Nachdem Ende letzter Woche bekannt wurde, dass in Rheinfelden ein Rentner über drei Monate lang tot in seiner Wohnung gelegen hatte, gab es Gerüchte, die Polizei und die Verwaltung der Überbauung seien schon viel früher darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Mann längere Zeit nicht gesehen wurde. Die Nachbarn würden sich also sehr wohl umeinander kümmern.

Auf Anfrage der Aargauer Zeitung dementiert die Wincasa-Pressestelle, die für die Verwaltung der Überbauung zuständig ist. «Bei uns sind keine Meldungen eingegangen. Wir wurden erstmals durch die Polizei informiert, nachdem diese die Wohnung geöffnet hatte.» Und Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, teilt mit: «Bei uns sind auch keine Meldungen eingegangen. Auch die Öffnung der Wohnung ging nicht auf eine Meldung aus der Bevölkerung zurück.»

Versuchte Postzustellung

Seit Juli versuchte die Polizei aber immer wieder, dem Mann behördliche Post zuzustellen. «Dies gehört zu den alltäglichen Aufgaben der Polizei. Die Regionalpolizei ging mehrfach vorbei, machte aber keine verdächtigen Wahrnehmungen», so Graser. Insbesondere sei der Briefkasten nicht übergequollen. Aus Erfahrung sei es nichts Ungewöhnliches, dass die Empfänger behördlicher Post nicht öffneten. «Wir haben öfters solche Fälle», sagt Graser.

Mann liegt in Rheinfelden drei Monate tot in seiner Wohnung

Mann liegt in Rheinfelden drei Monate tot in seiner Wohnung

Nach mehreren vergeblichen Kontaktversuchen habe sich die Patrouille schliesslich entschlossen, das Couvert in den Türspalt zu stecken. «Als es zwei Tage später noch immer unverändert dort steckte, fiel Ende August der Entschluss, die Wohnung zu betreten.» Dort machte die Polizei dann den tragischen Fund. Graser erklärt: «Auch dies gehört zum Polizeialltag. Wenn natürliche Todesursachen vorliegen, werden solche Fälle oft gar nicht kommuniziert.»