Frick

Drama im Kornhauskeller: Mann und Hund und Lebenslustverlust

Kaspar Lüscher lässt die Zuschauer als «Karl mit Hund» tief in das Drama seines Lebens schauen, auch mit einem Lächeln.

Kaspar Lüscher lässt die Zuschauer als «Karl mit Hund» tief in das Drama seines Lebens schauen, auch mit einem Lächeln.

Das Theaterstück «Karl mit Hund» hatte am Samstag im Kornhauskeller Premiere. Vor vollem Haus gab Kaspar Lüscher Einblicke in ein bewegtes fiktives Leben.

Das tat er aber nicht linear von Anfang bis Ende, sondern umgekehrt und manchmal auch durcheinander, das richtige Rezept also für einen dramatischen Abend. Natürlich: Lüscher wäre nicht Lüscher, wenn es nichts zu lächeln gäbe. Seine Figur, Karl Schönbächler, hat denn auch etwas Komisches an sich, obwohl seine Geschichte, von der er in Rückblenden erzählt, so lustig gar nicht ist.

Ein Drama eben, eines mit Ehebruch und Totschlag, mit Gefängnis und Neuanfang, mit Bitterkeit und Wehmut, in das sich trotzdem mal ein Witz einschleicht oder eine derart surreale Szene, dass der Ernst der Lage für einen kurzen Moment in Heiterkeit umschlägt.

Dichte Atmosphäre

Kaspar Lüschers neue Solo-Aufführung ist in Anlehnung an «Der Mann mit dem kleinen Hund» des belgischen Schriftstellers Georges Simenon entstanden. Simenon, bekannt geworden vor allem durch die Figur des Kommissar Maigret, pflegte einen schnörkellosen Schreibstil, aus dem er jedoch dichte Atmosphären und präzise Beobachtungen entwickelte – was Kaspar Lüscher in seiner eigenen Fassung eindrücklich umzusetzen vermag. Der in Gipf-Oberfrick heimische Schauspieler hat zudem noch den Mut, die Bühne nicht ein einziges Mal umzustellen.

So bleibt die Ausstattung von Anfang bis Ende gleich karg, bestehend aus drei mannshohen Gerüsten mit Plastikfolien, die wie Wände, Fenster und sogar Türen in andere Zeiträume funktionieren. Hinzu kommt ein Stuhl, ein gerupftes Huhn, rote Farbe, ein Topf und natürlich ein Hund aus Stoff, eingewickelt in Zellophanfolie und mit einem rosaroten Schlupf versehen. Der Hund bleibt während der 70-minütigen Aufführung einfach Hund, sagt nichts, bellt und knurrt nicht, hört einfach nur zu, was sein Herr zu sagen hat. Die Zuschauer geraten dadurch in eine fast voyeuristische Rolle, indem sie eigentlich an ein Tier gerichtete Intimitäten mitbekommen. Aber so ist das ja meistens beim Theater und dafür bezahlt man auch Eintritt.

Vermeintliche Einfachheit

Was den Reiz des Stückes ausserdem ausmacht, sind die den Monolog des Schauspielers unterbrechenden Klangschnipsel aus Musik, Gesprochenem, Verhalltem und Verhuschtem, präzise von Techniker Marcel Hasler eingesetzt. So bringt sich Kaspar Lüscher manchmal selber in die Lage, längst vergangene Begebenheiten noch einmal wie ein Aussenstehender zu erleben. Und so wird die Aufführung trotz der vermeintlichen Einfachheit zu einem höchst komplexen, klugen und unterhaltsamen Erlebnis, trotz aller Tragik, trotz der unglücklichen Umstände, die Lüscher wie eine Zwiebel von aussen nach innen schält.

Ein Mann, einst glücklich, hat die Lust am Leben verloren wie andere Menschen ihren Regenschirm. Er durchlebt noch einmal, wie ihm der Boden unter den Füssen weggezogen wird, berappelt sich wieder, und als sich ein gutes Ende abzeichnet, kommt es doch anders. Das alles funktioniert bestens, weil Kaspar Lüscher diese Rolle nicht nur spielt, sondern lebt.

Regie von «Karl mit Hund» hat Raphael Bachmann, Regieassistenz Mia Lüscher, die dramaturgische Begleitung Fredy Heller.

Weitere Vorstellungen im Kornhauskeller (Kulturkommission Frick) sind von heute Montag bis Mittwoch, 20. September. Beginn ist jeweils um 20.15 Uhr. Danach tritt Lüscher in Zug, Basel, Chur und Zofingen auf.

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