Zeiningen
Drei Generationen kümmern sich um die Pferde auf dem Tschoppert-Hof

Familie Schib betreibt auf dem Tschoppert-Hof seit über 40 Jahren eine Reitschule. Die meisten der 18 Pferde dienen denn auch als Schulpferde.

Hans Christof Wagner
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Nicole Schib, Sohn Noah, Erich Schib, Robert Schib und Tim Schib (von links).

Nicole Schib, Sohn Noah, Erich Schib, Robert Schib und Tim Schib (von links).

«Wenn Du’s nicht fühlst, Du wirst es nicht erjagen.» So heisst es in Goethes Faust. So steht es in grossen Buchstaben an der Stirnseite der Reithalle des Tschoppert-Hofes.

Dieter Schib hat die Wollmütze tief ins Gesicht gezogen und kämpft gegen die Kälte an, die in die Halle kriecht. Schibs Stimme ist nicht laut, dennoch kommt sie an bei den drei Mädchen, die Stunde bei ihm haben. «Nimm die Zügel enger ran, arbeite mehr mit den Schenkeln», rät er.

Von der Kühe- zur Pferdehaltung

Oben sitzt sein Bruder Erich und erzählt, wie er und Dieter vor zehn Jahren den Hof des Vaters übernommen haben. Erich, der Umwelt-Naturwissenschaftler, hatte genug vom Bürojob. Vater Robert Schib war knapp 70 und wollte sich zurückziehen.

Für Bruder Dieter wäre es zu viel gewesen, den Betrieb alleine zu führen. Also taten sich zwei zusammen und verabredeten die Arbeitsteilung, bei der es bis heute geblieben ist: Dieter (50) macht die Reitschule, Erich (45) die Pensionspferde und die Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft aus ihren frühen Kindertagen sah anders aus. Robert Schib war, wie noch viele Ende der sechziger Jahre, Milchbauer mit Kühen, damals noch in Möhlin. Doch das Milchgeld ging zurück. Auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen entdeckte er die Pferdehaltung. Der Tschoppert-Hof war frei und so kaufte er das 12 Hektaren grosse Anwesen.

35 Pferde waren auf dem Hof

Das Geschäft lief gut. Schib Senior baute eine Reithalle und Pferdeboxen und begann mit dem Reitschulbetrieb, für den er eigens Lehrer einstellte. Er war ein Exot auf diesem Gebiet. Und die Städter aus Basel stellten gern ihre Rösser bei ihm unter. Zu den besten Zeiten war der Hof von 35 Pferden bevölkert. Die Reithalle bauten sie 1970. Heute dient die Halle nicht mehr nur zum Reiten. Auf ihrem Dach liegt auch eine der grössten Solaranlagen in der Region. Neuerdings dreht sich auch ein kleines Windrad darauf. Das schafft Zusatzeinnahmen und entlastet die Haushaltskasse.

Denn heute ist die Konkurrenz gross und das Geld der Reiter sitzt nicht mehr so locker. Schib: «In der direkten Nachbarschaft gibt es sicher um die zehn Betriebe, die Pensionspferde einstellen.» Viele seien in den vergangenen 10 bis 15 Jahren dazugekommen. Aber Reitunterricht böten nur wenige an und Reithallen hätten auch nicht viele.

Eigentlich nur Mädchen, die sich interessieren

Zehn Pensionspferde sind es aktuell, die auf dem Tschoppert-Hof leben. Die Besitzer kostet das 800 Franken monatlich inklusive Futter und Ausmisten. 18 Tiere gehören den Schib-Brüdern, ein Grossteil davon dient als Schulpferde. Dieter Schib unterrichtet das klassische Reiten. Anfänger beginnen an der Longe geführt, um die Grundbewegungen zu erlernen und um Sicherheit zu erlangen.

Danach geht es in Gruppenstunden an den Feinschliff – einfache Dressur, traben, Galopp, ein bisschen springen. Die Grundausbildung steht im Vordergrund – solides Reitkönnen, das in der Brevet-Prüfung abverlangt wird. «Zu 99 Prozent sind unsere Schüler Mädchen im Alter zwischen neun und 17 Jahren», sagt Erich Schib und lacht. Aber momentan haben sie auch drei Buben. Einer davon heisst auch Schib. Es ist Erichs Sohn Noah, neun Jahre ist er alt.