Laufenburg
Dramatische Geschichte aus der Nazi-Zeit und ein Abschied in der Stadtbibliothek

Der Schweizer Autor Alain Claude Sulzerlas in der Stadtbibliothek aus seinem neuesten Roman «Postskriptum»: Eintauchen in die Lebensgeschichte des jüdischen homosexuellen Schauspielers Lionel Kupfer während der Nazi-Zeit.

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Las in der Stadtbibliothek Laufenburg: Erfolgsautor Alain Claude Sulzer. ari

Las in der Stadtbibliothek Laufenburg: Erfolgsautor Alain Claude Sulzer. ari

Ingrid Arndt

Auf Einladung der Stadtbibliothek Laufenburg gastierte der Schweizer Erfolgsautor Alain Claude Sulzer am Samstag zu einer Buchlesung in der Burgmattschule. Mitgebracht hatte er seinen neuesten Roman «Postskriptum». Gemeinsam tauchten die Zuhörer ein in die Lebensgeschichte des jüdischen homosexuellen Schauspielers Lionel Kupfer, die Anfang der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts durch die Machtergreifung der Nazis eine einschneidende Wende erfuhr.

Nicht die fürchterliche Dramatik manch anderer Schicksale aus der Nazi-Zeit wird hier beschrieben – aber dennoch eine Wende, die für den Romanhelden wohl einem freien Fall gleichkam, ohne dass er an Leib und Leben bedroht war.

Über einen Zeitraum von sechs Jahrzehnten, aus dem Blickwinkel verschiedener Personen und auf unterschiedlichen Zeitebenen kann der Leser die schicksalhafte und virtuos komponierte Vita von Lionel Kupfer verfolgen. Lionel Kupfer erholt sich im Januar 1933 in einem Nobelhotel im Engadiner Sils Maria, bereitet sich gleichzeitig auf seine nächste Hauptrolle vor. Sehr berührend beschreibt der Schriftsteller, wie der dort tätige Postangestellte Walter versucht, seinem Leinwandidol zu begegnen. Und er kommt ihm näher, mehr als er je zu hoffen wagte.

Lionels Lebenspartner Eduard überbringt ihm in Sils Maria die niederschmetternde Nachricht, dass die Filmgesellschaft dem Schauspieler alle Verträge gekündigt hat. In Deutschland wurde er in doppelter Hinsicht, nämlich als Jude und Homosexueller, zur Unperson.

Ein jäher Absturz

Sein Freund Eduard verhält sich da geschmeidiger, er arrangiert sich irgendwie mit den neuen Machthabern. Der gefeierte Mime aber erfährt auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Karriere einen jähen Absturz. Sein Leben gerät aus den Fugen, er emigriert nach New York, wo er die nächsten 30 Jahre lebt, aber niemals mehr an seinen Ruhm anknüpfen kann. Als er nach dem Krieg dem renommierten Regisseur Visconti begegnet und der ihm eine Nebenrolle anbietet, glaubt er an eine neue Chance. Doch eine herbe menschliche Enttäuschung folgt.

Leiterin der Bibliothek geht

Vom Postangestellten Walter hört er nach vielen Jahren. Lionel Kupfer schreibt ihm einen Brief mit einem Postskriptum, in dem er von dem traumatischen Erlebnis aus seiner Kindheit, dem Tod seines Bruders, erstmals berichtet.

Alain Claude Sulzer, 1953 in Riehen geboren, lebt heute als freier Schriftsteller in Basel, Berlin und im Elsass. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, erhielt dafür 2008 den «Prix Médici étranger», 2009 den Hermann-Hesse-Preis und 2013 den Kulturpreis der Stadt Basel.

Am Ende der Buchlesung verabschiedete mit grossem Bedauern Vizeammann Meinrad Schraner die Leiterin der Laufenburger Stadtbibliothek, Christa Fischer. Sie habe das kleine Unternehmen 23 Jahre lang mit viel Erfolg geleitet, so Schraner. (az)

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