Eiken

Drei Gemeinderäte treten zurück – nur eine «unglückliche Situation»?

Der Gemeinderat Eiken in der aktuellen Zusammensetzung mit dem zurücktretenden Gemeinderat Gerhard Zumsteg (links) sowie den im Amt verbleibenden Gemeinderätin Renate Thunig-Vögele, Gemeindeammann Peter Balzer, Vizeammann Beat Schöni und Gemeinderat Guido Schmidli. – Foto: pd

Der Gemeinderat Eiken in der aktuellen Zusammensetzung mit dem zurücktretenden Gemeinderat Gerhard Zumsteg (links) sowie den im Amt verbleibenden Gemeinderätin Renate Thunig-Vögele, Gemeindeammann Peter Balzer, Vizeammann Beat Schöni und Gemeinderat Guido Schmidli. – Foto: pd

Gleich drei Gemeinderäte der Fricktaler Gemeinde Eiken haben innerhalb kurzer Zeit ihren Rücktritt erklärt. Peter Balzer und Renata Thunig machen im Gemeinderat weiter. Im Dorf besteht eine Unsicherheit dahingehend, wie es weitergehen soll.

Drei Rücktritte aus dem Gemeinderat in nur zwei Monaten, Kommunikationsprobleme als Gründe für den Rücktritt des Vizeammanns, erst eine Kandidatin für die Vakanzen: Eiken stehen schwierige Zeiten bevor. Immerhin künden die beiden verbleibenden Gemeinderäte – Ammann Peter Balzer und Renata Thunig – an, dass von ihnen nicht auch noch ein Rücktritt zu erwarten ist. «Ich bin für vier Jahre gewählt und ich habe nicht vor, vorher aufhören», betont Thunig gegenüber der az. Und Balzer sagt: «Ich bleibe. Ausser man will mich nicht mehr.»

Doch wo liegen denn die Probleme? Was ist faul in der Gemeinde Eiken? Klare Antworten fehlen auch einen Tag nach Bekanntwerden des dritten Rücktritts. «Es ist eine unglückliche Situation, die sich niemand wünscht», so Balzer. Auch für ihn persönlich sei die Situation nicht ganz einfach: «Das Demissionsschreiben von Beat Schöni hat in mir einiges ausgelöst.» Die Zusammenarbeit mit Beat Schöni habe aber immer funktioniert, betont Balzer.

Sowohl Peter Balzer als auch Renata Thunig geben zudem an, keine atmosphärischen Störungen im Gremium zu verspüren. «In einem Rat haben die Mitglieder verschiedene Meinungen. In der Sache kommt es zu Diskussionen. Am Ende können sich aber alle in die Augen schauen», betont Balzer.

Unruhe im Dorf

Die Aussenwahrnehmung ist eine andere, wie die az in verschiedenen Gesprächen mit Menschen erfuhr, die eine Verbindung zu Eiken haben. Es wird spekuliert. Im Dorf herrsche Unruhe, heisst es. In der Verwaltung ebenso. «Es ist bekannt, dass es am Stammtisch manchmal heisst, der Gemeindeschreiber sei der sechste Gemeinderat», sagt Peter Balzer – und nimmt gleich Stellung zu diesem Vorwurf. «Wir richten uns nach den Mehrheitsbeschlüssen im Gemeinderat.» Er hebt die langjährige Erfahrung und das Fachwissen von Gemeindeschreiber Marcel Weiss hervor: «Er ist wichtig für die Hintergrundarbeit. In den meisten Fällen profitieren wir davon. In Einzelfällen kann es auch hinderlich sein.»

Unabhängigkeit als Ziel

Unsicherheit in Dorf und Verwaltung seien in der aktuellen Situation unvermeidlich, so Balzer weiter. «Ich setze mich aber gerne mit allen zusammen, die Interesse am Amt des Gemeinderates haben, und zeige ihnen auf, was auf sie zukommt», verspricht der Gemeindeammann. Denn eines ist auch ihm klar: «Wir sind in einer schwierigen Situation. Für mich ist die Weiterentwicklung des Dorfes das oberste Ziel, und dazu brauchen wir gute Gemeinderäte, die mitarbeiten.» Ziel sei es, dass man den Steuerfuss nicht erhöhen müsse und dass die Gemeinde unabhängig bleiben kann. Sollten sich nämlich keine neuen Gemeinderäte finden, droht Eiken die Einsetzung eines Sachwalters.

Akut ist diese Gefahr aber noch nicht. «Die Demissionen der Gemeinderäte wurden auf den Zeitpunkt ihrer Ersetzung genehmigt», führt Martin Süess, stellvertretender Leiter der Gemeindeabteilung aus. Heisst – Stand jetzt –, dass die amtierenden Gemeinderäte erst abtreten können, wenn ihr Nachfolger gewählt ist. Der Kanton kommt erst dann ins Spiel, wenn sich keine Nachfolger finden und die bisherigen Gemeinderäte nicht noch für eine Übergangszeit im Amt bleiben wollen oder können. «Dann müssten wir den konkreten Fall mit der Gemeinde besprechen.» Bei einer Vakanz sei eine Lösung mit einem externen, von der Gemeinde bezahlten «Coach» denkbar, bei mehreren Vakanzen die Sachwalter-Lösung.

Die Gemeinde Eiken hat diese Abklärungen in Aarau prophylaktisch ebenfalls bereits getroffen. «In unserer Situation muss man sich erkundigen», so Renata Thunig, die zugibt, dass sie sich Sorgen macht, ob genügend Kandidaten gefunden werden.

Sorgen macht sich auch Georges Collin, der bis 2011 14 Jahre lang der Gemeinde als Ammann vorstand. Auch er stellt sich die Frage, was in Eiken los ist. «Vielen Leuten im Dorf geht es gleich», so Collin. Und: «Ich habe mich nach meinem Rücktritt aus der Politik zurückgezogen und kenne die aktuellen Hintergründe nicht.» Er hofft, «dass es genügend verantwortungsbewusste Menschen in Eiken gibt, die sich nun für die Zukunft der Gemeinde einsetzen.» Und: «Ich denke, dass mit dem jüngsten Rücktritt und den Medienberichten Bewegung in die Sache kommt.»

Renata Thunig jedenfalls wirbt um neue Gemeinderatskollegen. «Ich kann den Leuten mit gutem Gewissen empfehlen, für den Gemeinderat zu kandidieren. Ich bin jedenfalls mit meinem Amt nicht unglücklich.»

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