Rheinfelden
Dort, wo die Einkaufstaschen rasch gefüllt werden

Ein Blick hinter die Kulissen der neuen Abgabestelle von «Tischlein deck dich». Das Angebot soll das Haushaltsbudget entlasten.

Nadine Böni
Drucken
Teilen
Isolde Buset, Präsidentin des gemeinnützigen Frauenvereins, portioniert Käse für die Abgabestelle. fotos: nadine böni

Isolde Buset, Präsidentin des gemeinnützigen Frauenvereins, portioniert Käse für die Abgabestelle. fotos: nadine böni

Die Szene gleicht dem Schauspiel auf einem kleinen Basar: Im allgemeinen Durcheinander wird Ware ausgepackt, geordnet, auf der Ausstellungsfläche verteilt und angepriesen. Nur sind die Händler hier freiwillige Helferinnen und der Schauplatz ist kein orientalischer Markt, sondern die ehemalige Militärküche beim Rheinfelder Hugenfeldschulhaus: Die neue Abgabestelle von «Tischlein deck dich» in Rheinfelden.

Inmitten der Hektik

Soeben haben Mitarbeiter der Organisation in einem kleinen Lastwagen die Lebensmittel angeliefert, die an diesem Nachmittag an Bedürftige verteilt werden sollen. Nun werden die Lebensmittel zunächst ausgepackt. «Das ist immer ein wenig hektisch», sagt Isolde Buset, Präsidentin des gemeinnützigen Frauenvereins Rheinfelden, der für den Betrieb der Abgabestelle verantwortlich ist. Buset schneidet gerade Käse in ungleich grosse Stücke, die Abgabestellen-Leiterin Charlotte Burkhard anschliessend in Plastikbeutel verpackt und in einer Kühlbox verstaut.

Wie viele und welche Lebensmittel oder Haushaltprodukte jeweils angeboten werden können, variiert von Woche zu Woche: «Es kommt, was kommt», sagt Buset. Heute sind das unter anderem einige Kilo Bananen, Käse, rund 50 Flaschen Coca-Cola Zero, gefrorener Spinat, zwei Dutzend Packungen Ananaskuchen-Mischung, Schokoladen-Waffeln, frischer Blumenkohl, Kaugummi, Büchsen-Spargeln und Zahnbürsten im Duo-Pack.

Als Ergänzung gedacht

«Das Angebot bei «Tischlein deck dich» ersetzt nicht den täglichen Einkauf. Es ist mehr als Ergänzung dazu gedacht. Etwas, das das Haushaltbudget entlastet», sagt Buset und Charlotte Burkhard ergänzt: «Manchmal kriegen die Leute hier etwas, das sie sich sonst nicht leisten würden.» Als Beispiel führt sie die Kinderüberraschung-Eier auf, die vor einigen Wochen verteilt wurden. «Das freute natürlich die Kinder besonders», so Burkhard.

Ist die Ware angeliefert, gilt es für die Helferinnen zunächst, sich einen Überblick über die gelieferten Dinge zu verschaffen. Jedes Produkt wird nach dem Auspacken ausgezählt und entsprechend beschriftet. «Es geht darum, dass wir vieles portionieren können und in etwa wissen, wie viel wir jeweils an eine Person verteilen können», erklärt Charlotte Burkhard.

Zu guter Letzt werden zwischen der Eingangstür und dem Abgabetisch noch Sichtwände aufgestellt. «Sonst kann es sein, dass diejenigen, die erst am Schluss drankommen, das Gefühl haben, dass für sie nichts mehr übrig bleibt», erklärt Isolde Buset das Konzept.

Dreissig Personen kommen

Kurz vor 14 Uhr treffen die ersten Hilfsbedürftigen ein. Aus einem Stoffsack ziehen sie Nummern. So wird die Reihenfolge ausgelost, in der sie nach dem Vorweisen der Karte, die sie als Bedürftige ausweist, die Lebensmittel erhalten. An diesem Tag sind es fast dreissig Personen, die zur Abgabestelle kommen.

Seit der Eröffnung Mitte Oktober nimmt die Zahl der Personen, die Lebensmittel beziehen, stetig zu. «Es ist wichtig, dass sie sich hier wohl fühlen und dass sie merken, dass eine positive Energie da ist», sagt Isolde Buset. Manchmal sei von den Helferinnen auch eine gewisse Härte gefragt.

«Wir dürfen jemandem nur der auf der Karte aufgeführten Anzahl Personen entsprechend viele Lebensmittel geben. Das ist nicht immer leicht, aber die meisten verstehen das», sagt Buset. Niemand der Helferinnen verurteile die Bedürftigen, denn «wir wissen, wie schnell es gehen kann, bis man an einem solchen Punkt ist». Umso mehr freut es sie jeweils, wenn sie die Dankbarkeit der Abnehmer spüren. In der Vorweihnachtszeit entwickelt sich ein neues Gefühl des Miteinanders.

Aktuelle Nachrichten