Das Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) in Rheinfelden bleibt bestehen. Im Februar hat der Regierungsrat sein neues Standortkonzept für die Berufsschulen im Kanton Aargau präsentiert. Nicht ganz unerwartet gingen die Emotionen im Fricktal hoch. Von hocherfreut über die Sicherung des BZF-Standorts bis zum Sterben auf Raten gingen die Meinungen der Kommentatoren weit auseinander.

Die AZ versah am 5. März die Zusammenfassung der Stellungnahmen der regionalen Prominenz denn auch mit dem treffenden Titel «Zwischen Erleichterung und Ernüchterung». Erleichtert, weil man froh ist, dass die Schule nicht zugeht. Ernüchtert, weil man sich für das BZF mehr als nur die Berufsfelder KV, Detailhandel und Fachangestellte Gesundheit erhofft hatte. Insgesamt überwogen die skeptischen und negativen Äusserungen. Höchste Zeit also, mit ein paar Wochen Abstand und entsprechend tieferem Puls auf die fürs BZF positiven Aspekte hinzuweisen.


Die Kantonsregierung hat das Problem geschickt gelöst. Mit dem Verzicht auf die Schliessung eines Schulstandortes konnte sie die Berufsfelder in eigener Kompetenz neu zuteilen, ohne die Zustimmung des Grossen Rates einholen zu müssen. Eine Vorlage an das Parlament hätte viel Zeit gekostet und ein erneutes Scheitern wäre zumindest wahrscheinlich gewesen. Das Damoklesschwert der Schliessung wäre damit noch länger über dem BZF gehangen. Weitere Jahre der Ungewissheit, die nicht nur den Vorstand und die Schulleitung, sondern vor allem auch die Lehrerschaft weiter stark belastet hätten.

These Nummer 1: Mit dem getroffenen Entscheid ist diese Unsicherheit endlich beendet. Die Planung der notwendigen Umstellungen kann beginnen.

Mit der neuen Zuteilung des M-Profils beim KV geht ein lang gehegter Wunsch des BZF in Erfüllung. Der Standort Rheinfelden wird in einem wichtigen Bereich gestärkt. Positiv zu beurteilen ist auch, dass neu die Fachangestellten Gesundheit am BZF ausgebildet werden. Die demografische Entwicklung und die Ausbildungsverpflichtung der Leistungserbringer im Gesundheitswesen sprechen für steigende Schülerzahlen.

These Nummer 2: Die dem BZF zugeteilten Berufsfelder KV, Detailhandel und Gesundheit verfügen über grosses Entwicklungspotenzial.

Die beiden Petitionen waren ein starkes Signal in Richtung Kanton. Sie haben mitgeholfen, dass die Schliessung des BZF für die Regierung kein Thema mehr war. Die von den Petitionären nachgeschobenen Forderungen nach mehr Weitsicht, grenzüberschreitender Zusammenarbeit und zukunftstauglicher Strategie tönen gut. Es sei ihnen auch nicht widersprochen. Nur: Bringen diese Überlegungen auch wirklich zusätzliche Schüler nach Rheinfelden? Zusammenarbeit ist ja nicht nur nehmen, sondern auch geben. Zudem laufen solche Bestrebungen auf einer ganz anderen Zeitschiene.

Hätten sie auch noch ins jetzt vorgelegte Standortkonzept einfliessen sollen, würden wir noch jahrelang auf Entscheide warten. Die Zeit der Unsicherheit würde andauern und das BZF weiter belasten. Die Regierung wird sich hüten, von sich aus das Thema so schnell wieder aufzugreifen. Sollten es die Grossräte aus dem aargauischen Speckgürtel wieder aufs Tapet bringen wollen, dann werden das die Vertreter aus den Randregionen zu verhindern wissen. Nicht zuletzt auch dank dem Druck der aufmerksamen Petitionäre aus dem Fricktal.

These Nummer 3: Die Stärke der Regionen und die politische Konstellation im Kanton Aargau werden den Bestand des BZF auf längere Zeit sichern.

Natürlich hätten wir uns für das BZF noch das eine oder andere gewerblichindustrielle Berufsfeld gewünscht und ja, wir haben von Schulklassen für den Pharma- und IT-Bereich geträumt. Realistischerweise müssen wir jedoch anerkennen, dass das Fricktal unter den gegebenen Umständen gut weggekommen ist. Das von den Miesepetern prophezeite Sterben auf Raten wird nicht stattfinden.