an das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF). «Ich hatte erfahren, dass das GZF in Rheinfelden eine Praxis übernimmt und fragte an, ob sie auch an meiner Interesse hätten.» Sie hatten. Doch obschon damit für einen Nachfolger ein gewichtiges Hindernis wegfiel – das Risiko, das eine Selbstständigkeit mit sich bringt – hatte auch das GZF Mühe, jemanden zu finden, der einsteigen wollte.

Landfaktor als Hindernis

«Die Suche nach einer Praxisnachfolge war nicht leicht», sagt Miriam Crespo, Leiterin Unternehmenskommunikation beim GZF. «Es dauerte rund ein Jahr, bis wir mit Denise Martin eine gute Lösung gefunden hatten.» Die 43-Jährige wird die Praxis nach einer umfassenden Sanierung ab Ende Juli medizinisch selbstständig führen, ist aber vom GZF angestellt.

Einen der Gründe, weshalb die Suche derart schwierig war, ortet Blum im Landfaktor. «Viele junge Kollegen wollen nicht auf dem Land arbeiten.»

Ein zweiter liegt in den Arbeitsbedingungen: Ein Hausarzt kennt keinen 8-Stunden-Tag und muss auch mal abends oder nachts raus. «Das schreckt viele ab», weiss Blum und Rickenbacher ergänzt: «Viele wollen nicht mehr rund um die Uhr verfügbar sein, sondern wollen einen geregelten Arbeitstag mit einer unbelasteten Freizeit. Als Hausarzt hat man das nicht.»

Drittens sind die finanziellen Aussichten – im Ärztevergleich – eher bescheiden. «Ein Spezialarzt verdient deutlich mehr, was in dem Umfang nicht gerechtfertigt ist», sagt Rickenbacher. Viertens sind viele junge Ärzte nicht mehr bereit, das (finanzielle) Risiko einer Selbstständigkeit einzugehen; «sie lassen sich lieber anstellen.»

Gegenmittel gesucht

Doch wo ansetzen? Ein Gegenmittel ist das Programm Praxisassistenz, das vom Kanton finanziert wird. Assistenzärzte bekommen nach ihrer Zeit am Spital einen Anschlussvertrag für mindestens sechs Monate bei einem Grundversorger; sie bleiben aber formal beim Spital angestellt und erhalten den bisherigen Grundlohn. «Eine gute Sache», ist Rickenbacher überzeugt. «Dank diesem Programm sind schon einige Ärzte in Hausarztpraxen ‹hängengeblieben›.»

Ein zweiter Ansatz sind Hausarztpraxen, die von den Spitälern betrieben werden. Für Miriam Crespo ist es «ein spannendes Modell mit Potenzial». Für alle Seiten: Das GZF bekommt ein zusätzliches Standbein, die Patienten behalten ihren Hausarzt in Wohnortsnähe und die Ärzte bekommen ihre eigene Praxis – ohne die Last der finanziellen Selbstständigkeit.

Crespo schliesst denn auch nicht aus, dass das GZF weitere Praxen übernimmt. «Eine Expansionsstrategie haben wir allerdings nichts.»

Pius Blum ist froh, dass er für seine Praxis eine gute Lösung gefunden hat. Er selber wird nicht ganz von der medizinischen Bildfläche verschwinden: In Frick eröffnet er im Juli «in einfacheren Räumen», wie er seinen Patienten in einem Schreiben mitteilt, eine Praxis für Akupunktur, Chinesische Medizin und Bachblüten.

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